Ob du ChatGPT zitieren musst, hängt nicht davon ab, ob du es benutzt hast – sondern davon, wofür. Ein Rechtschreibprüfer wird nicht zitiert. Eine von der KI vorgeschlagene Gliederung schon. Und zwischen diesen beiden Polen liegt der Bereich, in dem die meisten Studierenden etwas falsch machen, ohne es zu merken.
Dieser Leitfaden trennt beides sauber und zeigt die Formate für APA 7, Harvard nach Cite Them Right und die deutsche Fußnotenzitierweise – mit ausgeschriebenen Belegen für fünf typische Anwendungsfälle. Die Regeln stammen aus den Leitfäden der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen und der Universität Basel („Aus KI zitieren“, Version 3.0, August 2025). Verbindlich ist immer die Vorgabe deines Fachbereichs.
Die Vorfrage: zitieren, erwähnen oder gar nichts?

Der Basler Leitfaden übernimmt die drei Regeln der Modern Language Association und macht damit eine Unterscheidung, die alles Weitere ordnet:
| Was du gemacht hast | Was nötig ist |
|---|---|
| KI-erzeugte Inhalte übernommen, paraphrasiert oder eingebaut – Ideen, Argumente, Zusammenfassungen, Textstrukturen, Code, Bilder | Beleg an der betroffenen Stelle: in Klammern im Text, in einer Fußnote oder in der Bildunterschrift |
| Eigene Inhalte von der KI überarbeiten lassen – Umformulierung, Übersetzung, Bildbearbeitung, Code-Bereinigung | Allgemeine Notiz am Anfang oder Ende der Arbeit, in der Regel ausreichend |
| Digitale Werkzeuge ohne generative Funktion – Rechtschreib- und Grammatikkorrektur, Online-Wörterbücher, Bibliothekskataloge | Keine Quellenangabe nötig |
Der dritte Punkt entlastet: Ein Grammatikprüfer ist kein Zitierfall. Der erste Punkt ist der, der unterschätzt wird – der Basler Leitfaden nennt ausdrücklich auch die Erstellung von Gliederungen und Textstrukturen eine „bedeutsame Übernahme fremder Gedanken“.
Warum das ernst zu nehmen ist, steht ebenfalls im Leitfaden: Studentische Arbeiten ohne vollständige Kennzeichnung von Quellen und Hilfsmitteln können als Täuschungsversuch gewertet werden. Welche Regeln an den großen deutschen Hochschulen konkret gelten, fasst der Beitrag zu den KI-Regeln an TU München, LMU und Humboldt zusammen.
Warum KI keine gewöhnliche Quelle ist
Zwei Eigenschaften machen den Unterschied zu jeder anderen Quelle aus, und beide haben Folgen für das Format.
Erstens ist die Ausgabe nicht zuverlässig abrufbar. Dieselbe Eingabe erzeugt morgen eine andere Antwort. Deshalb tritt bei KI-Belegen die Angabe von Datum und Modellversion an die Stelle, die sonst die Seitenzahl einnimmt – sie ist das Einzige, was deinen Beleg nachvollziehbar macht.
Zweitens ist die Ausgabe fachlich ungeprüft. Der Basler Leitfaden ist hier deutlich: Die Produkte generativer KI-Tools sind „keine wissenschaftlich verlässlichen Quellen“ und „schreibtechnisch eher wie das Ergebnis einer Internetsuche zu behandeln“. Auch bei korrekter Quellenangabe bleibt es deine Verantwortung, Relevanz und Genauigkeit zu prüfen. Besonders betroffen sind Literaturangaben: Sprachmodelle erfinden regelmäßig Quellen, die es nicht gibt. Jede von einer KI genannte Studie musst du im Katalog oder in der Datenbank selbst auffinden, bevor sie in dein Literaturverzeichnis darf.
Daraus folgt auch die Antwort auf die häufigste Frage: Nein, eine KI kann nicht als Autorin auftreten. Die Universitätsbibliothek Duisburg-Essen formuliert es in ihrem Zitationsleitfaden in einem Satz – „KI ist niemals Urheberin von Inhalten“. Verantwortlich für jeden Satz deiner Arbeit bleibst du.
Video: ChatGPT zitieren – Einordnung der TU München
Die Universitätsbibliothek der TU München hat die Frage in einem kurzen deutschsprachigen Video zusammengefasst:
Die fünf Angaben, die jeder KI-Beleg braucht
Unabhängig vom Zitierstil verlangt der Basler Leitfaden dieselben fünf Elemente:
- Titel – bei Text-, Bild- und Multimedia-Tools gilt der Prompt als Titel. Bei sehr langen Prompts genügt der Anfang.
- Name und Version des Tools – „ChatGPT“ allein reicht nicht; die Modellversion gehört dazu.
- Anbieter – die Firma oder Organisation hinter dem Tool.
- Datum der Generierung – nicht das Abrufdatum einer Website, sondern der Tag, an dem die Ausgabe entstand.
- Adresse – die URL des Tools, bei teilbaren Chats die Freigabe-URL.
Wer diese fünf Angaben in seinen Notizen mitführt, kann sie anschließend in jedes Format gießen.
Format 1: APA 7
APA behandelt die Ausgabe eines Sprachmodells wie Software: Als Urheber steht der Anbieter, nicht das Modell. In eckigen Klammern folgt eine Beschreibung der Art der Quelle, danach Modell und Zugriffsadresse. Die Universitätsbibliothek Duisburg-Essen zeigt in ihrem Zitationsleitfaden diese Struktur:
Anbieter. (Jahr, Monat Tag). Prompt als Titel [Generative AI Chat]. Modellbezeichnung. Freigabe-URL
Im Text verweist du dann mit Anbieter und Jahr, also etwa (OpenAI, 2026). Zwei Punkte werden dabei oft übersehen: Das Datum ist tagesgenau anzugeben, weil dieselbe Eingabe zu einem anderen Zeitpunkt eine andere Ausgabe erzeugt – und die Modellbezeichnung gehört in den Beleg, nicht nur der Produktname.
Wenn du unsicher bist, wie APA 7 sonst mit nicht-klassischen Onlinequellen umgeht, hilft die Anleitung zum Zitieren von Internetquellen nach APA 7 weiter.
Format 2: Harvard nach Cite Them Right
Im Harvard-System von Cite Them Right, das an vielen Hochschulen als Referenz dient, richtet sich das Format danach, ob es einen teilbaren Link zum Chat gibt. Die Bibliothek der Robert Gordon University dokumentiert beide Vorlagen:
Mit teilbarem Link:
Name of AI (Year of communication) Query submitted to AI. AI name response to Receiver of communication. Available at: URL (Accessed: date).
Ohne teilbaren Link:
Name of AI (Year of communication) Medium of communication response to Receiver of communication, Day/Month of communication.
Im Text zitierst du in beiden Fällen mit Tool-Name und Jahr. Auffällig gegenüber APA ist, dass Harvard die Ausgabe als persönliche Kommunikation an dich modelliert – der Empfängername steht im Beleg. Das passt zu der Tatsache, dass niemand sonst dieselbe Antwort abrufen kann. Die übrigen Harvard-Regeln findest du im vollständigen Leitfaden zur Harvard-Zitierweise.
Format 3: Deutsche Zitierweise (Fußnote)
In der Fußnotenzitierweise gibt es für KI-Ausgaben keinen etablierten Standard – die meisten Fachbereiche erwarten deshalb eine Fußnote, die dieselben fünf Angaben enthält, in der gewohnten Fußnotensyntax. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
Prompt (gekürzt), Tool und Version, Anbieter, Datum der Generierung, ggf. Freigabe-URL; Chat-Verlauf in Anhang X.
Der Verweis auf den Anhang ist in der Fußnotenzitierweise besonders wichtig, weil sie sonst keinen Ort für die Vollangabe hat: Rechtsquellen und Hilfsmittel landen hier traditionell nicht im Literaturverzeichnis – dieselbe Logik, die auch beim Zitieren von Gesetzen, Urteilen und Kommentaren gilt. Frag im Zweifel am Lehrstuhl nach, bevor du dich festlegst.
Fünf Anwendungsfälle mit ausgeschriebenem Beleg
Der Basler Leitfaden zeigt, wie der Nachweis im Fließtext konkret aussieht. Die folgenden Muster sind daran angelehnt; Prompt, Tool und Datum ersetzt du durch deine eigenen.
1. Wörtliche Übernahme
Der übernommene Satz steht in Anführungszeichen, dahinter der Beleg mit Prompt, Tool und Datum:
Geologie lässt sich als „die Wissenschaft von der Erde“ beschreiben („Was ist die Definition von Geologie?“, ChatGPT-5, 22.08.2025).
2. Paraphrase
Genauso, nur ohne Anführungszeichen. Wichtig: Auch eine vollständig umformulierte Passage bleibt eine Übernahme und braucht den Beleg an der Stelle, an der sie steht.
3. Übersetzung
Hat ein Tool eine Passage übersetzt, wird das dort vermerkt, wo die Übersetzung steht – etwa: „… eine andere Übersetzung wäre ‚Das betrunkene Boot‘ (DeepL, 23.03.2026).“ Handelt es sich um eine durchgehende Übersetzungshilfe für die ganze Arbeit, genügt die allgemeine Notiz.
4. Bild oder Visualisierung
Der Nachweis gehört in die Bildunterschrift, zusammen mit dem Hinweis auf eigene Überarbeitung: „Abb. 2: ‚An Ocean of Books‘, generiert mit Stable Diffusion, 28.03.2026, von der Verfasserin überarbeitet.“
5. Textstruktur oder Gliederung
Der am häufigsten vergessene Fall. Wenn eine KI die Gliederung eines Kapitels oder eine Kategorisierung vorgeschlagen hat, gehört ein Hinweis an das Ende des betroffenen Abschnitts: „… (nach einem Output von Claude Opus 4.1, 22.08.2025).“
Forschungstagebuch, Hilfsmittelverzeichnis, Anhang

Drei Dokumentationsebenen greifen ineinander, und keine ersetzt die andere.
Das Arbeitsjournal führst du während des Schreibens: eine Tabelle mit Tool, Einsatzform, betroffenen Teilen der Arbeit, Datum und Bemerkungen. Der Basler Leitfaden empfiehlt sie ausdrücklich – zusammen mit dem Hinweis, eine Kopie des gesamten Chat-Verlaufs lokal zu speichern, weil Anbieter nicht immer alle Details und insbesondere nicht immer das genaue Datum aufbewahren. Bei Rückfragen der Betreuung ist das dein einziger Nachweis.
Das Hilfsmittelverzeichnis steht am Ende der Arbeit, analog zum Literaturverzeichnis, und listet jedes eingesetzte Tool mit Version, Anbieter, URL und einer knappen Beschreibung der Verwendung.
Der Anhang nimmt den vollständigen Chat-Verlauf auf – Prompts und Antworten. Viele Fachbereiche verlangen das inzwischen ausdrücklich; die Universitätsbibliothek Duisburg-Essen empfiehlt es in ihrem Leitfaden. Prüfe die Vorgabe, bevor du abgibst: nachträglich lässt sich ein gelöschter Chat nicht rekonstruieren.
Abgrenzung zur Eigenständigkeitserklärung
Zitat und Erklärung sind zwei verschiedene Dinge, und beide werden gebraucht. Der Beleg im Text weist eine konkrete Übernahme nach. Die Eigenständigkeitserklärung ist eine rechtsverbindliche Erklärung über deine Arbeitsweise insgesamt und wird unterschrieben. Eine korrekte Erklärung heilt kein fehlendes Zitat – und umgekehrt. Wie du die Formulierung aufsetzt, zeigt der Beitrag zur KI-Eigenständigkeitserklärung.
Hinzu kommt die regulatorische Ebene: Für Hochschulen und Anbieter entstehen durch den EU AI Act und die Kennzeichnungspflichten eigene Anforderungen, die von den Zitierregeln unabhängig sind.
Sechs Fehler beim Zitieren von KI
- Nur die Erklärung, kein Beleg im Text. Der häufigste Fehler überhaupt. Eine pauschale Erklärung am Ende ersetzt keine Kennzeichnung an der Stelle, an der übernommen wurde.
- Modellversion fehlt. „ChatGPT“ ist kein ausreichender Nachweis – Ausgaben unterscheiden sich zwischen Modellen erheblich.
- Kein Datum. Ohne Datum ist ein KI-Beleg wertlos, weil die Ausgabe nicht reproduzierbar ist.
- Von der KI genannte Literatur ungeprüft übernommen. Sprachmodelle erfinden Quellen mitsamt plausiblen Seitenzahlen. Jede Angabe muss im Katalog verifiziert werden, sonst steht am Ende eine Fantasiequelle im Verzeichnis.
- Gliederungsvorschläge nicht gekennzeichnet. Struktur ist Inhalt. Eine übernommene Kapitelgliederung ist eine Übernahme fremder Gedanken.
- Chat-Verlauf nicht gesichert. Wer den Verlauf löscht, kann später weder den Anhang liefern noch eine Rückfrage beantworten.
Häufige Fragen
Muss ich ChatGPT überhaupt zitieren?
Immer dann, wenn du erzeugte Inhalte übernimmst, paraphrasierst oder einbaust – auch nach eigener Überarbeitung. Reine Überarbeitung deiner eigenen Texte wird in einer allgemeinen Notiz erwähnt. Rechtschreib- und Grammatikkorrektoren ohne generative Funktion müssen nicht zitiert werden.
Kann ich ChatGPT als Autor angeben?
Nein. In APA steht der Anbieter als Urheber, weil das Tool Software ist. Als Verfasserin oder Verfasser einer wissenschaftlichen Arbeit kann eine KI nicht auftreten; die Verantwortung für den Inhalt bleibt vollständig bei dir.
Gehört der Prompt in den Beleg?
Ja. Bei generativen Tools gilt der Prompt als Titel der Quelle. Bei sehr langen Eingaben genügt der Anfang, der vollständige Wortlaut gehört dann in den Anhang.
Was gehört in den Anhang?
Der vollständige Chat-Verlauf mit Prompts und Antworten, sofern dein Fachbereich das verlangt – und das tun immer mehr. Speichere den Verlauf lokal, sobald er entstanden ist.
Darf ich Quellen übernehmen, die ChatGPT nennt?
Nur nach eigener Prüfung. Erfundene Literaturangaben sind ein bekanntes und häufiges Verhalten generativer Modelle. Finde die Quelle im Katalog oder in der Datenbank, lies sie und zitiere dann die Originalquelle – nicht die KI.
Muss ich es kennzeichnen, wenn die KI nur formuliert hat?
Das ist der Fall „Überarbeitung eigener Inhalte“: Eine allgemeine Notiz über Tool und Verwendungsweise reicht in der Regel. Sobald aber inhaltliche Elemente hinzukommen – ein Argument, ein Beispiel, eine Struktur – wird daraus ein Beleg an der konkreten Stelle.
Welches Format gilt an meiner Hochschule?
Über Inhalt und Form der Quellenangabe entscheiden die Lehrenden. Die hier gezeigten Formate sind gut belegte Orientierungen; das Merkblatt deines Fachbereichs geht ihnen in jedem Fall vor.
Fazit
Merke dir zwei Linien. Die erste trennt Übernahme von Überarbeitung: Übernahme wird an Ort und Stelle belegt, Überarbeitung in einer Notiz erwähnt, reine Korrekturwerkzeuge gar nicht. Die zweite trennt Beleg von Erklärung: Das Zitat weist eine Stelle nach, die Eigenständigkeitserklärung beschreibt deine Arbeitsweise – du brauchst beides.
Wenn du mit KI arbeiten willst, ohne am Ende zu rekonstruieren, welcher Absatz woher kam: Leg deine Arbeit in Tesify an – Kapitel, Quellen und Notizen bleiben beim Schreiben verknüpft, und der Text bleibt zu 100 % von dir geschrieben.
