Ergebnisse einer Gästebefragung in der Tourismus-Abschlussarbeit darstellen: Tabellen, Gap-Werte und Abbildungen 2026

Eine Gästebefragung liefert am Ende meist dieselben drei Datentypen: demografische Verteilungen, Erwartungs-Wahrnehmungs-Differenzen (Gap-Werte) und Gruppenvergleiche. Für jeden dieser Typen gibt es eine Darstellungsform, die Gutachtende sofort verstehen, und mehrere, die nur verwirren. Diese Vergleichstabelle ordnet Datentyp und Darstellungsform einander zu, bevor der Rest des Beitrags jede Zeile ausführlich behandelt und zeigt, wie du von der rohen SPSS-Ausgabe zu einer gutachtenfreundlichen Tabelle kommst.

Vergleichstabelle: Welche Darstellungsform für welchen Befund?

Ergebnistyp Empfohlene Darstellung Warum
Demografie der Stichprobe Tabelle mit Häufigkeiten und Prozenten Präzise Zahlen wichtiger als visuelle Wirkung
Gap-Werte (Erwartung vs. Wahrnehmung) je Dimension Tabelle mit Mittelwerten beider Seiten plus Differenz Die Differenz selbst ist der zentrale Befund und muss exakt lesbar sein
Profil über mehrere Dimensionen hinweg Netzdiagramm (Radar Chart) Zeigt Stärken-Schwächen-Muster auf einen Blick, Zahlen liefert die Tabelle daneben
Gruppenvergleich (z. B. Erstbesuch vs. Wiederholungsbesuch) Balkendiagramm mit Fehlerbalken oder Tabelle mit Signifikanzspalte Balken bei wenigen Gruppen anschaulich, Tabelle bei vielen Gruppen präziser
Zusammenhang zwischen Gap und Gesamtzufriedenheit Korrelationstabelle oder Streudiagramm Zeigt, ob ein kleinerer Gap tatsächlich mit höherer Zufriedenheit einhergeht
Offene Kommentare der Gäste Kategorientabelle mit Häufigkeit und Ankerzitat Macht qualitative Aussagen ohne Overload zitierbar

Diese Zuordnung ergänzt die allgemeinen Formatierungsregeln für Tabellen und Abbildungen, die im Beitrag Ergebnisteil der Bachelorarbeit schreiben fachübergreifend beschrieben sind – hier geht es um die tourismusspezifische Anwendung auf Gästebefragungsdaten.

Die Gap-Tabelle richtig bauen

Der Kern der meisten servicequalitätsbasierten Tourismus-Arbeiten ist die Differenz zwischen erwarteter und wahrgenommener Leistung je Dimension. Eine saubere Gap-Tabelle enthält für jede Dimension vier Spalten: den Mittelwert der Erwartung, den Mittelwert der Wahrnehmung, die Differenz (Gap-Score) und die Standardabweichung. Sortiere die Zeilen nach Gap-Größe, nicht nach der Reihenfolge im Fragebogen – so sehen Gutachtende sofort, welche Dimension am stärksten hinter der Erwartung zurückbleibt, ohne die Tabelle selbst durchrechnen zu müssen. Runde konsistent auf zwei Nachkommastellen und behalte das Vorzeichen bei, damit negative Gaps (Wahrnehmung unter Erwartung) klar von positiven zu unterscheiden sind.

Signifikanz der Gap-Werte berichten

Ein Gap-Wert allein sagt noch nicht, ob der Unterschied zwischen Erwartung und Wahrnehmung statistisch bedeutsam ist oder im Bereich der Zufallsstreuung liegt. Da Erwartung und Wahrnehmung von denselben Personen erhoben werden, prüfst du das üblicherweise mit einem gepaarten t-Test je Dimension. In der Gap-Tabelle ergänzt du dafür eine fünfte Spalte für den p-Wert oder eine Sternchen-Notation (*, **, *** für die gängigen Signifikanzschwellen), sodass Lesende auf einen Blick sehen, welche Gaps statistisch abgesichert sind und welche nicht. Berichte im Fließtext exemplarisch den Test für die größte Gap-Dimension ausführlich – Teststatistik, Freiheitsgrade, p-Wert –, und verweise für die übrigen Dimensionen auf die Tabelle, statt jeden einzelnen Test im Text auszuschreiben.

Demografische und deskriptive Ergebnisse der Gästebefragung

Die Stichprobenbeschreibung steht am Anfang des Ergebnisteils und bleibt rein deskriptiv: Herkunft, Altersgruppen, Aufenthaltsdauer, Erstbesuch versus Wiederholungsbesuch, Buchungskanal. Eine Tabelle mit absoluten Häufigkeiten und Prozentwerten reicht hier aus – ein Kreisdiagramm für jede einzelne demografische Variable bläht den Ergebnisteil unnötig auf und liefert keine zusätzliche Information gegenüber der Tabelle. Nutze eine Abbildung nur dort, wo die visuelle Verteilung selbst Teil der Aussage ist, etwa bei der geografischen Herkunft auf einer Karte. Wie du die zugrundeliegende Stichprobe überhaupt zusammenstellst und wie groß sie sein sollte, ist im Beitrag zu Stichprobenverfahren in der empirischen Forschung erklärt.

Reliabilität der Skala mit ausweisen

Bevor du die eigentlichen Gap-Werte und Gruppenvergleiche berichtest, gehört eine kurze Tabelle zur internen Konsistenz deiner Skala in den Ergebnisteil: Cronbachs Alpha je Dimension, meist in einer eigenen kleinen Tabelle mit der Anzahl der zugehörigen Items. Das signalisiert Gutachtenden, dass deine Messinstrumente vor der inhaltlichen Auswertung geprüft wurden. Wie du den Fragebogen selbst aufbaust und pretest, ist im Beitrag Umfrage für die Bachelorarbeit erstellen beschrieben.

Zusammenhang zwischen Gap-Werten und Gesamtzufriedenheit

Balkendiagramm mit Fehlerbalken für einen Gruppenvergleich neben einem Streudiagramm mit Trendlinie
Gruppenvergleich und Korrelation lassen sich mit unterschiedlichen Diagrammtypen klar trennen.

Viele Gästebefragungen erheben zusätzlich zu den einzelnen Dimensionen eine globale Zufriedenheits- oder Weiterempfehlungsfrage. Der naheliegende nächste Schritt ist zu prüfen, ob kleinere Gaps mit höherer Gesamtzufriedenheit einhergehen – das geschieht über eine Korrelationstabelle, die jede Dimension einzeln der globalen Zufriedenheit gegenüberstellt. Eine kompakte Korrelationsmatrix mit den Korrelationskoeffizienten und deren Signifikanz ist hier die Standarddarstellung; ein Streudiagramm lohnt sich zusätzlich nur für die Dimension mit dem stärksten Zusammenhang, um die Beziehung auch visuell zu belegen. Vermeide es, für jede der fünf Dimensionen ein eigenes Streudiagramm einzufügen – das wiederholt dieselbe Aussage fünfmal, ohne zusätzlichen Erkenntniswert zu liefern.

Gruppenvergleiche zwischen Gästesegmenten darstellen

Willst du prüfen, ob sich Erstbesuchende und Wiederholungsgäste in ihrer Zufriedenheit unterscheiden, brauchst du sowohl die Teststatistik als auch eine verständliche visuelle Zusammenfassung. Für zwei bis drei Gruppen eignet sich ein Balkendiagramm mit Fehlerbalken (Konfidenzintervall oder Standardfehler), das die Mittelwerte und ihre Unsicherheit gleichzeitig zeigt. Bei mehr als drei Gruppen oder mehreren gleichzeitig verglichenen Dimensionen wird ein Balkendiagramm schnell unübersichtlich – dann ist eine Tabelle mit einer eigenen Signifikanzspalte (p-Wert oder Sternchen-Notation) die klarere Wahl. Nenne im Fließtext nur die zwei bis drei wichtigsten Unterschiede, nicht jede einzelne Zelle der Tabelle. Wie sich dieselbe Trennung zwischen Ergebnis und Deutung auch in einem anderen quantitativen Fach durchhalten lässt, zeigt exemplarisch der Beitrag zu Ergebnisteil und Diskussion der Marketing-Abschlussarbeit an einem Hypothesentest-Beispiel.

Netzdiagramm oder Balkendiagramm für das Qualitätsprofil?

Netzdiagramm mit fünf Servicequalitäts-Dimensionen neben einer Zahlentabelle
Ein Netzdiagramm ersetzt nie die zugehörige Zahlentabelle.

Wenn deine Arbeit ein Gesamtprofil über mehrere Servicequalitäts-Dimensionen zeigen soll – etwa die klassischen fünf Dimensionen materielles Umfeld, Zuverlässigkeit, Reaktionsfähigkeit, Leistungskompetenz und Einfühlungsvermögen –, ist ein Netzdiagramm oft anschaulicher als fünf einzelne Balken, weil es das Muster über die Dimensionen hinweg auf einen Blick zeigt. Ein Netzdiagramm ersetzt aber nie die zugehörige Zahlentabelle: Gutachtende wollen die exakten Mittelwerte nachlesen können, nicht nur die Form der Fläche beurteilen. Platziere Diagramm und Tabelle daher direkt nebeneinander oder untereinander, nie an getrennten Stellen der Arbeit.

Mit welcher Software baust du diese Tabellen und Abbildungen?

Für Gap-Tabellen und Reliabilitätstabellen reicht in den meisten Fällen Excel oder die native Tabellenfunktion von SPSS, direkt formatiert nach den Vorgaben deiner Hochschule. Für das Netzdiagramm bieten Excel und die frei verfügbare Statistiksoftware jamovi einfache Standardvorlagen; wer mit R arbeitet, erstellt Radar Charts meist über die Pakete fmsb oder ggplot2 mit einer polaren Koordinatenachse, was mehr Kontrolle über Beschriftung und Farbgebung erlaubt. Balkendiagramme mit Fehlerbalken lassen sich in SPSS direkt aus der Diagrammerstellung exportieren oder in Excel über die Fehlerindikator-Funktion ergänzen. Wichtig unabhängig vom Tool: Exportiere Abbildungen in einer Auflösung, die auch im gedruckten PDF scharf bleibt, und beschrifte Achsen und Legenden vollständig, statt dich auf die Bildunterschrift allein zu verlassen.

Große Tabellen: Hauptteil oder Anhang?

Nicht jede Tabelle gehört in den Fließtext. Als Faustregel: Tabellen, auf die du im Fließtext argumentativ Bezug nimmst – die Gap-Tabelle, die Reliabilitätstabelle, die Kerntabelle der Gruppenvergleiche –, gehören in den Hauptteil. Tabellen mit reinen Zusatzinformationen, etwa die vollständige Item-für-Item-Aufschlüsselung eines Konstrukts oder alle Rohwerte der demografischen Kreuztabellierung, gehören in den Anhang, mit einem kurzen Verweis im Haupttext. Diese Trennung hält den Ergebnisteil lesbar, ohne Information zu verlieren – Gutachtende, die es genauer wissen wollen, finden die Details im Anhang.

Ein durchgearbeitetes Beispiel (illustrativ)

Angenommen, deine Bachelorarbeit befragt 120 Gäste eines Hotelbetriebs zu ihrer Zufriedenheit anhand der fünf Servicequalitäts-Dimensionen. Der Ergebnisteil beginnt mit der Reliabilitätstabelle (Cronbachs Alpha je Dimension), gefolgt von der Stichprobentabelle (Herkunft, Altersgruppen, Erstbesuch/Wiederholung). Danach folgt die Gap-Tabelle mit allen fünf Dimensionen, sortiert nach Gap-Größe und ergänzt um die Signifikanzspalte aus den gepaarten t-Tests – angenommen, „Reaktionsfähigkeit“ zeigt den größten negativen und zugleich signifikanten Gap. Ein Netzdiagramm visualisiert direkt daneben das Gesamtprofil aller fünf Dimensionen. Die Korrelationstabelle zeigt anschließend, dass gerade die Reaktionsfähigkeit am stärksten mit der globalen Zufriedenheit zusammenhängt. Danach folgt der Gruppenvergleich: Unterscheidet sich der Gap bei „Reaktionsfähigkeit“ zwischen Erstbesuchenden und Wiederholungsgästen signifikant? Ein Balkendiagramm mit Fehlerbalken für beide Gruppen, ergänzt um den Teststatistik-Wert im Fließtext, beantwortet das visuell und zahlenbasiert zugleich. Offene Kommentare zur „Reaktionsfähigkeit“ werden abschließend in einer kleinen Kategorientabelle mit Ankerzitaten zusammengefasst, um den quantitativen Befund inhaltlich zu untermauern; die vollständige Item-Aufschlüsselung aller fünf Dimensionen wandert in den Anhang.

Häufige Fehler bei der Ergebnisdarstellung in Tourismus-Arbeiten

  • Gap-Tabelle in Fragebogenreihenfolge statt nach Gap-Größe sortiert – zwingt Lesende, die Tabelle selbst zu sortieren, um den Kernbefund zu erkennen.
  • Netzdiagramm ohne zugehörige Zahlentabelle – Gutachtende können die exakten Werte nicht nachprüfen.
  • Ein Kreisdiagramm pro demografischer Variable – bläht den Ergebnisteil auf, ohne zusätzliche Information zu liefern.
  • Gap-Werte ohne Signifikanzprüfung berichtet – ein Gap von 0,15 wirkt bedeutsam, ist aber ohne Test nicht von Zufallsstreuung zu unterscheiden.
  • Fünf Streudiagramme statt einer Korrelationstabelle – wiederholt dieselbe Aussage, statt sie kompakt zusammenzufassen.
  • Interpretation bereits im Ergebnisteil – Wertungen wie „enttäuschend niedrig“ gehören in die Diskussion, nicht in die Ergebnisdarstellung selbst.
  • Uneinheitliche Rundung – wenn Gap-Werte mal mit einer, mal mit zwei Nachkommastellen erscheinen, wirkt die Tabelle unsorgfältig.

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Häufige Fragen zur Ergebnisdarstellung bei Gästebefragungen

Muss ich für jede Dimension ein eigenes Diagramm erstellen?

Nein. Ein Netzdiagramm für das Gesamtprofil aller Dimensionen reicht meist aus; einzelne Balkendiagramme lohnen sich nur dort, wo du einen Gruppenvergleich innerhalb einer Dimension zeigen willst.

Wie viele Nachkommastellen sind bei Gap-Werten üblich?

Zwei Nachkommastellen sind Standard und ausreichend präzise, ohne unnötige Scheingenauigkeit zu suggerieren. Halte die Rundung über die gesamte Tabelle konsistent.

Gehört die Interpretation der Gap-Werte in den Ergebnisteil?

Nein. Der Ergebnisteil nennt Zahlen und Fakten; welche Dimension besonders kritisch ist und was das für den Betrieb bedeutet, gehört in die Diskussion.

Reicht eine Tabelle ohne Diagramm für die Gap-Werte?

Ja, eine gut sortierte Tabelle allein ist ausreichend und in vielen Fällen sogar präziser als ein zusätzliches Diagramm. Ein Netzdiagramm lohnt sich vor allem, wenn du das Gesamtmuster visuell hervorheben willst.

Welcher Test eignet sich für die Signifikanzprüfung der Gap-Werte?

Da Erwartung und Wahrnehmung von denselben Personen stammen, ist ein gepaarter t-Test je Dimension die Standardwahl. Bei nicht normalverteilten Daten kannst du alternativ auf den Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test ausweichen.

Wie stelle ich negative und positive Gaps optisch unterscheidbar dar?

Behalte das Vorzeichen konsequent bei und nutze bei Bedarf eine dezente Farbkodierung (z. B. Rot für negative, Grün für positive Gaps) – aber verzichte auf Farbe als einzige Unterscheidung, falls die Arbeit auch in Schwarz-Weiß gedruckt werden könnte.

Wie gehe ich mit offenen Kommentaren neben den quantitativen Ergebnissen um?

Fasse sie in einer kleinen Kategorientabelle mit Häufigkeit und ein bis zwei Ankerzitaten zusammen. Das ergänzt die quantitativen Gap-Werte inhaltlich, ohne den qualitativen Teil unverhältnismäßig auszudehnen.

Ab wie vielen Gruppen sollte ich vom Balkendiagramm auf eine Tabelle wechseln?

Bei mehr als drei Gruppen oder wenn mehrere Dimensionen gleichzeitig verglichen werden, wird eine Tabelle mit Signifikanzspalte meist übersichtlicher als ein zunehmend überladenes Balkendiagramm.

Welche Tabellen gehören in den Anhang statt in den Hauptteil?

Tabellen mit reinen Zusatzinformationen wie vollständigen Item-Aufschlüsselungen oder demografischen Kreuztabellierungen, auf die der Fließtext nicht direkt argumentativ Bezug nimmt, gehören mit kurzem Verweis in den Anhang.

Kurz zusammengefasst

Die Ergebnisdarstellung einer Gästebefragung in der Tourismus-Abschlussarbeit folgt einer klaren Zuordnung: Demografie, Reliabilität und Gap-Werte gehören in Tabellen, Gesamtprofile über mehrere Dimensionen in ein Netzdiagramm neben der zugehörigen Tabelle, Zusammenhänge in eine Korrelationstabelle, Gruppenvergleiche je nach Gruppenzahl in Balkendiagramm oder Tabelle, und offene Kommentare in eine kompakte Kategorientabelle. Wer diese Zuordnung von Anfang an einhält, statt jeden Befund in ein Kreisdiagramm zu pressen, liefert einen Ergebnisteil, der sich schnell und präzise lesen lässt.

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