Controlling ist eines der beliebtesten Vertiefungsfächer im BWL-Studium und gleichzeitig eines der schwierigsten für die Themensuche: Das Fach lebt von Unternehmensdaten, die Studierende meist nicht haben, und von Instrumenten, über die schon tausend Arbeiten geschrieben wurden. Die 40 Themen in diesem Beitrag sind deshalb so gebaut, dass jedes eine prüfbare Forschungsfrage, eine konkrete Kennzahl oder Methode und eine realistisch erreichbare Datenquelle mitbringt. Sie sind nach acht Themenfeldern geordnet, damit du dort einsteigen kannst, wo dein Praktikum, dein Praxispartner oder dein Lieblingsmodul liegt.
Das Wichtigste zuerst
- Die guten Controlling-Themen des Jahres 2026 liegen an drei Bruchstellen: der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem Omnibus-Paket, der neuen Ergebnisrechnung nach IFRS 18 und der Frage, was KI im Forecasting tatsächlich besser macht als der Controller.
- Ein Controlling-Thema ist nur so gut wie sein Datenzugang. Jedes Thema unten nennt, ob es mit öffentlichen Jahresabschlüssen, amtlichen Statistiken, einer Fallstudie beim Praxispartner oder einer Befragung funktioniert.
- Die Forschungsfrage entscheidet über die Note, nicht das Instrument. „Balanced Scorecard im Mittelstand“ ist kein Thema; „Welche Perspektiven der Balanced Scorecard werden in mittelständischen Maschinenbauern nach fünf Jahren noch aktiv gesteuert?“ ist eines.
Wie du aus dieser Liste ein Thema machst
Lies die Liste nicht als Menü, sondern als Baukasten. Jedes Thema besteht aus drei Teilen: einem Untersuchungsobjekt (Unternehmen, Branche, Prozess), einer Kennzahl oder einem Instrument und einer Datenquelle. Tausche einen der drei Teile gegen das, was du tatsächlich hast, und du besitzt ein Thema, das niemand sonst in deinem Jahrgang schreibt. Ein Praktikum in einem Logistikunternehmen macht aus Thema 26 eine Fallstudie; ein Zugang zum Bundesanzeiger macht aus Thema 21 eine Querschnittsanalyse über 40 Unternehmen. Welche Dokumente dort tatsächlich liegen und was sie für dein Design bedeuten, erklärt der Beitrag zu Unternehmensdaten aus Bundesanzeiger und Unternehmensregister.
Ein Wort zur Datenquelle „Fallstudie beim Praxispartner“: Sie ist im Controlling die häufigste und die anspruchsvollste, weil interne Zahlen fast immer einen Sperrvermerk verlangen und weil der Praxispartner andere Fragen stellt als die Hochschule. Wie du eine Abschlussarbeit im Unternehmen mit Praxispartner organisierst und den Sperrvermerk richtig formulierst, ist in zwei eigenen Beiträgen beschrieben.
Themenfeld 1: Nachhaltigkeit und Green Controlling
Das ergiebigste Feld des Jahres. Mit dem Omnibus-Paket der EU-Kommission soll die CSRD nur noch für die größten Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten gelten, die Berichtspflicht der zweiten und dritten Welle wurde mit der Stop-the-Clock-Richtlinie um zwei Jahre verschoben, und für alle anderen Unternehmen hat die Kommission im Juli 2025 den freiwilligen VSME-Standard empfohlen. Für Controlling-Arbeiten ist das ein Geschenk: Tausende Unternehmen haben Berichtssysteme aufgebaut, die sie jetzt nicht mehr brauchen, oder stehen vor der Entscheidung, freiwillig nach VSME zu berichten.
- Versunkene Kosten der CSRD-Vorbereitung. Forschungsfrage: Welche Elemente der bereits aufgebauten Nachhaltigkeitsberichterstattung behalten mittelständische Unternehmen nach dem Wegfall der Berichtspflicht bei, und mit welcher Begründung? Methode: Experteninterviews mit Controllingleitungen. Daten: sechs bis acht Unternehmen zwischen 250 und 1.000 Beschäftigten.
- Freiwillige Berichterstattung nach VSME. Forschungsfrage: Welche Anreize aus der Lieferkette führen dazu, dass nicht berichtspflichtige Unternehmen den freiwilligen KMU-Standard anwenden? Methode: Fragebogen an Zulieferer eines Großkonzerns. Daten: Praxispartner mit Lieferantenliste.
- Interne CO2-Bepreisung als Steuerungsinstrument. Forschungsfrage: Wie verändert ein interner CO2-Schattenpreis die Rangfolge von Investitionsprojekten in einem Produktionsunternehmen? Methode: Neuberechnung realer Investitionsanträge mit Preisszenarien. Daten: Fallstudie beim Praxispartner.
- Der Übergang vom nationalen Emissionshandel in den europäischen. Forschungsfrage: Welche Planungsannahmen treffen energieintensive Mittelständler für den CO2-Preis nach dem Ende des Brennstoffemissionshandelsgesetzes, und wie gehen sie in die Mittelfristplanung ein? Methode: Dokumentenanalyse und Interviews. Daten: Lageberichte im Bundesanzeiger plus drei Interviews.
- Klimarisiken in der Risikoberichterstattung. Forschungsfrage: Wie hat sich der Anteil quantifizierter Klimarisiken in den Lageberichten der DAX-40-Unternehmen zwischen 2021 und 2025 entwickelt? Methode: quantitative Inhaltsanalyse. Daten: Geschäftsberichte, öffentlich.
Themenfeld 2: Digitalisierung und KI im Controlling
- Prognosegüte von KI-Forecasts. Forschungsfrage: Um wie viel verbessert ein maschinelles Lernmodell die Absatzprognose gegenüber der Controller-Schätzung, gemessen am mittleren absoluten Prozentfehler? Methode: Backtesting auf historischen Daten. Daten: Absatzhistorie eines Praxispartners, mindestens 36 Monate.
- Robotic Process Automation im Monatsabschluss. Forschungsfrage: Welche Abschlussschritte lassen sich in einem mittelständischen Unternehmen automatisieren, und wie verändert sich die Durchlaufzeit des Monatsabschlusses? Methode: Prozessanalyse vorher und nachher. Daten: Fallstudie.
- Self-Service-BI und Berichtsqualität. Forschungsfrage: Führt die Einführung von Self-Service-Dashboards zu mehr oder weniger widersprüchlichen Kennzahlen im Management Reporting? Methode: Analyse von Berichtsvarianten und Interviews. Daten: Praxispartner mit BI-Einführung.
- Der Controller als Datenkurator. Forschungsfrage: Welche Kompetenzen nennen Stellenanzeigen für Controller 2026 im Vergleich zu 2016, und wie hat sich der Anteil von Datenkompetenzen verschoben? Methode: Inhaltsanalyse von Stellenanzeigen. Daten: öffentliche Jobportale, Archivstände.
- Generative KI im Berichtskommentar. Forschungsfrage: Erkennen Führungskräfte den Unterschied zwischen KI-generierten und von Controllern verfassten Abweichungskommentaren, und bewerten sie ihn anders? Methode: Experiment mit verblindeten Kommentaren. Daten: 30 bis 50 Führungskräfte eines Praxispartners.

Themenfeld 3: Planung, Budgetierung und Forecasting
- Beyond Budgeting in der Praxis. Forschungsfrage: Welche Elemente des Beyond-Budgeting-Ansatzes haben Unternehmen, die ihn öffentlich vertreten, nach zehn Jahren tatsächlich beibehalten? Methode: Fallstudienvergleich. Daten: Geschäftsberichte, Fachpresse, Interviews.
- Rolling Forecast und Planungsaufwand. Forschungsfrage: Reduziert der Wechsel von der Jahresplanung auf einen rollierenden Forecast den Planungsaufwand, oder verteilt er ihn nur über das Jahr? Methode: Zeiterfassung im Controlling vor und nach der Umstellung. Daten: Fallstudie.
- Zero-Based Budgeting bei Gemeinkosten. Forschungsfrage: Welche Gemeinkostenarten reagieren in einem Nullbasisbudget am stärksten, und wie stabil ist die Einsparung im Folgejahr? Methode: Kostenartenanalyse über zwei Budgetzyklen. Daten: Praxispartner.
- Szenarioplanung für Energiepreise. Forschungsfrage: Wie stark weicht das Betriebsergebnis eines energieintensiven Betriebs unter drei Energiepreisszenarien ab, und welches Szenario liegt der Planung tatsächlich zugrunde? Methode: Sensitivitätsanalyse. Daten: Kostenstruktur des Praxispartners plus Preisreihen der Bundesnetzagentur.
- Planungsqualität messen. Forschungsfrage: Wie groß ist die systematische Abweichung zwischen Budget und Ist bei börsennotierten Unternehmen, und ist sie nach oben oder unten verzerrt? Methode: Analyse veröffentlichter Prognosen und Ist-Werte. Daten: Geschäftsberichte, öffentlich.
Themenfeld 4: Kostenrechnung und Kalkulation
- Prozesskostenrechnung im Dienstleistungsunternehmen. Forschungsfrage: Welche Kundengruppen sind nach einer Prozesskostenrechnung profitabler oder unprofitabler als nach der bisherigen Zuschlagskalkulation? Methode: Neukalkulation mit Prozesskostensätzen. Daten: Fallstudie.
- Target Costing bei Produktvarianten. Forschungsfrage: Wie verändert eine Zielkostenspaltung die Zahl der angebotenen Varianten in einem Konsumgüterunternehmen? Methode: Fallstudie mit Zielkostendiagramm. Daten: Praxispartner.
- Herstellungskosten nach HGB und IFRS. Forschungsfrage: Wie groß ist die Differenz der Vorratsbewertung zwischen handelsrechtlichem und internationalem Abschluss bei Unternehmen, die beides veröffentlichen? Methode: Abschlussanalyse. Daten: Bundesanzeiger plus Konzernabschluss.
- Deckungsbeitragsrechnung im Handwerk. Forschungsfrage: Welche Aufträge eines Handwerksbetriebs erwirtschaften nach Deckungsbeitrag II einen negativen Beitrag, und warum werden sie dennoch angenommen? Methode: Auftragsanalyse plus Interviews. Daten: Praxispartner.
- Kostenremanenz nach Nachfrageeinbruch. Forschungsfrage: Wie schnell passen sich die Fixkosten deutscher Automobilzulieferer an sinkende Umsätze an, gemessen über die Jahresabschlüsse 2019 bis 2025? Methode: Panelanalyse. Daten: Bundesanzeiger.
Themenfeld 5: Reporting, Kennzahlen und Performance Measurement
Hier liegt die zweite große Bruchstelle des Jahres. IFRS 18 wurde am 9. April 2024 veröffentlicht, ist für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027 anzuwenden und ersetzt IAS 1. Der Standard gliedert die Gewinn- und Verlustrechnung in die Kategorien betrieblich, investiv und Finanzierung (neben Ertragsteuern und aufgegebenen Geschäftsbereichen), verlangt die Zwischensummen Betriebsergebnis und Ergebnis vor Finanzierung und Steuern und zwingt Unternehmen, ihre selbst definierten Leistungskennzahlen auf die nächstgelegene IFRS-Zwischensumme überzuleiten. Jede dieser Änderungen ist ein Thema.
- Management-defined Performance Measures vor und nach IFRS 18. Forschungsfrage: Welche bereinigten Kennzahlen kommunizieren DAX- und MDAX-Unternehmen heute, und wie groß ist die Differenz zum künftig verpflichtenden Betriebsergebnis? Methode: Überleitungsanalyse. Daten: Geschäftsberichte, öffentlich.
- Die Balanced Scorecard nach fünf Jahren. Forschungsfrage: Welche der vier Perspektiven werden in einem mittelständischen Unternehmen fünf Jahre nach Einführung noch aktiv mit Zielwerten gesteuert? Methode: Dokumentenanalyse plus Interviews. Daten: Praxispartner.
- Kennzahlendichte im Management Reporting. Forschungsfrage: Wie viele Kennzahlen enthält der monatliche Managementbericht, und wie viele davon lösen nachweislich Entscheidungen aus? Methode: Berichtsanalyse und Entscheidungsprotokolle. Daten: Fallstudie.
- Bereinigtes EBITDA als Kommunikationsinstrument. Forschungsfrage: Welche Anpassungen nehmen Unternehmen einer Branche beim bereinigten EBITDA vor, und wie hat sich die Bereinigungshöhe seit 2020 entwickelt? Methode: Abschlussanalyse. Daten: Geschäftsberichte.
- Kennzahlen im Nachhaltigkeitsreporting. Forschungsfrage: Welche der freiwillig berichteten Nachhaltigkeitskennzahlen sind mit Vergütungssystemen des Vorstands verknüpft? Methode: Inhaltsanalyse von Vergütungsberichten. Daten: öffentlich.
Themenfeld 6: Finanzcontrolling, Working Capital und Liquidität
- Cash Conversion Cycle im Branchenvergleich. Forschungsfrage: Wie unterscheidet sich die Geldumschlagsdauer zwischen Maschinenbau und Logistik, und welche Komponente erklärt den Unterschied? Methode: Kennzahlenvergleich. Daten: Bundesanzeiger, 20 Unternehmen je Branche.
- Forderungsmanagement und Zahlungsverzug. Forschungsfrage: Welche Maßnahmen des Forderungsmanagements verkürzen die Außenstandsdauer in einem Großhandelsunternehmen messbar? Methode: Vorher-nachher-Analyse. Daten: Fallstudie.
- Zinsänderungsrisiko in der Liquiditätsplanung. Forschungsfrage: Wie stark reagiert das Finanzergebnis mittelständischer Unternehmen mit variabel verzinsten Krediten auf einen Zinsanstieg um einen Prozentpunkt? Methode: Sensitivitätsanalyse. Daten: Anhangangaben im Bundesanzeiger plus Zinsreihen der Bundesbank.
- Liquiditätsplanung in der Krise. Forschungsfrage: Welche Planungshorizonte und Aktualisierungsrhythmen verwenden Unternehmen in der Restrukturierung, und wie unterscheiden sie sich von der Normalplanung? Methode: Interviews mit Sanierungsberatern und Controllern. Daten: sechs bis zehn Interviews.
- Supply Chain Finance. Forschungsfrage: Verlagert Reverse Factoring die Finanzierungskosten auf die Zulieferer, gemessen an deren Verbindlichkeits- und Zinsstruktur? Methode: Abschlussanalyse von Zulieferern eines Großunternehmens. Daten: Bundesanzeiger.

Themenfeld 7: Investitions- und Projektcontrolling
- Kapitalwert oder interner Zinsfuß. Forschungsfrage: Welches Verfahren verwenden mittelständische Unternehmen tatsächlich für Investitionsentscheidungen, und weicht die Entscheidung bei beiden Verfahren voneinander ab? Methode: Fragebogen plus Nachrechnung realer Fälle. Daten: Praxispartner oder Verbandsmitglieder.
- Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage im Gewerbebetrieb. Forschungsfrage: Ab welchem Eigenverbrauchsanteil ist eine Dachanlage bei aktuellen Strompreisen und Einspeisevergütung wirtschaftlich? Methode: dynamische Investitionsrechnung mit Sensitivitäten. Daten: Lastprofil des Praxispartners.
- Nutzwertanalyse bei Softwareauswahl. Forschungsfrage: Wie verändern unterschiedliche Gewichtungen der Bewertungskriterien die Rangfolge bei der Auswahl einer Controllingsoftware? Methode: Nutzwertanalyse mit Gewichtungsszenarien. Daten: Fallstudie.
- Earned Value im Projektcontrolling. Forschungsfrage: Wie früh hätte die Earned-Value-Methode die Kostenüberschreitung eines abgeschlossenen Projekts angezeigt? Methode: retrospektive Anwendung auf Projektdaten. Daten: Praxispartner mit abgeschlossenem Projekt.
- Realoptionen bei Erweiterungsinvestitionen. Forschungsfrage: Welchen zusätzlichen Wert weist ein Realoptionsansatz einer aufschiebbaren Erweiterungsinvestition zu, verglichen mit dem Kapitalwert? Methode: Modellrechnung. Daten: Fallstudie oder konstruiertes Beispiel mit realen Parametern.
Themenfeld 8: Organisation, Rolle und Verhalten
- Der Controller als Business Partner. Forschungsfrage: Wie viel Arbeitszeit verwenden Controller eines Unternehmens auf Berichtserstellung gegenüber Beratung, und wie bewerten Führungskräfte das Verhältnis? Methode: Zeiterfassung und Befragung. Daten: Praxispartner.
- Anreizsysteme und Budgetverhalten. Forschungsfrage: Führen budgetbasierte Boni zu systematisch vorsichtigen Planungen, gemessen an der Abweichung zwischen Plan und Ist? Methode: Analyse von Planungsrunden. Daten: Fallstudie.
- Controlling im Start-up. Forschungsfrage: Welche Controllinginstrumente führen Start-ups in welcher Finanzierungsphase ein, und was löst die Einführung aus? Methode: Interviews mit Gründerinnen und Gründern. Daten: acht bis zwölf Start-ups.
- Controlling im Familienunternehmen. Forschungsfrage: Unterscheiden sich Kennzahlensysteme familiengeführter Unternehmen von denen fremdgeführter Unternehmen gleicher Größe? Methode: Vergleichsstudie. Daten: Interviews und Geschäftsberichte.
- Behavioral Controlling. Forschungsfrage: Welche kognitiven Verzerrungen lassen sich in dokumentierten Investitionsentscheidungen eines Unternehmens nachweisen, und welche Gegenmaßnahmen setzt das Controlling ein? Methode: Dokumentenanalyse und Interviews. Daten: Fallstudie.
Thema gefunden, Exposé noch leer?
Von der Themenidee bis zur angemeldeten Arbeit liegen Forschungsfrage, Gliederung, Methodik und ein Zeitplan, den dein Praxispartner mitträgt. Tesify strukturiert dein Controlling-Thema zu einem Exposé, hält Quellen und Kennzahlendefinitionen zusammen und hilft dir, aus 40 Möglichkeiten die eine Arbeit zu machen, die du in zwölf Wochen tatsächlich abgeben kannst.
Datenquellen für Controlling-Arbeiten im Überblick
Vier Datenwege tragen fast alle Themen dieser Liste, und jeder hat eine typische Schwäche, die du im Methodikteil benennen musst.
Öffentliche Jahres- und Konzernabschlüsse. Bundesanzeiger und Unternehmensregister liefern für alle offenlegungspflichtigen Unternehmen Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht. Die Schwäche: Kleine Unternehmen legen verkürzt offen, und interne Steuerungsgrößen fehlen vollständig. Für Querschnittsanalysen über 20 bis 60 Unternehmen ist das der Standardweg.
Amtliche Statistik. Kostenstrukturerhebungen, Produktionsindizes und Preisreihen des Statistischen Bundesamts sowie Zins- und Kreditreihen der Bundesbank liefern den Branchen- und Marktkontext. Welche Portale es gibt und warum der Rechenstand dokumentiert werden muss, steht im Beitrag zu Makrodaten von GENESIS-Online bis Weltbank.
Fallstudie beim Praxispartner. Der Königsweg für alles, was interne Kostenrechnung, Planung oder Reporting betrifft, und zugleich der Weg mit dem höchsten Organisationsaufwand. Rechne mit vier bis sechs Wochen Vorlauf für Datenfreigabe und Sperrvermerk.
Befragung und Interview. Für Rollen-, Kompetenz- und Verhaltensthemen. Die Schwäche ist der Feldzugang: Controllingleitungen antworten selten auf kalte Anfragen. Der Umweg über Verbände, Alumni-Netzwerke und die eigene Professur ist fast immer nötig. Wie ein Experteninterview mit Leitfaden geplant, geführt und ausgewertet wird, ist an anderer Stelle Schritt für Schritt beschrieben.
Häufige Fragen zu Controlling-Themen
Muss eine Controlling-Bachelorarbeit empirisch sein?
Nein, aber die meisten Prüfenden erwarten einen erkennbaren Praxisbezug. Eine konzeptionelle Arbeit, die etwa ein Kennzahlensystem für einen Unternehmenstyp entwickelt, ist zulässig, wenn sie ihre Annahmen aus Literatur und mindestens einem realen Beispiel ableitet. Reine Literaturarbeiten zu etablierten Instrumenten werden dagegen selten gut bewertet.
Wie finde ich einen Praxispartner für ein Controlling-Thema?
Über das eigene Praktikum, den Werkstudentenjob, die Praxispartnerbörse der Hochschule oder eine gezielte Anfrage an das Controlling eines Unternehmens mit konkretem Themenvorschlag. Eine Anfrage mit fertiger Forschungsfrage und klarem Datenbedarf wird deutlich häufiger beantwortet als die Bitte um „ein Thema im Controlling“.
Reichen Jahresabschlüsse aus dem Bundesanzeiger für eine Bachelorarbeit?
Für Kennzahlenvergleiche, Branchenanalysen und Fragen zur externen Berichterstattung ja. Für Fragen zur internen Steuerung nein, weil Kostenstellen, Planwerte und Abweichungsanalysen nicht veröffentlicht werden.
Wie viele Unternehmen brauche ich für einen Kennzahlenvergleich?
Für eine beschreibende Bachelorarbeit sind 20 bis 40 Unternehmen einer Branche üblich; für Regressionen in einer Masterarbeit eher 60 und mehr, über mehrere Jahre. Wichtiger als die Zahl ist eine sauber begründete Auswahl mit dokumentierten Ausschlusskriterien.
Sind Themen zu IFRS 18 und CSRD nicht zu aktuell für eine Bachelorarbeit?
Im Gegenteil. Genau weil die Standards neu sind, gibt es wenig Literatur, aber viele Unternehmen mitten in der Umstellung, und das ist ideales Terrain für Fallstudien und Interviews. Du musst nur den Rechtsstand präzise angeben, weil sich die Vorgaben während deiner Bearbeitungszeit weiter ändern können.
Wie formuliere ich aus einem Thema die Forschungsfrage?
Indem du Untersuchungsobjekt, Kennzahl und Zeitraum festlegst und die Frage so stellst, dass eine Zahl oder ein Vergleich sie beantwortet. Die Beispiele in dieser Liste folgen alle diesem Muster; weitere Beispiele und Formulierungsregeln für Forschungsfragen findest du im verlinkten Beitrag.
Fazit
Controlling-Themen sind 2026 reichlich vorhanden, und die besten liegen dort, wo sich Regeln gerade ändern: bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem Omnibus-Paket, bei der neuen Ergebnisrechnung nach IFRS 18 und beim Einsatz von KI im Forecasting. Entscheidend ist nicht, welches der 40 Themen du wählst, sondern ob du Untersuchungsobjekt, Kennzahl und Datenzugang vor der Anmeldung festgelegt hast. Wer das tut, schreibt eine Arbeit, die eine Frage beantwortet, und nicht eine, die ein Instrument beschreibt.
