Kategorie: Daten

  • Geodaten und Karten für die Abschlussarbeit 2026: die besten offenen Quellen von BKG bis Copernicus

    Geodaten und Karten für die Abschlussarbeit 2026: die besten offenen Quellen von BKG bis Copernicus

    Karten sagen in vielen Abschlussarbeiten mehr als Tabellen: Einzugsgebiete, Standortanalysen, Umweltveränderungen, Erreichbarkeiten — sobald deine Fragestellung ein „Wo“ enthält, brauchst du Geodaten. Die gute Nachricht: Deutschland und Europa stellen inzwischen eine beachtliche Menge davon offen bereit. Diese Liste führt durch die wichtigsten frei nutzbaren Quellen — von amtlichen Karten über offene Community-Daten bis zu Satellitenbildern — mit praktischen Hinweisen, was du je Quelle beachten musst.

    Satellitendaten fließen in eine Kartenanwendung

    1. Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG): amtliche Geobasisdaten

    Das Geodatenzentrum des BKG ist die zentrale Anlaufstelle für amtliche digitale Geodaten des Bundes — mit einem eigenen Open-Data-Bereich, INSPIRE-konformen Daten und Diensten, interaktiven Atlanten und Webdiensten, die du direkt in GIS-Software einbinden kannst. Für Abschlussarbeiten sind vor allem die offenen Verwaltungsgrenzen und Gebietseinheiten wertvoll: Wer statistische Daten auf Kreis- oder Gemeindeebene kartieren will, braucht genau diese Geometrien als Grundlage.

    Praxistipp: Prüfe bei jedem Datensatz die Lizenzangabe und übernimm den vorgegebenen Quellenvermerk wörtlich — amtliche offene Geodaten sind kostenlos nutzbar, verlangen aber fast immer eine Namensnennung in definierter Form. Der Lizenzhinweis gehört unter jede Karte, die du aus den Daten erzeugst.

    2. basemap.de: die amtliche Webkarte

    Hinter basemap.de steht eine amtliche deutschlandweite Hintergrundkarte, die sich als Kartendienst in eigene Anwendungen und GIS-Projekte einbinden lässt. Für deine Arbeit ist das die schnellste Lösung für eine saubere, aktuelle Hintergrundkarte unter deinen eigenen thematischen Ebenen — deutlich konsistenter als zusammengesuchte Screenshots.

    Praxistipp: Hintergrundkarte und thematische Ebene sind zwei verschiedene Quellen mit zwei verschiedenen Quellenvermerken. Beschrifte beide — „Kartengrundlage: …, eigene Darstellung der Daten: …“ ist die Formel, die in Abbildungsunterschriften funktioniert.

    3. OpenStreetMap: die freie Weltkarte als Datenquelle

    OpenStreetMap ist mehr als eine Karte — es ist eine offene Geodatenbank, die von einer weltweiten Community gepflegt wird und deren Rohdaten du herunterladen und auswerten darfst. Für Fragestellungen wie „Wie viele Apotheken, Spielplätze oder Radwege gibt es im Untersuchungsgebiet?“ ist OSM oft die einzige Quelle mit dieser Detailtiefe.

    Praxistipp: OSM-Daten sind Community-Daten: Vollständigkeit und Aktualität variieren je nach Region und Objektart. Für eine Abschlussarbeit heißt das nicht „unbrauchbar“, sondern „mit Methodenbewusstsein nutzen“: Benenne im Methodenteil das Abfragedatum, die abgefragten Objektkategorien und die bekannte Heterogenität der Datenqualität — und prüfe für dein konkretes Untersuchungsgebiet stichprobenartig gegen die Realität oder eine zweite Quelle. Die Namensnennungspflicht der offenen Lizenz gilt auch hier.

    4. Copernicus Data Space Ecosystem: Satellitendaten aus Europa

    Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus stellt über das Copernicus Data Space Ecosystem Satellitendaten offen bereit — „Europe’s eyes on Earth“. Damit rücken Fragestellungen in Reichweite, die früher Spezialabteilungen vorbehalten waren: Flächenversiegelung über die Zeit, Vegetationsentwicklung, Gewässerveränderungen. Für Umwelt-, Geographie- und Agrar-Arbeiten ist das ein enormer Fundus.

    Praxistipp: Satellitendaten sind Rohmaterial, keine fertigen Antworten — zwischen Download und Aussage liegen Aufbereitungsschritte, die du beherrschen und dokumentieren musst. Kalkuliere die Einarbeitung realistisch in deinen Zeitplan ein und wähle im Zweifel die kleinere, sauber ausgewertete Szene statt der großen Zeitreihe, die du nicht mehr kontrollieren kannst.

    5. Geoportale von Bund und Ländern: der Einstieg in die Verwaltungswelt

    Über zentrale Geoportale — allen voran geoportal.de als Einstieg der Geodateninfrastruktur Deutschland — und die Geoportale der Bundesländer erschließt du die Bestände der Vermessungs- und Fachverwaltungen: Flächennutzung, Schutzgebiete, Lärmkartierung und vieles mehr. Die Angebote unterscheiden sich je Land in Umfang und Lizenz.

    Praxistipp: Für Landes- und Kommunaldaten führt der Weg oft über das jeweilige Landes-Geoportal statt über die Bundesebene. Notiere bei jedem Fund sofort Herausgeber, Lizenz, Stand und Abrufdatum — Geodatensätze werden laufend fortgeschrieben, und ohne diese Angaben ist deine Karte später nicht reproduzierbar.

    6. Statistische Daten zum Verorten: der Anschluss an die amtliche Statistik

    Geometrien allein beantworten keine sozialwissenschaftliche Frage — spannend wird es, wenn du sie mit Sachdaten verbindest: Bevölkerungsstruktur, Haushalte, Beschäftigung auf Kreis- oder Gemeindeebene. Diese Zahlen kommen aus der amtlichen Statistik; wie du sie beschaffst und was Zensus 2022 und Regionaldatenbank hergeben, zeigt der Beitrag zu regionalen Daten für die Abschlussarbeit. Die Verknüpfung läuft über die amtlichen Gebietsschlüssel — achte darauf, dass Geometrie-Stand und Statistik-Stand zum selben Gebietsstand gehören, sonst passen Schlüssel nicht zusammen.

    Für Umweltmessdaten — Klima, Luft, Wasser — gilt dasselbe Prinzip mit eigenen Portalen; die sind im Beitrag zu Umwelt-, Klima- und Energiedaten beschrieben.

    Werkzeug und Workflow: vom Download zur Abbildung

    Für die Verarbeitung brauchst du ein Geoinformationssystem; im Studium ist freie GIS-Software der übliche Weg, und viele Hochschulen bieten Einführungskurse an. Der bewährte Arbeitsablauf für eine Abschlussarbeit:

    1. Untersuchungsgebiet und Fragestellung festlegen — erst dann Daten suchen, nicht umgekehrt.
    2. Datenquellen wählen und dokumentieren (Herausgeber, Lizenz, Stand, Abrufdatum — für jede Ebene).
    3. Alle Ebenen in ein gemeinsames Koordinatenbezugssystem bringen — der häufigste technische Stolperstein, wenn Ebenen „nicht übereinanderliegen“.
    4. Analyse und Kartengestaltung trennen: erst rechnen, dann visualisieren.
    5. Jede Karte vollständig beschriften: Titel, Legende, Maßstab, Quellenvermerke für alle Ebenen, eigener Bearbeitungsstand.

    Da heruntergeladene Geodatensätze sich fortschreiben, gilt auch hier die Dokumentationsregel jeder Sekundärdatenarbeit: Originaldateien archivieren und die Herkunft je Ebene festhalten — die Systematik dafür beschreibt die Anleitung zum Codebuch für den eigenen Datensatz.

    Ein Beispiel: von der Fragestellung zur fertigen Karte

    Eine Geographie-Studentin untersucht die Nahversorgung in einer Mittelstadt. Ihr Datenplan: Verwaltungsgrenzen und Ortsteile als amtliche Geometrien vom BKG, die Standorte von Lebensmittelgeschäften aus OpenStreetMap (mit dokumentiertem Abfragedatum und einer Stichprobenprüfung von zwanzig Standorten vor Ort), Bevölkerungszahlen je Ortsteil aus der amtlichen Statistik, basemap.de als Hintergrund. Im GIS bringt sie alle Ebenen in dasselbe Koordinatenbezugssystem, berechnet Distanzen von Wohngebieten zu Geschäften und gestaltet daraus zwei Karten mit vollständigen Quellenvermerken je Ebene.

    Der Methodenteil dokumentiert für jede Ebene Herkunft, Lizenz, Stand und Abrufdatum — und benennt die OSM-Datenqualität als geprüfte, aber nicht garantierte Größe. Das ist eine vollwertige empirische Arbeit aus ausschließlich offenen Quellen, ohne einen Euro Datenkosten. Der Engpass ist nicht der Zugang, sondern die saubere Handwerklichkeit — und genau die lässt sich zeigen.

    Drei Fehler, die Geodaten-Arbeiten regelmäßig kosten

    • Screenshots statt eigener Karten. Ein Bildschirmfoto aus einem beliebigen Kartendienst ist urheberrechtlich heikel und methodisch wertlos — es zeigt fremde Kartografie, nicht deine Analyse. Aus offenen Daten selbst erzeugte Karten sind in beidem überlegen.
    • Gemischte Gebietsstände. Wenn die Statistik von 2022 auf Geometrien von 2016 trifft, passen nach Gebietsreformen Schlüssel und Grenzen nicht mehr zusammen — die Karte sieht plausibel aus und ist trotzdem falsch. Stand der Geometrie und Stand der Sachdaten müssen zusammengehören.
    • Fehlende Quellenvermerke in den Abbildungen. Der Vermerk im Literaturverzeichnis ersetzt nicht den lizenzrechtlich geforderten Hinweis unter der Karte selbst. Beides gehört in die Endkontrolle vor der Abgabe.

    Für welche Fächer sich der Einstieg besonders lohnt

    Geographie und Umweltwissenschaften liegen auf der Hand — aber der Werkzeugkasten trägt weiter: Soziale Arbeit (Sozialraumanalysen), Gesundheitswissenschaften (Versorgungserreichbarkeit), BWL (Standort- und Einzugsgebietsanalysen), Politikwissenschaft (kleinräumige Wahl- und Strukturdaten) und Stadtplanung profitieren alle von denselben offenen Quellen. In vielen dieser Fächer ist eine sauber gemachte Kartenanalyse noch ein Alleinstellungsmerkmal statt Standard — was sie für die Bewertung umso wertvoller macht. Die Einstiegshürde ist real, aber einmalig: Wer die Werkzeugkette einmal beherrscht, trägt sie durch jede weitere Arbeit.

    Häufig gestellte Fragen

    Mein Untersuchungsgebiet ist sehr klein — reichen offene Daten dann noch?

    Gerade auf Quartiers- oder Straßenebene sind offene Daten oft die einzigen verfügbaren: Amtliche Kleinsträume unterliegen statistischer Geheimhaltung, während OSM-Objektdaten und offene Verwaltungsgeometrien auch kleinräumig funktionieren. Die Grenze verläuft bei personenbezogenen Aussagen — sobald Rückschlüsse auf einzelne Haushalte möglich würden, musst du Kategorien vergröbern. Plane die Aggregationsebene deshalb vor der Datensammlung, nicht danach.

    Kosten diese Geodaten etwas?

    Die hier genannten Angebote sind in ihren Open-Data-Beständen kostenfrei nutzbar. Entscheidend ist die jeweilige Lizenz: Sie regelt Namensnennung und Weiterverwendung — und der geforderte Quellenvermerk gehört wörtlich unter deine Karte.

    Darf ich Karten aus diesen Daten in meiner Arbeit abdrucken?

    Selbst erzeugte Karten aus offen lizenzierten Daten: ja, mit Quellenvermerk je Ebene. Fremde fertige Kartenbilder (etwa Screenshots aus beliebigen Kartendiensten) sind dagegen ein Urheberrechtsthema — im Zweifel selbst aus den offenen Daten erzeugen statt fremde Abbildungen kopieren.

    Brauche ich Programmierkenntnisse?

    Für Standardkarten nicht — GIS-Software mit grafischer Oberfläche reicht. Skriptbasierte Auswertungen lohnen sich erst, wenn du viele Datensätze gleichartig verarbeiten musst.

    Wie zitiere ich einen Geodatensatz?

    Wie jede Sekundärquelle: Herausgeber, Titel des Datensatzes, Version beziehungsweise Stand, Lizenz, Abrufdatum — plus den lizenzrechtlich geforderten Vermerk in der Abbildung selbst. Datensatz-Zitat im Verzeichnis und Kartenvermerk sind zwei getrennte Pflichten.

    Wie viel Zeit muss ich für die Einarbeitung einplanen?

    Für die Grundlagen — Daten laden, Koordinatensysteme angleichen, eine beschriftete Karte exportieren — genügen mit Tutorials wenige Tage konzentrierter Arbeit. Rechne die Einarbeitung als festen Posten in deinen Zeitplan ein und produziere früh eine erste vollständige Testkarte mit echten Daten: Sie deckt technische Probleme auf, solange noch Zeit für Lösungen ist.

    Was ist mit historischen Karten?

    Für historische Fragestellungen führen die Wege über Archive und digitalisierte Kartenbestände der Bibliotheken — ein eigenes Feld mit eigenen Quellen, das der Beitrag zu Archiven, Korpora und Quellensammlungen erschließt.

    Fazit

    Amtliche Geobasisdaten vom BKG, die amtliche Hintergrundkarte von basemap.de, die Detailtiefe von OpenStreetMap, Satellitendaten aus dem Copernicus-Programm und die Fachbestände der Geoportale: Wer diese fünf Quelltypen kennt, kann fast jede raumbezogene Fragestellung einer Abschlussarbeit mit offenen Daten unterlegen. Die drei Handwerksregeln dazu — Lizenz und Quellenvermerk je Ebene, Gebietsstand beachten, Herkunft dokumentieren — kosten Minuten und tragen die methodische Glaubwürdigkeit deiner Karten.

    Wenn die Karten stehen und die Analyse in den Text muss, hält der Tesify-Editor Kapitel, Abbildungen und Quellen beieinander: Starte deine Abschlussarbeit mit Tesify — geschrieben wird sie zu 100 % von dir.

  • Kriminalitätsdaten für die Abschlussarbeit 2026: Die PKS richtig nutzen — und wo ihr Hellfeld endet

    Kriminalitätsdaten für die Abschlussarbeit 2026: Die PKS richtig nutzen — und wo ihr Hellfeld endet

    Kriminalität ist eines der dankbarsten Themenfelder für empirische Abschlussarbeiten — in der Soziologie, der Sozialen Arbeit, der Psychologie, den Rechtswissenschaften und der Geographie. Die zentrale amtliche Datenquelle dafür ist die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts. Sie ist frei zugänglich, reicht als Zeitreihe Jahrzehnte zurück — und wird in studentischen Arbeiten trotzdem regelmäßig falsch verwendet, weil ihre wichtigste Eigenschaft übersehen wird: Sie misst nicht die Kriminalität, sondern die polizeilich registrierte Kriminalität. Dieser Beitrag zeigt, was in der PKS steckt, was ausdrücklich nicht, und wie du sie in einer Abschlussarbeit sauber einsetzt.

    Eisberg-Metapher für Hellfeld und Dunkelfeld der Kriminalität

    Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Hellfeld, nicht Kriminalität

    Das BKA beschreibt den Inhalt der PKS so: Sie enthält „die der Polizei bekannt gewordenen rechtswidrigen Straftaten einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche, die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen und eine Reihe weiterer Angaben zu Fällen, Opfern oder Tatverdächtigen“. Der entscheidende Halbsatz ist der erste: der Polizei bekannt geworden. Taten, die niemand anzeigt und die die Polizei nicht selbst entdeckt, kommen in der Statistik nicht vor.

    In der Kriminologie heißt dieser sichtbare Ausschnitt das Hellfeld; die nicht registrierten Taten bilden das Dunkelfeld. Für deine Arbeit folgt daraus eine harte Regel: Ein Anstieg der PKS-Zahlen kann mehr Kriminalität bedeuten — oder mehr Anzeigen, mehr Kontrollen oder geänderte Erfassung. Welche Erklärung zutrifft, kann die PKS allein nicht sagen. Formulierungen wie „die Kriminalität ist gestiegen“ sind aus PKS-Daten nicht ableitbar; korrekt ist „die polizeilich registrierten Fälle sind gestiegen“. Dieser eine Formulierungsunterschied trennt in der Bewertung saubere von unsauberen Arbeiten.

    Was die PKS ausdrücklich nicht enthält

    Das BKA benennt die Ausschlüsse selbst — und jede dieser Lücken hat schon studentische Forschungsdesigns zum Einsturz gebracht:

    • Staatsschutzdelikte
    • Verkehrsdelikte — wer „Kriminalität im Straßenverkehr“ untersuchen will, findet in der PKS die falsche Quelle
    • Ordnungswidrigkeiten
    • Delikte außerhalb des polizeilichen Aufgabenbereichs, zum Beispiel Finanz- und Steuerdelikte
    • Straftaten, die unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden

    Ebenso wichtig: Die PKS endet bei der polizeilichen Registrierung. Ob aus einem Fall eine Anklage oder eine Verurteilung wurde, steht in ihr nicht — ein Tatverdächtiger ist kein Verurteilter. Wer Aussagen über Verurteilungen treffen will, braucht die Rechtspflegestatistiken der Justiz, nicht die PKS. Die Verwechslung von Tatverdächtigen- und Täterzahlen ist einer der häufigsten inhaltlichen Fehler in Hausarbeiten mit Kriminalitätsbezug.

    Was du konkret bekommst

    Auf den PKS-Seiten des BKA stehen für jedes Berichtsjahr Tabellen zu Fällen, Opfern und Tatverdächtigen bereit, ergänzt um Zeitreihen ab 1987 — für Trendanalysen über Jahrzehnte. Dazu kommen die IMK-Berichte mit den zentralen Aussagen des Jahres und ausdrücklich auch Interpretationshilfen, die das BKA je Berichtsjahr unter „PKS-Tabellen und Interpretationshilfen“ bereitstellt. Lies diese Hinweise wirklich: Sie dokumentieren Erfassungsänderungen, die Zeitreihen verzerren können — genau das Material, das in ein Limitationen-Kapitel gehört.

    Vier Eigenheiten des Datenangebots solltest du kennen, bevor du deine Fragestellung festlegst:

    1. Das PKS-Jahrbuch wurde nur bis zum Berichtsjahr 2019 erstellt. Für neuere Jahre gibt es keine Jahrbuch-PDF mehr, sondern die Tabellen und Berichte einzeln.
    2. Länderdaten je Delikt gab es als interaktive PDF-Angebote für die Berichtsjahre 2015 bis 2020; seit 2021 stellt das BKA diese Delikt-Informationen nur noch auf Bundesebene bereit. Regionale Vergleiche auf Landesebene laufen dann über die Statistiken der Landeskriminalämter.
    3. Seit dem Berichtsjahr 2024 gibt es zusätzlich „PKS-Ausland“ — Tabellen zu Fällen, bei denen die Tatverdächtigen im Ausland handelten, der Erfolgsort aber im Inland lag. Diese Fälle sind nicht in den übrigen PKS-Zahlen (PKS-Inland) enthalten. Wer Zeitreihen baut, darf die beiden Bestände nicht mischen.
    4. Veröffentlichungen erfolgen fortlaufend und werden aktualisiert — das BKA dokumentiert das in einem Änderungsnachweis. Notiere deshalb bei jedem Download das Abrufdatum und die Dateiversion.

    So baust du eine PKS-Auswertung in die Abschlussarbeit ein

    Der methodisch sauberste Zuschnitt für eine Bachelorarbeit ist deskriptiv: Entwicklung eines Deliktsbereichs über die Zeit, Struktur der Tatverdächtigen, Vergleich von Deliktsgruppen — jeweils mit dem Hellfeld-Vorbehalt als fester Bestandteil der Interpretation. Da die PKS aggregierte Tabellen liefert (keine Einzelfalldaten), gelten dieselben Regeln wie für jede Sekundäranalyse: Datenquelle, Berichtsjahre, Tabellen und Abrufdatum vollständig dokumentieren, Erhebungslogik im Methodenteil erklären. Das grundsätzliche Vorgehen beschreibt der Leitfaden zur Sekundäranalyse in der Bachelorarbeit.

    Für erklärende Fragestellungen („Warum steigt X?“) reicht die PKS allein selten — dann kombinierst du sie mit Kontextdaten, etwa Bevölkerungs- und Sozialstruktur aus der amtlichen Statistik. Wie du an kleinräumige Vergleichsdaten kommst, zeigt der Beitrag zu regionalen Daten mit Zensus 2022 und Regionaldatenbank. Und wenn deine Fragestellung Individualdaten braucht (etwa zu Kriminalitätsfurcht oder Opfererfahrungen), führt der Weg zu Befragungsdaten der Forschungsdatenzentren — die Zugangswege erklärt der Beitrag zu Campus Files und Scientific Use Files.

    Typische Fehler — und die Formulierung, die sie vermeidet

    Unsauber Sauber
    „Die Jugendkriminalität ist um 8 % gestiegen.“ „Die Zahl der polizeilich registrierten Fälle mit jugendlichen Tatverdächtigen stieg um 8 %.“
    „X Täter wurden erfasst.“ „X Tatverdächtige wurden ermittelt.“
    „Delikt Y ist in Bayern häufiger als in Hessen.“ (aus Bundestabellen) Länderaussagen nur aus Länderdaten — und mit Anzeigeverhalten als Vorbehalt.
    Zeitreihe 2015–2026 ohne Prüfung der Erfassungsänderungen Zeitreihe mit Blick in die Interpretationshilfen der betroffenen Jahrgänge.

    Beispielfragestellungen, die mit der PKS funktionieren

    Damit greifbar wird, was „deskriptiv, aber gehaltvoll“ heißt, drei Zuschnitte, die sich mit den frei verfügbaren Tabellen realistisch bearbeiten lassen:

    • Soziale Arbeit: Wie hat sich die Struktur der polizeilich registrierten Fälle mit minderjährigen Tatverdächtigen über die Zeitreihe entwickelt — und was bedeuten Anzeigenverhalten und Kontrollintensität für die Interpretation? Die Arbeit gewinnt ihre Substanz aus der methodischen Reflexion, nicht aus der Kurve.
    • Soziologie/Geographie: Deliktstruktur im Vergleich zweier Zeiträume, gespiegelt an sozialstrukturellen Kontextdaten aus der amtlichen Statistik. Hier liegt die Eigenleistung im Zusammenführen zweier Quellen mit unterschiedlicher Logik.
    • Rechtswissenschaft/Kriminologie: Was verändert eine Gesetzesänderung im Hellfeld? Erfassungsänderungen in den Interpretationshilfen werden hier vom Störfaktor zum eigentlichen Untersuchungsgegenstand.

    Alle drei Zuschnitte haben gemeinsam, dass die Grenzen der Statistik nicht im letzten Absatz als Pflichtübung stehen, sondern tragender Teil der Analyse sind. Das ist der Unterschied zwischen „Daten abbilden“ und „mit Daten argumentieren“ — und der zweite Modus ist der, der bewertet wird.

    Dokumentation: dein Schutz gegen die Aktualisierungsfalle

    Weil das BKA Dateien fortlaufend veröffentlicht und aktualisiert, kann sich eine Tabelle zwischen deinem Download und der Abgabe deiner Arbeit ändern. Der Schutz dagegen ist banal und wirksam: Lege beim ersten Download eine Dokumentation an — Dateiname, Berichtsjahr, Tabellenbezeichnung, Abrufdatum, gegebenenfalls Versionsstand aus dem Änderungsnachweis — und archiviere die Originaldateien lokal. Wenn eine Prüferin eine Zahl nachrechnet und die Online-Tabelle inzwischen aktualisiert wurde, belegt deine Dokumentation, dass deine Zahl zum Abrufzeitpunkt korrekt war. Wie du eine solche Datendokumentation systematisch aufbaust, zeigt die Anleitung zum Codebuch für den eigenen Datensatz — dieselbe Logik gilt für heruntergeladene Sekundärdaten.

    Der Einstieg in die Tabellen: von der Frage zur Datei

    Der schnellste Weg in die Daten führt über die PKS-Seiten des jeweiligen Berichtsjahrs beim BKA. Beginne nicht mit dem Herunterladen, sondern mit einer Liste der Größen, die deine Fragestellung wirklich braucht: Fallzahlen oder Tatverdächtigenzahlen? Ein Deliktsbereich oder mehrere? Ein Jahr oder die Zeitreihe? Erst wenn diese Liste steht, suchst du die passenden Tabellen — sonst endest du mit einem Ordner voller Dateien und ohne Analyseplan. Für Zeitreihenfragen greifst du direkt zu den Zeitreihentabellen ab 1987, statt Jahreswerte aus einzelnen Berichtsjahren zusammenzustückeln; das reduziert Übertragungsfehler und stellt sicher, dass Erfassungsumstellungen einheitlich behandelt sind. Und lege die Interpretationshilfen der verwendeten Jahrgänge von Anfang an in denselben Ordner wie die Tabellen — du wirst sie beim Schreiben der Limitationen ohnehin brauchen.

    Häufig gestellte Fragen

    Ist die PKS kostenlos nutzbar?

    Ja, die Tabellen, Zeitreihen und Berichte stehen auf der BKA-Website frei zum Download bereit. Für die Arbeit zitierst du das Berichtsjahr, die konkrete Tabelle und das Abrufdatum.

    Kann ich mit der PKS das Dunkelfeld untersuchen?

    Nein — das Dunkelfeld ist per Definition das, was die PKS nicht enthält. Aussagen über das Dunkelfeld stammen aus Befragungsstudien (Opferbefragungen, Selbstberichtsstudien). Die PKS kann aber der Hellfeld-Bezugspunkt sein, gegen den du Befragungsbefunde aus der Literatur spiegelst.

    Warum weichen PKS-Zahlen von Justizstatistiken ab?

    Weil sie verschiedene Stationen desselben Prozesses messen: die PKS die polizeiliche Registrierung, die Justizstatistiken spätere Verfahrensschritte. Zwischen Anzeige und Urteil scheiden viele Fälle aus — die Differenz ist normal und selbst ein lohnendes Thema.

    Eignet sich die PKS für eine Jura-Arbeit?

    Für kriminologische und rechtspolitische Fragestellungen ja; für dogmatische Arbeiten ist sie meist nur Kontext. Wie empirische Elemente überhaupt in eine juristische Arbeit passen, behandelt der Leitfaden zur Bachelorarbeit in Jura.

    Wie zitiere ich eine PKS-Tabelle?

    Mit Herausgeber (Bundeskriminalamt), Titel der Statistik, Berichtsjahr, Tabellennummer beziehungsweise -bezeichnung und Abrufdatum. Da das BKA Dateien fortlaufend aktualisiert, gehört das Abrufdatum zwingend dazu.

    Reicht die PKS als einzige Quelle für den Forschungsstand?

    Nein — sie ist deine Datenbasis, nicht dein Forschungsstand. Die kriminologische Literatur, die Hellfeld und Dunkelfeld theoretisch einordnet, gehört zwingend dazu; ohne sie kannst du deine eigenen Vorbehalte nicht begründen. Die Statistik liefert die Zahlen, die Literatur liefert den Rahmen, in dem die Zahlen etwas bedeuten.

    Kann ich PKS-Daten mit eigenen Erhebungen kombinieren?

    Ja, und das ist oft der stärkste Zuschnitt: eine kleine eigene Befragung — etwa zu Kriminalitätsfurcht oder Anzeigebereitschaft — vor dem Hintergrund der registrierten Fallzahlen. Die PKS liefert dann den Hellfeld-Kontext, deine Erhebung die Perspektive, die in der amtlichen Statistik fehlt. Beachte für den eigenen Teil die üblichen Anforderungen an Einwilligung und Datenschutz.

    Fazit

    Die PKS ist für Abschlussarbeiten eine der besten frei zugänglichen Datenquellen Deutschlands: lange Zeitreihen, klare Dokumentation, amtliche Herkunft. Ihre Grenzen sind ebenso klar dokumentiert — Hellfeld statt Kriminalität, definierte Deliktsausschlüsse, Jahrbuch nur bis 2019, Länderdetails je Delikt nur bis 2020, und seit 2024 der getrennte Bestand PKS-Ausland. Wer diese Grenzen im Methodenteil benennt, statt sie zu übersehen, macht aus einer Standardquelle ein methodisches Gütesiegel der eigenen Arbeit.

    Wenn Datenbasis und Gliederung stehen, schreibst du Auswertung und Diskussion am besten dort, wo Quellenverwaltung und Kapitelstruktur zusammenlaufen: Starte deine Abschlussarbeit mit Tesify — geschrieben wird sie zu 100 % von dir.