Kategorie: VWL

  • Makrodaten für die VWL-Abschlussarbeit 2026: Bundesbank, GENESIS, Eurostat, Weltbank und die Revisionsfalle

    Makrodaten für die VWL-Abschlussarbeit 2026: Bundesbank, GENESIS, Eurostat, Weltbank und die Revisionsfalle

    Wer eine VWL-Abschlussarbeit mit Makrodaten schreibt, hat selten ein Beschaffungsproblem. Bruttoinlandsprodukt, Inflationsrate, Arbeitslosenquote, Leitzins und Staatsverschuldung liegen für Deutschland, den Euroraum und fast jedes Land der Welt kostenfrei im Netz. Das eigentliche Problem beginnt danach: Welche der fünf Quellen für dieselbe Reihe nimmst du, in welchem Rechenstand, mit welcher Frequenz, saisonbereinigt oder nicht, nominal oder real, und wie dokumentierst du das so, dass deine Regression in zwei Jahren noch nachvollziehbar ist?

    Das Wichtigste zuerst

    • Für deutsche Reihen gibt es zwei Primärquellen: GENESIS-Online des Statistischen Bundesamts für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Preise und Arbeitsmarkt, und das Statistik-Portal der Deutschen Bundesbank für Geld, Zinsen, Banken und Außenwirtschaft. Beide sind kostenfrei und liefern CSV.
    • Makrodaten werden revidiert. Das BIP-Quartal, das du im Mai abrufst, hat im September einen anderen Wert. Wer den Rechenstand nicht dokumentiert, schreibt eine Arbeit, die niemand replizieren kann. Die Echtzeitdatenbank der Bundesbank löst das Problem, und zwar nur sie.
    • Für Ländervergleiche zählt die Harmonisierung, nicht die Nähe zur Quelle. Eurostat, OECD, IWF, Weltbank und Penn World Table rechnen nationale Daten auf gemeinsame Definitionen um.

    Welche Quelle für welche Fragestellung?

    Die folgende Tabelle ordnet die Quellen nach der räumlichen Ebene deiner Fragestellung. In der Praxis brauchen die meisten Arbeiten genau zwei davon: eine für den Hauptdatensatz und eine für Kontrollvariablen.

    Ebene Quelle Typische Reihen Zugang und Format
    Deutschland, amtlich GENESIS-Online (Destatis) VGR, Verbraucherpreisindex, Erwerbstätige, Außenhandel, Staatsfinanzen kostenfrei, Tabellen als CSV/XLSX, API, Datenlizenz Deutschland 2.0
    Deutschland, monetär Statistik-Portal der Bundesbank Zinsen, Geldmengen, Kredite, Wechselkurse, Zahlungsbilanz, Konjunkturindikatoren kostenfrei, CSV, SDMX-ML 2.1, SDMX-CSV, Webservice-API
    Deutschland, Revisionen Echtzeitdatenbank der Bundesbank Rechenstände von rund 280 Indikatoren aus VGR, Konjunktur, Arbeitsmarkt und Preisen kostenfrei, Teil des Statistik-Portals
    EU und Euroraum Eurostat Data Browser harmonisierte VGR, HVPI, Arbeitsmarkt, Staatsfinanzen aller Mitgliedstaaten kostenfrei, Filter und Bookmarks, Download in mehreren Formaten, ganze Datensätze als TSV
    Euroraum, monetär ECB Data Portal Leitzinsen, Geldmengen, Bankbilanzen, Bankenaufsicht kostenfrei, Download und API
    OECD-Länder OECD Data Explorer Produktivität, Bildung, Steuern, Arbeitsmarkt in vergleichbarer Definition kostenfrei
    Welt World Development Indicators (Weltbank) rund 1.400 Indikatoren für 217 Volkswirtschaften und über 40 Ländergruppen kostenfrei, Excel/CSV-Bulk-Download, API
    Welt, Wachstum und Produktivität Penn World Table 11.0 reales BIP, Kapitalstock, Beschäftigung, Humankapital, 185 Länder, 1950 bis 2023 kostenfrei, Stata/Excel
    Welt, Prognosen IWF World Economic Outlook Database halbjährliche Ist- und Prognosewerte für BIP, Inflation, Leistungsbilanz kostenfrei

    Deutschland: GENESIS-Online und das Statistik-Portal der Bundesbank

    GENESIS-Online für die realwirtschaftlichen Reihen

    GENESIS-Online ist die Tabellendatenbank des Statistischen Bundesamts. Hier liegen die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen mit Bruttoinlandsprodukt, Konsum, Investitionen und Außenbeitrag, dazu der Verbraucherpreisindex, die Erwerbstätigenrechnung, die Außenhandelsstatistik und die Finanzstatistik des Staates. Jede Tabelle trägt einen fünfstelligen Statistik-Code plus laufende Nummer; diesen Code notierst du dir sofort, denn er ist später die einzige eindeutige Referenz für dein Literaturverzeichnis und deinen Anhang.

    Zwei Eigenschaften machen GENESIS für eine Abschlussarbeit besonders brauchbar. Erstens die Lizenz: Das Statistische Bundesamt stellt seine Daten unter der Datenlizenz Deutschland 2.0 bereit, du darfst sie also in der Arbeit abdrucken, umrechnen und im Anhang beilegen, solange die Quelle genannt wird. Zweitens die Schnittstelle: Neben der Weboberfläche gibt es eine dokumentierte API, mit der du Tabellen direkt aus R oder Python ziehen kannst. Für eine Bachelorarbeit ist das kein Muss, für eine Masterarbeit mit 30 Jahren Quartalsdaten und mehreren Tabellen spart es Tage.

    Ein Hinweis zur Arbeitsteilung mit anderen amtlichen Quellen: Wenn deine Fragestellung unterhalb der Bundesebene liegt, also Bundesländer, Kreise oder Gemeinden vergleicht, ist nicht GENESIS, sondern die Regionaldatenbank die richtige Adresse. Wie du mit Zensus 2022 und Regionaldatenbank regionale Auswertungen aufbaust, ist im verlinkten Beitrag ausführlich beschrieben.

    Das Statistik-Portal der Bundesbank für Geld, Zinsen und Außenwirtschaft

    Alles, was mit Geld zu tun hat, findest du nicht beim Statistischen Bundesamt, sondern bei der Bundesbank. Ihr Statistik-Portal unter statistiken.bundesbank.de bündelt die makroökonomischen Zeitreihen zu Banken, Geldmarkt, gesamtwirtschaftlichen Rechenwerken, Konjunktur, Preisen, öffentlichen Finanzen und Wechselkursen. Jede Zeitreihe hat einen eigenen Schlüssel, den du über das Suchfeld direkt eingeben kannst, und der Download läuft als CSV, als SDMX-ML 2.1 oder als SDMX-CSV. Für automatisierte Abrufe gibt es unter api.statistiken.bundesbank.de einen SDMX-Webservice.

    Dieselbe makroökonomische Zeitreihe in drei aufeinanderfolgenden Rechenständen, die sich leicht voneinander unterscheiden
    Drei Rechenstände derselben Reihe: Was du im April abrufst, ist im September revidiert.

    Die Revisionsfalle: Warum dein BIP von gestern heute anders ist

    Hier liegt der Punkt, an dem VWL-Arbeiten methodisch auseinandergehen, und er wird in kaum einem Seminar erklärt. Makroökonomische Daten sind keine festen Werte. Das Statistische Bundesamt definiert eine Revision der VGR als „die Überarbeitung der Ergebnisse durch Einbeziehung neuer Daten, neuer Statistiken und/oder neuer Methoden“. Es gibt laufende Revisionen, die einzelne Quartale oder Jahre betreffen, und Generalrevisionen etwa alle fünf Jahre, deren Ergebnisse üblicherweise mit den Daten zum zweiten Quartal Ende August erscheinen. Bei der Revision 2024 wurden die Ergebnisse für Deutschland zurück bis 1991 neu berechnet.

    Für deine Arbeit bedeutet das: Der Datensatz, den du im April herunterlädst, ist im September nicht mehr identisch mit dem, was auf derselben Seite steht. Wer eine Regression auf Quartalsdaten rechnet und im Methodikteil nur „Quelle: Destatis“ schreibt, hat eine nicht replizierbare Arbeit abgegeben. Der Zweitgutachter, der die Zahlen nachprüft, findet andere Werte und kann nicht unterscheiden, ob du falsch abgeschrieben hast oder ob die Statistik inzwischen revidiert wurde.

    Die Echtzeitdatenbank als Lösung

    Die Bundesbank betreibt für genau dieses Problem eine makroökonomische Echtzeitdatenbank für die deutsche Volkswirtschaft. Sie enthält nach eigener Beschreibung „historische Rechenstände von etwa 280 Wirtschaftsindikatoren aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, der monatlichen Konjunktur- und Arbeitsmarktberichterstattung sowie der Preisstatistik“. Die Rechenstände sind chronologisch gespeichert, sodass du „die Informationsbasis zu bestimmten Zeitpunkten der Vergangenheit exakt zu rekonstruieren“ kannst, wie die Bundesbank es formuliert.

    Drei Anwendungsfälle ergeben sich daraus für Abschlussarbeiten. Erstens die Replikation: Du kannst den Datenstand nehmen, den eine ältere Studie verwendet hat, und ihre Ergebnisse mit denselben Zahlen nachrechnen. Zweitens die Prognoseevaluation: Wer untersucht, wie gut Konjunkturprognosen waren, muss sie gegen die Erstveröffentlichung vergleichen, nicht gegen den heutigen, mehrfach revidierten Wert. Drittens ein eigenes Thema: Die Revisionsanfälligkeit einzelner Indikatoren ist selbst ein lohnender Untersuchungsgegenstand für eine Masterarbeit, weil die Datenbank die „Revisionsgeschichte“ einzelner Periodenergebnisse direkt sichtbar macht.

    Was in deinen Methodikteil gehört

    Unabhängig davon, ob du die Echtzeitdatenbank nutzt, gehören vier Angaben zu jeder Makroreihe in den Methodikteil und in die Tabellenanmerkungen: der Anbieter, der Tabellen- oder Reihenschlüssel, das Abrufdatum und, wo verfügbar, der Rechenstand oder die Veröffentlichungsversion. Ein Satz wie „Quartalsdaten des realen BIP, saison- und kalenderbereinigt, GENESIS-Tabelle 81000-0002, Rechenstand vom 22. August 2026, abgerufen am 3. September 2026“ kostet dich zwanzig Sekunden und macht die Arbeit vollständig replizierbar. Wenn du deine Variablen ohnehin in einem Codebuch dokumentierst, ist das der richtige Ort dafür; wie ein Codebuch für den eigenen Datensatz aufgebaut wird, zeigt der verlinkte Schritt-für-Schritt-Beitrag.

    Europa: Eurostat Data Browser und ECB Data Portal

    Sobald deine Fragestellung mehrere EU-Länder vergleicht, wechselst du die Quelle. Der Eurostat Data Browser enthält die nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen harmonisierten Reihen aller Mitgliedstaaten: BIP und seine Komponenten, den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, Arbeitsmarktdaten aus der Arbeitskräfteerhebung und die Staatsfinanzen nach den Maastricht-Definitionen. Der Browser erlaubt es, einen Datensatz nach Dimensionen zu filtern, eigene Ansichten zu speichern und in verschiedenen Formaten herunterzuladen; für komplette Datensätze gibt es komprimierte TSV-Dateien, und zu jedem Datensatz liegen Metadaten mit Erläuterungen zu den Indikatoren.

    Der methodische Grund, Eurostat statt der nationalen Ämter zu nehmen, ist die Vergleichbarkeit. Nationale Arbeitslosenquoten unterscheiden sich in der Definition von Erwerbslosigkeit, Eurostat rechnet sie auf die Definition der Internationalen Arbeitsorganisation um. Wer im Ländervergleich nationale Registerquoten mit harmonisierten Erhebungsquoten mischt, produziert Unterschiede, die nichts mit der Wirtschaft und alles mit der Statistik zu tun haben.

    Für die monetäre Seite des Euroraums ist das ECB Data Portal zuständig, der Nachfolger des Statistical Data Warehouse. Dort liegen die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank, die Geldmengen des Euroraums, Bankbilanzen und Daten aus der Bankenaufsicht, ebenfalls kostenfrei und mit Download- und Schnittstellenzugang.

    Drei übereinanderliegende Kartenebenen für Deutschland, Europa und Welt, die in eine gemeinsame Datentabelle münden
    Drei Datenebenen, eine Tabelle: Deutschland, Europa und Welt brauchen jeweils eigene Primärquellen.

    International: OECD, IWF, Weltbank und Penn World Table

    Für Ländervergleiche über die EU hinaus gibt es vier Standardquellen, und sie beantworten unterschiedliche Fragen.

    OECD Data Explorer. Die OECD-Datenbank ist die erste Wahl für Themen, bei denen Industrieländer verglichen werden und Definitionen entscheidend sind: Produktivität, Bildungsausgaben, Steuerquoten, Arbeitsmarktregulierung, Sozialausgaben. Die OECD investiert viel Arbeit in die Harmonisierung, weshalb OECD-Reihen häufig von nationalen Zahlen abweichen.

    World Development Indicators der Weltbank. Die WDI-Datenbank ist die Sammlung mit der größten Breite: Nach Angaben der Weltbank enthält sie rund 1.400 Zeitreihen-Indikatoren für 217 Volkswirtschaften und mehr als 40 Ländergruppen, für viele Indikatoren mit Daten, die mehr als 50 Jahre zurückreichen. Der komplette Datensatz lässt sich als Excel oder CSV herunterladen, und es gibt eine dokumentierte API. Für Entwicklungsökonomik, Wachstumsempirie mit vielen Ländern oder alles, was Schwellen- und Entwicklungsländer einschließt, ist WDI die Standardquelle.

    Penn World Table. Wer Wachstum, Produktivität oder Konvergenz zwischen Ländern untersucht, kommt an der Penn World Table nicht vorbei. Die aktuelle Version 11.0 vom Oktober 2025 deckt nach Angaben der Universität Groningen 185 Länder zwischen 1950 und 2023 ab und enthält kaufkraftbereinigte Werte für Output, Kapitalstock, Beschäftigung und Humankapital. Die Tabelle wird in der Regel über den Artikel von Feenstra, Inklaar und Timmer aus dem Jahr 2015 im American Economic Review zitiert; die Angabe der Versionsnummer ist Pflicht, weil sich die Werte zwischen Versionen deutlich ändern.

    IWF World Economic Outlook Database. Die WEO-Datenbank ist die Quelle für halbjährliche Prognosen und für konsistente Jahresdaten zu BIP, Inflation, Leistungsbilanz und Staatsschulden aller IWF-Mitglieder. Wer Prognosen bewertet oder Erwartungen als Variable braucht, findet hier die Ausgaben seit vielen Jahren und kann die Prognose einer bestimmten Ausgabe gegen die spätere Realisierung stellen.

    Vom Download zum Panel: sechs Entscheidungen, die vor der Regression fallen

    1. Frequenz. Monats-, Quartals- oder Jahresdaten? Die Frequenz richtet sich nach der Variable mit der gröbsten Verfügbarkeit. Mischst du Monatsdaten mit Quartalsdaten, musst du aggregieren, und die Aggregationsregel (Mittelwert, Summe, Endstand) gehört in den Methodikteil.
    2. Saisonbereinigung. Für Quartalsdaten nimmst du die saison- und kalenderbereinigte Variante, und zwar für alle Variablen dieselbe. Unbereinigte Reihen erzeugen Scheinzusammenhänge, die nur den Jahresrhythmus abbilden.
    3. Nominal oder real. Für Wachstumsfragen brauchst du reale, preisbereinigte Werte; für Quoten und Anteile nominale. Verkettete Volumenangaben sind nicht additiv, das heißt, die Komponenten summieren sich nicht zum Aggregat. Wer das nicht weiß, wundert sich über Rundungsdifferenzen, die keine sind.
    4. Kaufkraftparität. Ländervergleiche von Niveaus brauchen PPP-Umrechnung; Vergleiche von Wachstumsraten nicht. Penn World Table und WDI bieten beides.
    5. Ländercodes. Verwende von Anfang an ISO-3166-Codes als Schlüssel, nicht Ländernamen. „Tschechien“, „Tschechische Republik“ und „Czechia“ sind für dein Statistikprogramm drei verschiedene Länder.
    6. Balanced oder unbalanced. Fehlen für einzelne Länder Jahre, entscheidest du bewusst, ob du das Panel balancierst und Länder verlierst oder unbalanciert schätzt. Beides ist legitim, aber nur eines davon steht in deiner Arbeit, mit Begründung.

    Wenn deine Fragestellung nicht auf Aggregaten, sondern auf Personen oder Haushalten beruht, also etwa Einkommensverteilung, Bildungsrenditen oder Arbeitsangebot, sind Makrodaten die falsche Ebene. Dann brauchst du Mikrodaten, und welche Umfragedaten aus ALLBUS, SOEP und ESS dafür infrage kommen, ist ein eigener Beitrag. Der Zugang zu den nicht frei verfügbaren Mikrodaten läuft über die Forschungsdatenzentren; die Zugangsstufen von Campus File bis Scientific Use File haben wir an anderer Stelle erklärt.

    Datenquellen gefunden, Methodikteil noch leer?

    Die Quellen zu kennen ist die halbe Arbeit. Die andere Hälfte ist ein Methodikkapitel, das Frequenz, Rechenstand, Bereinigung und Panelstruktur so beschreibt, dass es einer Gutachterin standhält. Tesify hilft dir, dieses Kapitel strukturiert zu formulieren, deine Quellen sauber zu verwalten und die Datendokumentation in den Anhang zu bringen, ohne dass du zwischen fünf Fenstern hin- und herspringst.

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    Zitieren und dokumentieren: der Mindeststandard

    Die meisten Zitierstile haben inzwischen Regeln für Datensätze. Unabhängig vom Stil enthält eine vollständige Angabe den Herausgeber als Autor, das Jahr des Rechenstands, den Titel der Tabelle oder Reihe, den Tabellen- oder Reihenschlüssel, die Versions- oder Ausgabenummer bei versionierten Datensätzen wie der Penn World Table, den Anbieter und das Abrufdatum. Eine DOI gibt es bei den amtlichen Portalen meist nicht, bei der Penn World Table und bei archivierten Datensätzen schon; wo sie existiert, gehört sie in die Angabe.

    In den Anhang gehören die Variablenliste mit Quelle und Schlüssel je Variable, die Transformationen (Logarithmen, Wachstumsraten, Differenzen) und die Beobachtungszahl je Land und Jahr. Wer aus deutschen und internationalen Quellen mischt, achtet außerdem auf ein Detail, das erstaunlich oft schiefgeht: das Dezimaltrennzeichen. GENESIS und Bundesbank liefern Komma, Eurostat, OECD und Weltbank liefern Punkt. Wie du Zahlen und Dezimaltrennzeichen in der deutschen Arbeit einheitlich darstellst, klärt der verlinkte Beitrag.

    Fünf Fehler, die in VWL-Arbeiten mit Makrodaten immer wieder auftauchen

    1. Rechenstand nicht dokumentiert. Der häufigste und vermeidbarste Fehler. Er kostet Replizierbarkeit und im schlechtesten Fall Vertrauen.
    2. Quellen gemischt, Definitionen nicht. Nationale Arbeitslosenquote für Deutschland, Eurostat-Quote für Frankreich, OECD-Quote für die USA. Drei Definitionen, eine Regression, kein interpretierbares Ergebnis.
    3. Unbereinigte Quartalsdaten. Ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen Einzelhandelsumsatz und Beschäftigung, der verschwindet, sobald die Saison herausgerechnet wird.
    4. Nominale Niveaus im Zeitvergleich. Wachstum, das in Wahrheit Inflation ist.
    5. Statista als Primärquelle. Statista ist ein Aggregator. Die Zahl dort stammt aus einer der oben genannten Quellen; zitiert wird die Originalquelle mit Schlüssel und Rechenstand, nicht die Weiterverwertung. Was eine Sekundäranalyse methodisch von der reinen Datenwiedergabe unterscheidet, erläutert unser Grundlagenbeitrag.

    Häufige Fragen zu Makrodaten in der VWL-Abschlussarbeit

    Reichen frei verfügbare Makrodaten für eine Masterarbeit in VWL?

    Ja, in den meisten Fällen. Die Anforderung an eine Masterarbeit liegt in der Fragestellung, dem Identifikationsansatz und der Sorgfalt der Aufbereitung, nicht in der Exklusivität der Daten. Ein sauber gebautes Länderpanel aus WDI und Penn World Table mit dokumentierten Rechenständen ist methodisch anspruchsvoller als ein exklusiver Datensatz ohne Dokumentation.

    Muss ich die Echtzeitdatenbank verwenden?

    Nein. Sie ist Pflicht, wenn du Prognosen bewertest oder eine ältere Studie replizierst, weil du dann den damaligen Informationsstand brauchst. Für eine gewöhnliche Analyse mit aktuellen Daten reicht es, den Rechenstand und das Abrufdatum jeder Reihe zu dokumentieren.

    Wie zitiere ich eine GENESIS-Tabelle?

    Mit dem Statistischen Bundesamt als Herausgeber, dem Jahr, dem Tabellentitel, dem Tabellencode, dem Hinweis auf GENESIS-Online, dem Rechenstand und dem Abrufdatum. Die genaue Reihenfolge und Zeichensetzung richtet sich nach deinem Zitierstil; entscheidend ist, dass der Code und das Datum enthalten sind.

    Darf ich Daten aus GENESIS und Bundesbank in meiner Arbeit abdrucken?

    Ja. Das Statistische Bundesamt stellt seine Daten unter der Datenlizenz Deutschland 2.0 bereit, die Weiterverwendung mit Quellenangabe erlaubt. Die Bundesbank stellt ihre Zeitreihen ebenfalls kostenfrei zum Download bereit; die Quellenangabe ist in jedem Fall Pflicht.

    Welche Frequenz sollte ich für eine Bachelorarbeit wählen?

    Jahresdaten, wenn deine Fragestellung strukturell ist und viele Länder umfasst; Quartalsdaten, wenn du konjunkturelle Zusammenhänge für ein oder wenige Länder untersuchst. Monatsdaten sind für Bachelorarbeiten selten sinnvoll, weil sie Bereinigungs- und Zeitreihenprobleme mitbringen, die den Rahmen sprengen.

    Was tue ich, wenn dieselbe Reihe in zwei Quellen unterschiedliche Werte hat?

    Zuerst prüfen, ob es an Definition, Rechenstand oder Bereinigung liegt; in neun von zehn Fällen ist es eines davon. Dann eine Quelle wählen, die Wahl im Methodikteil begründen und die andere nicht stillschweigend beimischen. Ein Satz zur Abweichung zeigt der Gutachterin, dass du die Daten verstanden hast.

    Fazit

    Für eine VWL-Abschlussarbeit mit Makrodaten brauchst du selten mehr als zwei der hier beschriebenen Quellen: GENESIS-Online und das Bundesbank-Portal für Deutschland, Eurostat und das ECB Data Portal für Europa, WDI, Penn World Table und die WEO-Datenbank für die Welt. Der Unterschied zwischen einer guten und einer angreifbaren Arbeit liegt nicht in der Quelle, sondern in vier Angaben pro Reihe: Anbieter, Schlüssel, Rechenstand, Abrufdatum. Wer das von der ersten Tabelle an durchhält und die Definitionen im Ländervergleich nicht mischt, hat die methodische Grundlage, auf der jede Regression bestehen kann.