KI-Themen für die BWL-Abschlussarbeit 2026: 20 Forschungsfragen zum Einsatz künstlicher Intelligenz im Management

Kurze Antwort: KI-Themen in der BWL-Abschlussarbeit lassen sich in fünf Funktionsbereiche gliedern: Personalmanagement, Marketing, Controlling/Finance, Operations/Supply Chain sowie strategisches Management und Führung. Die ergiebigsten Fragen verbinden ein etabliertes betriebswirtschaftliches Konstrukt (z. B. Mitarbeiterbindung, Kaufentscheidung, Prognosegenauigkeit) mit einer konkreten KI-Anwendung, statt „KI im Unternehmen“ allgemein zu untersuchen.

Warum ein KI-Thema in der BWL mehr Eingrenzung braucht als andere Trendthemen

„KI im Management“ ist als Thema so breit, dass sich kaum eine prüfbare Forschungsfrage daraus ableiten lässt — und genau das ist der häufigste Grund, warum Betreuende ein erstes KI-Exposé zurückweisen. Die zwanzig Vorschläge unten sind deshalb bewusst auf ein Funktionsfeld UND eine konkrete Fragestellung zugeschnitten. Jede Zeile lässt sich direkt in eine Forschungsfrage mit Hypothese übersetzen; du musst nur noch Branche, Unternehmensgröße oder Zeitraum als Eingrenzung ergänzen. Diese Liste ist zudem bewusst als 2026er-Momentaufnahme angelegt: Sie greift Entwicklungen auf, die erst in den letzten ein bis zwei Jahren betriebswirtschaftlich relevant und akademisch belastbar erforschbar geworden sind — etwa die Umsetzung der EU-KI-Verordnung in der Praxis oder generative KI im Marketing-Alltag. Wer schon vor zwei oder drei Jahren ein KI-Thema bearbeitet hat, findet hier bewusst Fragestellungen, die erst durch die jüngste technologische und regulatorische Entwicklung überhaupt sinnvoll erforschbar geworden sind.

Was diese Liste von einer klassischen Themenliste unterscheidet

Anders als eine klassische Themenliste für ein Funktionsfeld (etwa „40 Themen für die Bachelorarbeit im Controlling“) ist diese Liste konsequent durch die KI-Linse gefiltert: Jedes Thema fragt nicht nur nach einem betriebswirtschaftlichen Phänomen, sondern danach, wie sich dieses Phänomen durch den Einsatz von KI verändert, verbessert oder neue Risiken erzeugt. Das ist der entscheidende Unterschied zu einer reinen Themenliste — und der Grund, warum diese Liste auch dann noch relevant bleibt, wenn die klassischen Themenfelder eines Funktionsbereichs bereits ausführlich bearbeitet wurden. Wer bereits eine klassische Themenliste für sein Funktionsfeld durchgesehen hat und dort keine passende Lücke mehr findet, findet sie oft in der Schnittmenge mit einem konkreten KI-Einsatzfall. Betrachte die fünf Funktionsbereiche unten deshalb weniger als starre Kategorien, sondern eher als fünf unterschiedliche Blickwinkel auf dieselbe zugrunde liegende Frage: Wo verändert KI heute schon nachweisbar betriebswirtschaftliches Handeln?

Personalmanagement: KI in Recruiting und Mitarbeiterführung

  1. KI-gestützte Bewerberauswahl und Diskriminierungsrisiko: Wie beeinflusst der Einsatz von KI-Screening-Tools im Recruiting die wahrgenommene Fairness des Auswahlprozesses aus Bewerbersicht? Ein besonders aktuelles Thema, weil die EU-KI-Verordnung Recruiting-KI als Hochrisikosystem einstuft und Unternehmen entsprechend dokumentationspflichtig macht.
  2. Chatbots im Onboarding: Verbessert ein KI-gestützter Onboarding-Assistent die frühe Bindung neuer Mitarbeitender in den ersten 90 Tagen? Interessant für Unternehmen mit hoher Frühfluktuation.
  3. KI-basierte Fluktuationsprognose: Wie genau lässt sich Mitarbeiterfluktuation mit Machine-Learning-Modellen auf Basis von HR-Daten vorhersagen, und welche Prädiktoren tragen am meisten bei?
  4. Akzeptanz von KI-Leistungsbeurteilungen: Wie unterscheidet sich die wahrgenommene Fairness einer KI-gestützten Leistungsbeurteilung von einer klassischen Vorgesetztenbeurteilung?
KI-gestütztes Recruiting-Dashboard mit Bewerber-Scoring auf einem Bildschirm
KI-Screening im Recruiting gilt unter der EU-KI-Verordnung als Hochrisikoanwendung mit eigener Dokumentationspflicht.

Marketing: KI in Kundenansprache und Kaufentscheidung

  1. Personalisierung durch KI: Wie wirkt sich KI-gestützte Produktpersonalisierung auf die Kaufwahrscheinlichkeit im E-Commerce aus? Ein Thema mit gutem Zugang zu öffentlich dokumentierten Case Studies großer Plattformen.
  2. Chatbots im Kundenservice: Beeinflusst die Offenlegung, dass ein Kundenservice-Chat durch KI geführt wird, die Kundenzufriedenheit?
  3. KI-generierte Werbung: Unterscheidet sich die wahrgenommene Glaubwürdigkeit von KI-generierten gegenüber menschlich verfassten Werbetexten?
  4. Predictive Analytics im CRM: Wie genau sagen KI-Modelle die Abwanderungswahrscheinlichkeit von Bestandskunden im Abo-Geschäft vorher?

Controlling und Finance: KI in Prognose und Reporting

  1. KI-gestützte Umsatzprognose: Wie genau sind Machine-Learning-Modelle im Vergleich zu klassischen Zeitreihenverfahren bei der kurzfristigen Umsatzprognose in einem mittelständischen Unternehmen?
  2. Automatisiertes Reporting: Welche Auswirkungen hat die Einführung KI-gestützter Reporting-Tools auf die Durchlaufzeit des monatlichen Berichtswesens?
  3. KI in der Betrugserkennung: Wie effektiv erkennen KI-Modelle anomale Buchungsmuster im Vergleich zu regelbasierten Kontrollsystemen?
  4. Akzeptanz von KI-Budgetempfehlungen: Wie stark vertrauen Controller:innen einer KI-generierten Budgetempfehlung im Vergleich zu einer Kollegenempfehlung?

Operations und Supply Chain: KI in Planung und Logistik

  1. KI-gestützte Bedarfsprognose: Wie verbessert ein Machine-Learning-Modell die Bedarfsprognosegenauigkeit gegenüber klassischen Prognoseverfahren in einem konkreten Produktsegment?
  2. Predictive Maintenance: Welchen Effekt hat vorausschauende, KI-gestützte Wartungsplanung auf ungeplante Maschinenstillstände?
  3. KI in der Routenoptimierung: Wie stark reduziert ein KI-gestütztes Routenoptimierungssystem die Lieferzeiten in der letzten Meile?
  4. Lieferantenrisikobewertung: Wie genau identifizieren KI-Modelle Lieferantenausfallrisiken im Vergleich zu klassischen Bonitätsprüfungen?
Manager prüft ein KI-gestütztes Bedarfsprognose-Dashboard im Controlling
Prognosethemen wie Bedarfs- oder Umsatzprognose lassen sich oft mit vorhandenen Unternehmensdaten bearbeiten.

Strategisches Management und Führung: KI als Entscheidungsunterstützung

  1. KI in der strategischen Entscheidungsfindung: Wie verändert der Einsatz von KI-gestützten Szenarioanalysen die Qualität strategischer Investitionsentscheidungen im Topmanagement?
  2. Führungskräfte-Akzeptanz von KI-Empfehlungen: Unter welchen Bedingungen folgen Führungskräfte einer KI-Empfehlung eher als einer menschlichen Expertenmeinung (Algorithm Aversion vs. Algorithm Appreciation)?
  3. KI-Kompetenz als Führungsanforderung: Wie verändert sich das erwartete Kompetenzprofil von Führungskräften durch den zunehmenden Einsatz von KI-Systemen im Unternehmen?
  4. Organisatorische KI-Reife: Welche organisatorischen Faktoren begünstigen eine erfolgreiche unternehmensweite KI-Einführung in mittelständischen Unternehmen?

Wie du eines dieser Themen für deine Bachelorarbeit eingrenzt

Jede der zwanzig Fragen ist bewusst noch offen genug, um sie an deine konkrete Situation anzupassen. Ergänze drei Eingrenzungen: erstens die Branche oder Unternehmensgröße (z. B. „im deutschen Mittelstand“ statt allgemein), zweitens den Datenzugang (hast du Zugang zu echten Unternehmensdaten, oder arbeitest du mit einer Befragung, einem Experiment oder öffentlich verfügbaren Sekundärdaten?), und drittens den Zeitraum. Ein Thema wie „KI-gestützte Umsatzprognose“ wird so zu einer konkreten, in zwölf Wochen bearbeitbaren Forschungsfrage.

Bachelor- oder Master-Niveau: Welche Themen passen wohin?

Themen mit Befragungs- oder Experimentaldesign (Akzeptanz, wahrgenommene Fairness, Vertrauen in KI-Empfehlungen) eignen sich gut für eine Bachelorarbeit, weil sich Stichprobe und Auswertung in zwölf Wochen realistisch bewältigen lassen. Themen mit eigener Modellentwicklung und -validierung — etwa der Vergleich mehrerer Prognosemodelle oder eine ausführliche Fehleranalyse einer Betrugserkennungs-KI — bieten auf Masterniveau deutlich mehr methodische Tiefe und werden dort auch eher erwartet. Ein Bachelor-Thema, das nur ein einzelnes Modell ohne Vergleichsbasis trainiert, wirkt auf Masterniveau schnell zu dünn.

Wie du dein KI-Thema theoretisch verankerst

Ein häufiger Schwachpunkt bei KI-Themen ist die fehlende Anbindung an etablierte betriebswirtschaftliche Theorie. Drei Theorierahmen decken die meisten der zwanzig Themen gut ab: Das Technology Acceptance Model (TAM) eignet sich für alle Akzeptanzfragen (Themen 1, 4, 6, 18). Das Konzept der Algorithm Aversion bzw. Algorithm Appreciation eignet sich speziell für Fragen zum Vertrauen in KI-Empfehlungen gegenüber menschlichem Urteil (Thema 12, 18). Und für die rein modellbasierten Prognosethemen (9, 13, 14, 16) ist statt eines verhaltenswissenschaftlichen Modells eine methodische Einordnung in die einschlägige Prognose- oder Data-Mining-Literatur der passendere theoretische Anker.

Machbarkeit realistisch einschätzen

Nicht jedes dieser Themen ist mit einer klassischen Bachelorarbeit-Stichprobe gleich gut zu bearbeiten. Themen mit Befragungsdesign (Akzeptanz, wahrgenommene Fairness, Vertrauen) sind mit 60 bis 150 Teilnehmenden über eine Online-Befragung realistisch machbar. Themen mit echten Unternehmensdaten (Prognosegenauigkeit, Betrugserkennung, Predictive Maintenance) setzen einen kooperierenden Praxispartner oder einen öffentlich verfügbaren Datensatz voraus — kläre das vor der endgültigen Themenwahl, nicht danach. Eine bewährte Faustregel: Wenn du innerhalb der ersten zwei Wochen keinen konkreten Zugang zu den benötigten Daten organisieren kannst, wechsle lieber frühzeitig auf ein befragungsbasiertes Thema aus derselben Liste, statt wertvolle Bearbeitungszeit mit der Datensuche zu verlieren.

Häufige Fehler bei KI-Themen in der BWL-Abschlussarbeit

  • Thema zu breit: „KI im Unternehmen“ statt einer konkreten Funktion und einer konkreten Fragestellung.
  • Datenzugang nicht geklärt: Ein datenintensives Thema wird gewählt, ohne vorher zu prüfen, ob echte Unternehmensdaten verfügbar sind.
  • Reine Tool-Beschreibung statt Forschungsfrage: Die Arbeit beschreibt nur, wie ein KI-Tool funktioniert, statt eine testbare betriebswirtschaftliche Frage zu beantworten.
  • Fehlender Theoriebezug: Das Thema bleibt ohne Anbindung an ein etabliertes Konstrukt (z. B. Technology Acceptance Model, Algorithm Aversion), was die Einordnung in den Forschungsstand erschwert.
  • Übernutzte generische Themen: „ChatGPT im Unternehmen“ ist mittlerweile so oft bearbeitet worden, dass eine engere, funktionsspezifische Fragestellung origineller wirkt. Prüfe vor der endgültigen Themenwahl kurz, ob eine Suche nach deinem Wunschtitel bereits zahlreiche vergleichbare Abschlussarbeiten anzeigt.

FAQ zu KI-Themen für die BWL-Abschlussarbeit

Brauche ich für ein KI-Thema Programmierkenntnisse?

Nicht zwingend. Themen zur Akzeptanz, Wahrnehmung oder organisatorischen Einführung von KI lassen sich vollständig ohne eigene Modellentwicklung bearbeiten — du untersuchst dann Menschen und Organisationen, nicht die KI selbst. Nur bei Themen mit eigener Prognosemodellierung (z. B. Umsatzprognose) sind Grundkenntnisse in Python oder R hilfreich.

Wie aktuell muss die verwendete Literatur bei einem KI-Thema sein?

Wegen der schnellen Entwicklung solltest du bei KI-spezifischen Quellen auf maximal drei bis vier Jahre Aktualität achten, während grundlegende betriebswirtschaftliche Theorien (z. B. Technology Acceptance Model) auch älter sein dürfen.

Sollte ich ein Unternehmen als Praxispartner suchen?

Für datenintensive Themen (Prognosemodelle, Betrugserkennung) ist das sehr hilfreich, aber nicht zwingend — viele Themen lassen sich auch mit einer Befragung unter Fach- oder Führungskräften oder mit öffentlich verfügbaren Branchendaten bearbeiten.

Wie unterscheidet sich ein KI-Thema von einem klassischen Digitalisierungsthema?

Ein KI-Thema untersucht spezifisch Systeme, die Muster lernen und Vorhersagen oder Entscheidungen treffen, während klassische Digitalisierungsthemen oft breiter angelegt sind (z. B. Prozessautomatisierung allgemein). Die Abgrenzung lohnt sich, weil KI-spezifische Konstrukte wie Algorithm Aversion oder KI-Vertrauen eigene Forschungsstränge mit eigener Literatur haben.

Welches dieser Themen eignet sich für eine Masterarbeit statt einer Bachelorarbeit?

Themen mit eigener Modellentwicklung und -validierung (Prognosemodelle, Betrugserkennung, Routenoptimierung) bieten auf Masterniveau mehr Raum für methodische Tiefe, etwa durch den Vergleich mehrerer Modellklassen oder eine ausführlichere Fehleranalyse.

Kann ich zwei dieser Themen kombinieren, z. B. Personalmanagement und Führung?

Ja, solange die Kombination eine klare, einzelne Forschungsfrage ergibt — etwa „Wie beeinflusst KI-gestützte Leistungsbeurteilung das Vertrauen von Mitarbeitenden in ihre Führungskraft?“ verbindet Thema 4 und 18 sinnvoll, statt zwei separate Fragen parallel zu verfolgen.

Wie prüfe ich, ob mein gewähltes Thema bereits von anderen Studierenden an meiner Hochschule bearbeitet wurde?

Frage direkt bei deinem Prüfungsamt oder Lehrstuhl nach einer Liste bereits vergebener Themen der letzten zwei Jahre — die meisten Fachbereiche führen eine solche Übersicht und geben sie auf Anfrage heraus, um Themenüberschneidungen zu vermeiden.

Was, wenn sich die EU-KI-Verordnung während meiner Bearbeitungszeit noch ändert?

Dokumentiere den Stand der Rechtslage zum Zeitpunkt deiner Literaturrecherche explizit mit Datum, und weise in den Limitationen kurz darauf hin, dass regulatorische Entwicklungen nach Abgabe der Arbeit nicht mehr berücksichtigt werden konnten — das ist ein akzeptierter Umgang mit sich schnell ändernden Rechtsrahmen.

Warum fehlen Themen zu generativer KI wie Textgenerierung im Recht oder Produktdesign?

Diese Liste ist bewusst auf die BWL-Kernfunktionen begrenzt. Themen mit stärkerem Bezug zu Recht oder Produktentwicklung gehören eher in eine juristische oder ingenieurwissenschaftliche Abschlussarbeit — sprich bei einer interdisziplinären Fragestellung frühzeitig mit beiden potenziell betreuenden Lehrstühlen, welcher die Betreuung übernimmt.

Kann ich ein KI-Thema wählen, auch wenn mein Lehrstuhl bisher keine KI-Themen betreut hat?

Das ist möglich, verlangt aber etwas mehr Vorarbeit als ein Thema, das bereits zum erkennbaren Schwerpunkt des Lehrstuhls gehört. Sieh dir vorab die Veröffentlichungen und bisher betreuten Abschlussarbeiten des Lehrstuhls an, um einzuschätzen, ob KI-Themen fachlich überhaupt in dessen Profil passen — ein Controlling-Lehrstuhl mit Schwerpunkt Rechnungslegung wird sich mit einem KI-Prognosemodell-Thema schwerer tun als ein Lehrstuhl mit digitalem oder quantitativem Fokus. Sprich das Thema in einem ersten Gespräch offen an, bevor du ein vollständiges Exposé schreibst, und frage konkret, ob eine Co-Betreuung durch einen technisch näher stehenden Lehrstuhl infrage käme, falls die methodische Tiefe über die übliche Betreuungskompetenz hinausgeht.

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