Pharmazie-Studierende recherchieren an einer ungewöhnlichen Schnittstelle: internationale, evidenzbasierte Fachliteratur auf der einen Seite, deutsches Zulassungs- und Arzneimittelrecht auf der anderen. Wer beide Ebenen kennt, findet für nahezu jede Fragestellung – von der Wirkstoffanalyse bis zur Arzneimittelversorgung – die passende Quelle, statt sich auf eine einzelne, oft unpassende Datenbank zu verlassen. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Fachzeitschriften und Datenbanken nach Aufgabe, nicht nach Beliebtheit, und ergänzt die allgemeine Liste wissenschaftlicher Datenbanken um die pharmaziespezifische Ebene.
Internationale Fachdatenbanken für die pharmazeutische Literaturrecherche
Für die klassische Literaturrecherche zu Wirkstoffen, klinischen Studien und pharmazeutischer Technologie führt an drei internationalen Datenbanken kein Weg vorbei:
| Datenbank | Schwerpunkt | Zugang |
|---|---|---|
| PubMed / MEDLINE | Biomedizinische und pharmazeutische Fachliteratur, von der NLM (National Library of Medicine, USA) betrieben | Frei zugänglich |
| Embase | Stärker europäisch und arzneimittelbezogen ausgerichtet, erfasst viele Zeitschriften, die PubMed nicht abdeckt | Kostenpflichtig, meist über die Hochschulbibliothek |
| Cochrane Library | Systematische Reviews und Metaanalysen zu Arzneimittelwirksamkeit | Teilweise frei, Volltexte oft über Hochschullizenz |
Für eine Bachelorarbeit ist PubMed in aller Regel der richtige Einstieg: frei zugänglich, gut dokumentiert und mit MeSH-Begriffen (Medical Subject Headings) für eine präzise Suche ausgestattet. Embase lohnt sich zusätzlich, wenn deine Recherche besonders vollständig sein muss oder du nach europäischen Studien suchst, die in PubMed unterrepräsentiert sind. Für eine Bachelorarbeit reicht meist eine Kombination aus zwei Datenbanken – eine dritte parallel zu durchsuchen kostet oft mehr Zeit, als es an zusätzlicher Trefferqualität bringt. Achte bei der Suche in allen drei Datenbanken darauf, Trunkierung und Booleschen Operatoren (AND, OR, NOT) konsequent einzusetzen und deine Suchstrategie – Suchbegriffe, Kombinationen, Trefferzahlen pro Schritt – für den Methodikteil zu dokumentieren, auch wenn deine Arbeit kein formaler systematischer Review ist. Willst du deine Literaturauswertung als vollständiges systematisches Review anlegen, zeigt der Leitfaden zum systematischen Literaturreview nach PRISMA 2020, wie Suchstrategie, Screening und Flow Diagram zusammenspielen.
Datenbanken für pharmazeutische Chemie, Technologie und Analytik

Wenn deine Arbeit chemisch-pharmazeutisch oder galenisch ausgerichtet ist – etwa Wirkstoffsynthese, Arzneiformenentwicklung oder analytische Methodik – ergänzen zwei weitere Datenbanktypen die klinisch orientierten Quellen von oben sinnvoll: Web of Science und Scopus decken breit naturwissenschaftliche Zeitschriften ab und eignen sich gut für Zitationsanalysen, mit denen du die Relevanz eines Forschungsstrangs einordnen kannst. Für rein chemische Fragestellungen – etwa Reaktionsmechanismen oder Stoffeigenschaften – ist zusätzlich SciFinder (auf Basis der CAS-Datenbank der American Chemical Society) das in der Chemie etablierte Rechercheinstrument. Prüfe vor der Nutzung, ob deine Hochschule einen Zugang bereitstellt – viele dieser Datenbanken sind ausschließlich institutionell lizenziert und nicht individuell erwerbbar. Ein Wechsel zwischen mehreren dieser Datenbanken innerhalb einer einzigen Arbeit ist normal und kein Zeichen unsystematischer Recherche, solange du dokumentierst, welche Datenbank welchen Teil deiner Fragestellung abgedeckt hat.
Register für klinische Studien
Wenn deine Arbeit auf laufende oder abgeschlossene klinische Studien Bezug nimmt, lohnt sich ein Blick in die offiziellen Studienregister zusätzlich zur Publikationsdatenbank: Das Deutsche Register Klinischer Studien (DRKS) erfasst in Deutschland durchgeführte klinische Prüfungen, während ClinicalTrials.gov das internationale Pendant ist. Studienregister sind besonders wertvoll, wenn du prüfen willst, ob es zu deiner Fragestellung noch nicht publizierte oder laufende Studien gibt – ein Aspekt, der in einer reinen Literaturdatenbank-Recherche leicht übersehen wird, aber für eine vollständige Einordnung des aktuellen Forschungsstands wichtig ist. Beziehst du dich in deiner Arbeit auf eine laufende klinische Prüfung, gelten für den Umgang mit Einwilligung und Datenschutz dieselben Grundprinzipien wie im Beitrag Forschungsethik und Ethikkommission beschrieben.
Deutschsprachige Fachzeitschriften und Portale
Für die Einordnung in die deutsche Apothekenpraxis und aktuelle berufspolitische Entwicklungen sind zwei etablierte Fachzeitschriften zentral: die Pharmazeutische Zeitung (PZ), herausgegeben von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), und die Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ). Beide berichten praxisnah über Arzneimitteltherapie, Apothekenrecht und aktuelle Studienlage und eignen sich gut, um ein Thema aus der wissenschaftlichen Literatur mit der Versorgungspraxis in Deutschland zu verknüpfen – etwa in der Einleitung oder Diskussion deiner Arbeit. Für die zitierfähige Kernargumentation bleiben aber PubMed, Embase und die Primärliteratur maßgeblich; PZ und DAZ liefern den Praxisbezug, nicht den wissenschaftlichen Nachweis.
Amtliche Arzneimittel- und Zulassungsdaten
Für Fragen zu Zulassung, Fachinformationen und amtlichen Arzneimitteldaten ist das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die richtige Anlaufstelle. Wichtig für die korrekte Quellenangabe: Das früher genutzte Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ist 2020 im BfArM aufgegangen – zitiere daher BfArM, nicht mehr DIMDI, wenn du amtliche deutsche Arzneimitteldaten referenzierst. Das Portal PharmNet.Bund, ein gemeinsames Angebot der zuständigen Bundesoberbehörden, stellt amtliche Arzneimittelinformationen bereit, unter anderem zu Zulassungen und laufenden klinischen Prüfungen. Für die schnelle Nachschlage-Recherche zu einzelnen Fertigarzneimitteln wird zusätzlich häufig die Rote Liste genutzt, ein etabliertes deutsches Arzneimittelverzeichnis – prüfe für deine Arbeit, ob dir der Zugang über deine Hochschulbibliothek oder eine Apothekenpraxis offensteht.
Wo findest du Sicherheitsinformationen und Nebenwirkungsmeldungen?
Für Arbeiten zur Arzneimittelsicherheit (Pharmakovigilanz) sind Rote-Hand-Briefe eine wichtige Primärquelle: Diese Informationsschreiben werden von pharmazeutischen Unternehmen an Angehörige der Heilberufe versendet, um über neu erkannte Risiken eines Arzneimittels zu informieren, und sind über BfArM und die europäische Arzneimittelagentur EMA (European Medicines Agency) recherchierbar. Für die europäische Perspektive auf Zulassung und Sicherheitsüberwachung ergänzt die EMA das BfArM als Quelle – insbesondere für zentral zugelassene Arzneimittel, deren Zulassung nicht national, sondern EU-weit erfolgt. Für eine Bachelorarbeit, die sich mit Nebenwirkungsprofilen oder Risikosignalen befasst, lohnt sich zusätzlich ein Blick in EudraVigilance, das von der EMA betriebene europäische System für Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen.
Wie dokumentierst du deine Datenbankauswahl im Methodikkapitel?

Gutachtende bei einer literaturbasierten Pharmazie-Bachelorarbeit prüfen nicht nur, welche Quellen du zitierst, sondern auch, wie nachvollziehbar deine Recherche insgesamt war. Ein knapper, aber vollständiger Methodikabsatz nennt typischerweise vier Angaben: erstens die verwendeten Datenbanken mit Begründung, warum genau diese gewählt wurden; zweitens den Suchzeitraum und das Datum der letzten Suche, damit spätere Leser einschätzen können, wie aktuell dein Literaturstand ist; drittens die zentralen Suchbegriffe beziehungsweise MeSH-Terms in der Kombination, wie du sie tatsächlich verwendet hast; und viertens die angewendeten Ein- und Ausschlusskriterien, selbst wenn deine Arbeit kein formaler systematischer Review nach PRISMA ist. Diese vier Angaben lassen sich in drei bis vier Sätzen unterbringen und erhöhen die Nachvollziehbarkeit deiner Recherche erheblich, ohne den Rahmen einer Bachelorarbeit zu sprengen. Für die korrekte Zitierweise deiner Quellen im Literaturverzeichnis gilt in Medizin und Pharmazie meist der nummerierte Vancouver-Stil – Details dazu im Beitrag Vancouver- und IEEE-Zitierstil. Ein zusätzlicher, oft übersehener Punkt: Notiere dir während der Recherche fortlaufend, welche Treffer du aus welchem Grund ausgeschlossen hast – diese Liste musst du zwar selten vollständig in die Arbeit übernehmen, sie hilft dir aber im Kolloquium, jede Auswahlentscheidung spontan begründen zu können.
Wie wählst du die richtige Quelle für deine Fragestellung?
| Deine Fragestellung zielt auf … | Passende Quelle |
|---|---|
| Wirksamkeit/Sicherheit eines Wirkstoffs (Primärstudien) | PubMed / Embase |
| Zusammenfassende Evidenzlage (systematischer Review) | Cochrane Library |
| Chemische Synthese, Analytik, Galenik | Web of Science / Scopus / SciFinder |
| Laufende oder unpublizierte Studien | DRKS / ClinicalTrials.gov |
| Zulassungsstatus, amtliche Fachinformation | BfArM / PharmNet.Bund |
| Nebenwirkungsmeldungen, Sicherheitsrisiken | Rote-Hand-Briefe, BfArM, EMA, EudraVigilance |
| Praxisbezug, Versorgungsalltag in der Apotheke | PZ / DAZ |
| Schnelle Präparate-Nachschlage | Rote Liste (Zugang klären) |
Ein durchgearbeitetes Beispiel (illustrativ)
Angenommen, deine Bachelorarbeit untersucht die Evidenzlage zu einer bestimmten Wirkstoffklasse bei einer definierten Indikation. Ein sinnvoller Rechercheweg: Beginne mit einer strukturierten Suche in PubMed über MeSH-Begriffe, um die zentralen Primärstudien zu identifizieren, und dokumentiere deine Suchstrategie Schritt für Schritt. Prüfe parallel in der Cochrane Library, ob bereits ein systematischer Review zu deiner Fragestellung existiert – wenn ja, dient er als Ausgangspunkt und Vergleichsfolie für deine eigene Literaturauswahl, nicht als Ersatz für die eigene Sichtung der Primärstudien. Ergänze über DRKS oder ClinicalTrials.gov, ob aktuell noch unpublizierte Studien zu deiner Wirkstoffklasse laufen, die deine Diskussion um einen Ausblick ergänzen können. Kläre anschließend über BfArM oder PharmNet.Bund den aktuellen Zulassungsstatus der relevanten Präparate in Deutschland, prüfe über die EMA, ob eines der Präparate zentral EU-zugelassen ist, und runde die Einleitung mit ein bis zwei aktuellen Einordnungen aus PZ oder DAZ ab, um den Praxisbezug herzustellen. Wenn deine Fragestellung auch Sicherheitsaspekte berührt, lohnt sich zusätzlich ein Blick in aktuelle Rote-Hand-Briefe zu den untersuchten Wirkstoffen.
Häufige Fragen zu Fachzeitschriften und Datenbanken in der Pharmazie
Reicht PubMed allein für eine Pharmazie-Bachelorarbeit aus?
Für die meisten Bachelorarbeiten ja, insbesondere in Kombination mit einer gezielten Cochrane-Suche für den Evidenzüberblick. Embase lohnt sich zusätzlich bei besonders umfassenden Recherchen oder europäischem Studienfokus.
Darf ich DIMDI noch als Quelle zitieren?
Nein, DIMDI ist 2020 im BfArM aufgegangen. Amtliche deutsche Arzneimitteldaten zitierst du heute über das BfArM beziehungsweise PharmNet.Bund.
Sind PZ und DAZ wissenschaftlich zitierfähig?
Sie eignen sich gut für Praxisbezug und aktuelle Einordnung, ersetzen aber keine peer-reviewte Primärliteratur als Beleg für Wirksamkeits- oder Sicherheitsaussagen.
Wo finde ich die Fachinformation zu einem bestimmten Präparat?
Amtliche Fachinformationen und Zulassungsdaten liefert PharmNet.Bund; alternativ nutzen viele Studierende die Rote Liste für die schnelle Nachschlage-Recherche.
Brauche ich für Embase und Cochrane-Volltexte immer eine Hochschullizenz?
Für Embase in der Regel ja. Die Cochrane Library bietet einzelne Inhalte frei zugänglich, vollständige Reviews sind aber häufig lizenzpflichtig – prüfe den Zugang über deine Hochschulbibliothek.
Wann brauche ich Web of Science, Scopus oder SciFinder zusätzlich zu PubMed?
Vor allem bei chemisch-technologischen Fragestellungen, die über die rein klinisch-pharmakologische Perspektive hinausgehen, etwa bei Synthesewegen oder analytischer Methodenentwicklung.
Was ist ein Rote-Hand-Brief, und wo finde ich ihn?
Ein Rote-Hand-Brief ist ein Informationsschreiben pharmazeutischer Unternehmen an Heilberufe über neu erkannte Arzneimittelrisiken. Aktuelle und archivierte Schreiben sind über BfArM und die EMA recherchierbar.
Wozu brauche ich ein Studienregister wie DRKS, wenn ich schon in PubMed suche?
PubMed erfasst nur publizierte Ergebnisse. Studienregister zeigen auch laufende oder noch nicht publizierte Studien und helfen dir, den aktuellen Forschungsstand vollständiger einzuschätzen, insbesondere bei sogenanntem Publikationsbias.
Muss ich meine Suchstrategie wirklich dokumentieren, auch wenn kein systematischer Review verlangt ist?
Ja, zumindest knapp. Eine nachvollziehbare Suchstrategie – Datenbanken, Suchbegriffe, Zeitraum – gehört zum wissenschaftlichen Mindeststandard und wird von Gutachtenden zunehmend auch bei nicht-systematischen Literaturarbeiten erwartet.
Wie zitiere ich einen Cochrane Review korrekt?
Wie einen regulären Zeitschriftenartikel, mit den Autor:innen des Reviews, Erscheinungsjahr, Titel und der Cochrane-Datenbank als Quelle – die genaue Zitierform richtet sich nach dem von deiner Hochschule vorgegebenen Stil.
Was mache ich, wenn meine Hochschule keinen Embase-Zugang hat?
Frage in der Fachbibliothek nach einer Fernleihe-Option oder gleiche die Lücke durch eine besonders sorgfältige PubMed- und Cochrane-Recherche aus – dokumentiere im Methodikteil transparent, welche Datenbanken dir zur Verfügung standen.
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Kurz zusammengefasst
Für eine Pharmazie-Bachelorarbeit brauchst du in der Regel fünf Quellentypen: internationale Literaturdatenbanken (PubMed, Embase, Cochrane) für die wissenschaftliche Evidenz, chemisch-technologische Datenbanken (Web of Science, Scopus, SciFinder) bei galenischer oder analytischer Ausrichtung, Studienregister (DRKS, ClinicalTrials.gov) für laufende Forschung, amtliche deutsche und europäische Stellen (BfArM, PharmNet.Bund, EMA, EudraVigilance) für Zulassungs-, Fach- und Sicherheitsinformationen, und deutschsprachige Fachzeitschriften (PZ, DAZ) für den Praxisbezug. Wer diese Ebenen bewusst kombiniert statt sich auf eine einzelne Quelle zu verlassen, deckt sowohl die wissenschaftliche als auch die regulatorische Seite seines Themas ab.
