Der Forschungsstand zu deinem Thema ist auf Englisch. Die drei Aufsätze, auf denen deine Argumentation steht, sind auf Englisch. Deine Arbeit schreibst du auf Deutsch. Und irgendwann kommt der Moment, in dem du einen Satz aus einem dieser Aufsätze wirklich brauchst — nicht sinngemäß, sondern wörtlich, weil die Formulierung präzise ist.
Was jetzt passiert, entscheidet mehr, als die meisten vermuten. Wer den Satz still ins Deutsche überträgt und ihn ohne Kennzeichnung in den eigenen Text setzt, hat nicht schlampig zitiert, sondern einen Plagiatstatbestand erfüllt. Wer dagegen jedes englische Wort im Original stehen lässt, produziert einen Text, der zwischen zwei Sprachen hin- und herspringt. Zwischen diesen beiden Fehlern liegt eine schmale, klar beschreibbare Praxis — und die ist Gegenstand dieses Beitrags.

Die kurze Antwort
Für die gängigen Wissenschaftssprachen gilt in aller Regel: wörtliche Zitate bleiben im Original. Englisch ist in deutschsprachigen Arbeiten fast überall die Sprache, die als bekannt vorausgesetzt wird — eine Übersetzung ist hier nicht nötig und wirkt eher wie eine Absicherung gegen die eigene Leserschaft. Bei weniger geläufigen Sprachen kehrt sich das um: Dann steht die deutsche Übersetzung im Fließtext, und das Original wandert zum Nachlesen in die Fußnote.
Und die zweite, wichtigere Hälfte: Sobald du selbst übersetzt hast, muss das am Zitat sichtbar sein. Eine eigene Übersetzung ist kein wörtliches Zitat mehr, sondern deine Interpretation des Originals — und genau deshalb gehört sie gekennzeichnet.
Was Universitäten dazu tatsächlich festlegen
Die Regel ist keine Konvention vom Hörensagen, sondern steht in Zitierleitfäden. Der Leitfaden „Textgestaltung und Zitierweise“ des Historischen Instituts der Universität Bern formuliert unter der Überschrift Fremdsprachige Zitate:
„Fremdsprachige Texte sollten nach Möglichkeit in der Originalsprache zitiert werden; in der Schweiz werden englische, französische und italienische Texte nicht übersetzt. […] Ansonsten gilt bei weniger geläufigen Sprachen: Deutsche Übersetzung des Zitats im Haupttext, Originalzitat zum Nachlesen in der Fussnote.“
Bemerkenswert ist die Begründung, die derselbe Leitfaden mitliefert: Bei anderen Sprachen spiele der Kontext der Arbeit eine Rolle — ein spanisches Zitat werde in einer Arbeit an der Abteilung für Geschichte und Kulturen Lateinamerikas nicht übersetzt, während eine Übersetzung an anderen Abteilungen desselben Instituts eher sinnvoll sei. Die Regel hängt also nicht an der Sprache allein, sondern daran, was in deinem Fach als bekannt gilt. Das ist der Grund, warum du am Ende immer in den Leitfaden deines eigenen Fachbereichs schauen musst.
Wie unterschiedlich das ausfallen kann, zeigt ein Blick in ein anderes Fach. Im Leitfaden zur Abfassung von Hausarbeiten der Klassischen Philologie an der Universität Münster sind eigene Übersetzungen der lateinischen oder griechischen Texte — „so genau wie möglich, so frei wie nötig“ — ausdrücklich ein wichtiger Bestandteil der Arbeit, weil sie stets auch Interpretation bedeuten. Empfohlen wird dort, gerade bei längeren Arbeiten den verwendeten Originaltext mitabzudrucken, wahlweise en bloc vorangestellt oder an Ort und Stelle im Fließtext.
Zwei Fächer, zwei fast gegensätzliche Vorgaben — und beide sind richtig. Übersetzen ist in der einen Disziplin eine Eigenleistung, die bewertet wird, und in der anderen ein unnötiger Zwischenschritt.
Die Entscheidung in drei Schritten
- Prüfe den Leitfaden deines Lehrstuhls. Wenn es einen gibt, schlägt er jede allgemeine Regel. Suche gezielt nach dem Abschnitt zu fremdsprachigen Zitaten — er ist oft kurz und wird deshalb überlesen.
- Frage nach der Sprachkompetenz deiner Leserschaft. Englisch: Original. Französisch, Italienisch, Spanisch: hängt vom Fach ab. Alles Weitere: Übersetzung im Text, Original in der Fußnote.
- Entscheide dich einmal und bleibe dabei. Der häufigste handwerkliche Fehler ist nicht die falsche Wahl, sondern die uneinheitliche: Kapitel 2 übersetzt, Kapitel 4 nicht. Halte deine Regel schriftlich fest, bevor du anfängst.
So kennzeichnest du eine eigene Übersetzung

Die Kennzeichnung besteht aus zwei Teilen, die zusammengehören: dem Hinweis, dass übersetzt wurde, und dem Zugang zum Original.
Der Hinweis steht unmittelbar am Zitat, üblicherweise in eckigen Klammern oder als Zusatz im Beleg — etwa „[eigene Übersetzung]“ oder „Übersetzung durch die Verfasserin“. Welche Formulierung du wählst, ist weniger wichtig als die Konsequenz: dieselbe Form über die ganze Arbeit.
Der Zugang zum Original ist der Teil, den viele weglassen. Er dient nicht der Vollständigkeit, sondern der Überprüfbarkeit: Deine Übersetzung ist eine inhaltliche Entscheidung, und wer deine Argumentation prüfen will, muss sehen können, worauf sie beruht. Das Original gehört deshalb in die Fußnote — in Fächern mit Kurzbelegsystem alternativ in eine Anmerkung.
Die Logik der eckigen Klammer kennst du dabei schon aus anderen Zusammenhängen. Der Berner Leitfaden nennt dieselbe Systematik für verwandte Fälle: Auf ungewöhnliche Wendungen oder Orthographiefehler im Original wird mit [sic] hingewiesen, damit erkennbar ist, dass es so im Original steht; erläuternde Einschübe stehen ebenfalls in eckigen Klammern; und bei Hervorhebungen wird in der Fußnote vermerkt, ob sie aus dem Original stammen oder von dir. Die Übersetzung reiht sich genau dort ein: Alles, was du am Zitat verändert oder hinzugefügt hast, wird sichtbar gemacht.
Anführungszeichen — ja oder nein?
Hier gehen die Vorgaben auseinander, und deshalb ist die Antwort ehrlicherweise: Es kommt auf deinen Zitierstil an. Die inhaltliche Frage dahinter ist aber immer dieselbe. Anführungszeichen behaupten Wortlauttreue. Eine Übersetzung ist per Definition nicht wortlautgleich mit dem Original — sie ist eine Übertragung, bei der du zwischen Bedeutungsnuancen gewählt hast.
Manche Vorgaben ziehen daraus den Schluss, ein übersetztes Zitat wie eine Paraphrase ohne Anführungszeichen zu behandeln. Andere — vor allem in den Geisteswissenschaften — behalten die Anführungszeichen bei und lösen das Problem über den Zusatz und das Original in der Fußnote. Beide Wege sind vertretbar, solange die Übersetzung als solche erkennbar ist. Was in keinem System zulässig ist: Anführungszeichen setzen, nicht kennzeichnen, dass übersetzt wurde, und so tun, als sei das der Wortlaut der Quelle.
Prüfe die Regelung deines Stils, bevor du das erste Kapitel schreibst — die Systematik der gängigen Zitierweisen findest du in der Anleitung zum Literaturverzeichnis für APA, Harvard und Chicago. In Medizin, Naturwissenschaften und Technik ist zusätzlich häufig ein nummeriertes System im Einsatz, dessen Eigenheiten der Beitrag zur Vancouver- und IEEE-Zitierweise erklärt.
Wo die Grenze zum Plagiat verläuft
Ein übersetzter Text ohne Quellenangabe gilt als Plagiat — unabhängig davon, wie frei die Übersetzung ausgefallen ist. Der Gedanke, dass eine Übertragung in eine andere Sprache „eigene Formulierung“ sei, ist der verbreitetste Irrtum in diesem Bereich, und er ist gefährlich, weil er sich so plausibel anfühlt: Du hast schließlich jedes deutsche Wort selbst gewählt.
Der entscheidende Punkt ist aber nicht die Wortwahl, sondern die Gedankenführung. Übernommen hast du nicht die englischen Wörter, sondern die Aussage, den Beleg und die Argumentationsrichtung — und genau das ist das, was eine Quellenangabe ausweisen soll. Die Systematik der Plagiatsformen und der Umgang damit ist im Leitfaden zum Vermeiden von Plagiaten in der Bachelorarbeit ausführlich dargestellt; die übergeordneten Regeln guter wissenschaftlicher Praxis behandelt der Beitrag zum DFG-Kodex und zur Forschungsintegrität.
Praktisch heißt das: Eine Quellenangabe brauchst du in jedem Fall — beim Originalzitat, bei der eigenen Übersetzung und bei der sinngemäßen Wiedergabe eines fremdsprachigen Gedankens. Was sich unterscheidet, ist nur die Form der Kennzeichnung, nie die Frage, ob belegt wird.
Eine Regel, konsequent über 60 Seiten. Genau daran scheitert es meistens — nicht am Wissen, sondern daran, dass in Kapitel 5 niemand mehr weiß, wie es in Kapitel 2 gehandhabt wurde. Starte deine Abschlussarbeit kostenlos mit Tesify und halte Quellen, Zitate und Kapitel von Anfang an in einem Dokument zusammen — geschrieben wird sie zu 100 % von dir.
Fünf Situationen aus der Praxis
Ein englischer Fachbegriff ohne gute deutsche Entsprechung. Nimm den englischen Begriff, führe ihn bei der ersten Nennung kursiv ein und erkläre ihn in einem Halbsatz. Eine erfundene deutsche Übersetzung schadet mehr, als sie nützt, weil sie den Anschluss an die Literatur kappt.
Ein langes englisches Zitat, das du nur teilweise brauchst. Kürze im Original mit Auslassungszeichen in eckigen Klammern, statt eine gekürzte Übersetzung zu bauen. Wer im Original kürzt, macht die Kürzung sichtbar; wer beim Übersetzen kürzt, versteckt sie.
Eine Definition, die deine ganze Arbeit trägt. Original in den Text, Übersetzung in die Fußnote — nicht umgekehrt. Bei einer tragenden Definition muss der Wortlaut vorne stehen, weil deine gesamte Begriffsarbeit daran hängt.
Eine bereits publizierte deutsche Übersetzung. Dann zitierst du diese Ausgabe und gibst sie als Quelle an, inklusive der übersetzenden Person, sofern dein Zitierstil das vorsieht. Eine vorhandene Übersetzung selbst neu zu übersetzen ist unnötig und macht deinen Beleg angreifbar.
Ein Interview, das du auf Englisch geführt hast. Behandle es wie eine Quelle: Transkript in der Erhebungssprache, Zitate im Original, Übersetzung nur dort, wo sie dem Textfluss dient — und dann gekennzeichnet. Der Anhang enthält das Original.
Vier Fehler, die in der Bewertung auffallen
- Uneinheitlichkeit. Mal übersetzt, mal nicht, mal mit Zusatz, mal ohne — das liest sich wie Unsicherheit und wird auch so bewertet.
- Übersetzen, um Ähnlichkeit zu vermeiden. Wer einen Text überträgt, damit er in einem Abgleich nicht auffällt, hat die Absicht bereits dokumentiert. Das ist kein formaler Fehler mehr.
- Das Original nirgends zugänglich machen. Ohne Originalwortlaut ist deine Übersetzung nicht überprüfbar — und eine nicht überprüfbare Aussage trägt in einer wissenschaftlichen Arbeit nichts.
- Titel im Literaturverzeichnis übersetzen. Quellenangaben bleiben immer in der Originalsprache, sonst ist die Quelle nicht auffindbar. Übersetzt wird im Text, nie in der Bibliographie.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich englische Zitate in einer deutschen Bachelorarbeit übersetzen?
In aller Regel nicht. Englisch gilt in den meisten Fächern als vorausgesetzte Wissenschaftssprache; der Berner Leitfaden nennt englische, französische und italienische Texte ausdrücklich als Fälle, die nicht übersetzt werden. Verbindlich ist aber die Vorgabe deines Lehrstuhls.
Wie kennzeichne ich, dass ich selbst übersetzt habe?
Mit einem kurzen Zusatz direkt am Zitat — etwa „[eigene Übersetzung]“ oder „Übersetzung durch die Verfasserin“ — und dem Originalwortlaut in der Fußnote. Beides gehört zusammen: der Hinweis allein macht die Übersetzung noch nicht überprüfbar.
Zählt eine Übersetzung als wörtliches oder als sinngemäßes Zitat?
Das regeln die Zitierstile unterschiedlich, weshalb du in deinem Stil nachsehen musst. Inhaltlich ist eine Übersetzung immer eine Übertragung mit Entscheidungsspielraum — deshalb ist die Kennzeichnung in jedem System Pflicht, egal wie sie formal eingeordnet wird.
Darf ich ein Übersetzungswerkzeug für den ersten Entwurf benutzen?
Zum Erschließen fremdsprachiger Literatur ist maschinelle Übersetzung an vielen Hochschulen als Hilfsmittel akzeptiert, vergleichbar mit einem Wörterbuch. Für ein Zitat in deiner Arbeit gilt trotzdem: Du verantwortest die Formulierung, du prüfst sie am Original, und du kennzeichnest sie als eigene Übersetzung. Was deine Hochschule konkret erlaubt, steht in ihrer Regelung zum Umgang mit digitalen Hilfsmitteln.
Wie viele fremdsprachige Quellen sollte eine Arbeit enthalten?
Es gibt keine Quote. Entscheidend ist die Abdeckung des Forschungsstands: Wenn die einschlägige Literatur überwiegend englischsprachig ist, muss sich das in deinem Verzeichnis abbilden. Eine Arbeit, die nur deutschsprachige Titel führt, obwohl das Feld international diskutiert wird, hat ein Rechercheproblem — passende Einstiege dazu bietet der Überblick zu wissenschaftlichen Datenbanken und Bibliotheken im DACH-Raum.
Was mache ich mit fremdsprachigen Abbildungen und Tabellen?
Übernimm sie im Original und übersetze bei Bedarf die Beschriftung in der Bildunterschrift, mit Hinweis auf die Übersetzung. Eine nachgebaute deutsche Version ist keine Abbildung aus der Quelle mehr, sondern eine eigene Darstellung nach dieser Quelle — und muss entsprechend ausgewiesen werden.
Muss ich lange fremdsprachige Zitate anders formatieren?
Ja, nach derselben Regel wie deutschsprachige. Der Berner Leitfaden setzt die Grenze bei mehr als drei Zeilen: Solche Zitate werden eingerückt, in kleinerer Schrift und mit einzeiligem Abstand abgesetzt. Die Sprache ändert daran nichts.
Fazit
Fremdsprachige Quellen sind kein Sonderfall, sondern der Normalfall wissenschaftlichen Arbeitens — und die Regeln dafür sind erfreulich schlicht. Englisch bleibt im Original, weniger geläufige Sprachen werden im Text übersetzt und in der Fußnote im Original nachgewiesen, jede eigene Übersetzung wird gekennzeichnet, und die Quellenangabe steht in jedem Fall. Der einzige Punkt, an dem wirklich etwas schiefgehen kann, ist die stille Übersetzung ohne Beleg. Sie kostet dich drei Wörter Aufwand, wenn du sie vermeidest — und im ungünstigen Fall die ganze Arbeit, wenn du es nicht tust.
