Frauenanteil in MINT & Professuren 2026: Die aktuellen Destatis-Zahlen
36 Prozent — so hoch ist der Frauenanteil unter den MINT-Studienanfängerinnen und -anfängern in Deutschland im Studienjahr 2024 und damit so hoch wie nie zuvor. Das meldet das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner Pressemitteilung vom Januar 2026. Doch der Weg zur Professur bricht diesen Schwung erheblich: Bei MINT-Professuren liegt der Frauenanteil gerade einmal bei 18,5 %, und im Ingenieurwesen sogar nur bei 15,9 %. Die Schere zwischen Studienanfängerzahlen und Professuren zeigt, wo im deutschen Wissenschaftssystem der größte Handlungsbedarf besteht.
Frauenanteil unter MINT-Studienanfängerinnen 2024
Im Studienjahr 2024 begannen mehr als 36 % aller MINT-Studierenden im ersten Fachsemester als Frauen ihr Studium — ein neuer Höchststand seit Beginn der Erhebung. Zehn Jahre zuvor, im Studienjahr 2014, lag der Anteil bei 31 %. Diese Steigerung um 5 Prozentpunkte innerhalb eines Jahrzehnts ist beachtlich, auch wenn Frauen im Vergleich zu ihrer Gesamtrepräsentation im Hochschulsystem (52 % aller Studienanfängerinnen) nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind.
Das MINT-Gesamtstudium wuchs von 2023 auf 2024 um 3 % — stärker als das allgemeine Studienanfängerwachstum (+2 %). Quelle: Destatis – Pressemitteilung Januar 2026.
Langfristig ist die Entwicklung weniger eindeutig: Über den gesamten Zehnjahreszeitraum 2014–2024 sank die Gesamtzahl der MINT-Studienanfängerinnen und -anfänger um 5 %, bevor der jüngste Anstieg einsetzte. Der Rückgang betraf Männer und Frauen gleichermaßen.
Professorinnen-Anteil gesamt und in MINT
Ende 2024 lag der Frauenanteil an hauptberuflichen Professuren an deutschen Hochschulen bei 30 % — ebenfalls ein Höchstwert, wie Destatis im Dezember 2025 meldete. Quelle: Destatis PD25_442_213.
Für MINT-Professuren liegen die Anteile erheblich darunter:
| Fächergruppe | Frauenanteil Professuren | Tendenz |
|---|---|---|
| Alle Fächergruppen | 30,0 % | ↑ steigend |
| Mathematik & Naturwissenschaften | 23,7 % | ↑ steigend |
| Ingenieurwissenschaften | 15,9 % | ↑ steigend (langsam) |
| MINT gesamt (gewichtet) | ~18,5 % | ↑ steigend |
| Sprach- & Kulturwissenschaften | ~46 % | ↑ steigend |
Quelle: innovative-frauen-im-fokus.de, basierend auf Destatis-Daten 2023.
Frauenanteil an Professuren 1997–2024 — Zeitreihe (Destatis / Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung)
Interaktive Zeitreihe: Von 9 % (1997) auf knapp 30 % (2024) — aufgeschlüsselt nach Besoldungsgruppe und Hochschulart.
Frauenanteil nach Fachbereich: Große Unterschiede
Die Destatis-Pressemitteilung vom Januar 2026 weist auf erhebliche Unterschiede innerhalb des MINT-Spektrums hin. Die Bandbreite reicht von nahezu vollständig weiblich dominierten Teildisziplinen bis zu stark männlich geprägten Feldern:
- Innenarchitektur: ~87 % Frauenanteil unter Studienanfängerinnen
- Biologie, Pharmazie, Ernährungswissenschaften: Frauenanteil >55 %
- Mathematik, Physik: 30–40 %
- Informatik: ~25–28 %
- Fahrzeugtechnik, Maschinenbau: nur ~10–15 %
Diese Verteilung macht deutlich: Das „MINT-Problem” ist kein einheitliches Phänomen, sondern eine fachspezifische Herausforderung vor allem in Technik und Informatik.
Langfristiger Trend 1997–2026
Der Frauenanteil bei MINT-Professuren hat sich langfristig kontinuierlich verbessert. Laut Daten von innovative-frauen-im-fokus.de ist er von 4 % im Jahr 1997 auf 18,5 % im Jahr 2023 gestiegen. Das entspricht einer Zunahme von 14,5 Prozentpunkten in 26 Jahren — im Schnitt etwa 0,56 Punkte pro Jahr.
Damit besteht bei MINT-Professuren noch ein erheblicher Aufholbedarf, um den allgemeinen Professorinnen-Anteil (30 %) zu erreichen. Bei diesem Tempo würde der Gleichstand frühestens in den 2040er Jahren eintreten — sofern sich der aktuelle Trend fortsetzt.
MINT-Berufsausbildung: Frauen kaum präsent
In der beruflichen Ausbildung sieht die Situation noch deutlich angespannter aus. Laut BMBF-Datenportal betrug der Frauenanteil unter neuen MINT-Auszubildenden im Jahr 2024 lediglich 12 % — nahezu identisch mit dem Wert von 11 % aus dem Jahr 2014. Hier hat sich in einem Jahrzehnt kaum etwas verändert.
Dieser Befund ist aus hochschulpolitischer Sicht wichtig: Die Studienanfängerinnen-Steigerung in MINT wird primär durch akademisch gebildete Frauen getragen, nicht durch eine Verbreiterung der MINT-Basis im Berufsausbildungssystem.
Das Leaky-Pipeline-Problem im deutschen Wissenschaftssystem
Die Daten illustrieren das klassische „Leaky Pipeline”-Phänomen: Frauen sind in frühen Karrierephasen zunehmend präsent, scheiden aber auf dem Weg zur Professur überproportional aus. Die Stationen, an denen Frauen das Wissenschaftssystem verlassen, sind:
- Übergang Bachelor → Master: Geringer Verlust, gut belegt.
- Übergang Studium → Promotion: Frauenanteil Promovierende in MINT bleibt hinter Studierenden-Anteil zurück. Wer eine Stelle sucht, sollte die aktuelle Übersicht der Jobbörsen für Doktoranden in DACH nutzen.
- Übergang Promotion → Postdoc: Deutlicher Rückgang, familiäre Gründe spielen eine größere Rolle.
- Postdoc → Professur (Berufung): Stärkster Einbruch, besonders in Ingenieurwissenschaften.
Im breiteren Kontext der akademischen Karriere lohnt sich auch der Blick auf Promotionsabbruchraten nach Fach — wie der Artikel zu Promotionsquoten und Promotionsabbruch in DACH 2026 zeigt.
Für die Studienfinanzierung von Frauen in MINT existieren zahlreiche zielgruppenspezifische Stipendien, die in der Stipendien-Datenbank für DACH aufgelistet sind.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie hoch ist der Frauenanteil im MINT-Studium in Deutschland 2026?
Im Studienjahr 2024 waren 36 % der MINT-Studienanfängerinnen und -anfänger Frauen — ein Rekordwert. Das entspricht einer Steigerung von 5 Prozentpunkten gegenüber 2014 (31 %). Quelle: Destatis, Pressemitteilung Januar 2026.
Wie viele Professorinnen gibt es in MINT-Fächern in Deutschland?
Der Frauenanteil an MINT-Professuren liegt bei etwa 18,5 % (2023). In Mathematik und Naturwissenschaften sind es 23,7 %, in Ingenieurwissenschaften nur 15,9 %. Zum Vergleich: Der Gesamtanteil aller Professorinnen beträgt 30 % (Ende 2024). Quelle: Destatis, innovative-frauen-im-fokus.de.
In welchem MINT-Fach sind Frauen am stärksten vertreten?
In der Innenarchitektur sind etwa 87 % der Studierenden weiblich. In Biologie, Pharmazie und Ernährungswissenschaften übersteigt der Frauenanteil ebenfalls 55 %. Im Gegensatz dazu liegt der Anteil in Fahrzeugtechnik oder Maschinenbau bei nur 10–15 %.
Was ist das Leaky-Pipeline-Problem in der Wissenschaft?
Das Leaky-Pipeline-Problem beschreibt den überproportionalen Rückgang des Frauenanteils auf jeder höheren Karrierestufe im Wissenschaftssystem — von Studierenden über Promovierende und Postdocs bis zu Professuren. Der Effekt ist besonders stark in MINT-Fächern.
Hat sich der Frauenanteil bei MINT-Professuren verbessert?
Ja, von 4 % im Jahr 1997 auf 18,5 % im Jahr 2023 — ein langfristiger Trend nach oben, aber noch weit vom Gesamtprofessorinnen-Anteil (30 %) entfernt. Bei aktuellem Tempo wäre Parität frühestens in den 2040er Jahren erreicht.
Wie hoch ist der Frauenanteil in MINT-Berufsausbildungen?
In MINT-Berufsausbildungen sind nur 12 % der Neueinsteiger weiblich (2024) — nahezu identisch mit dem Wert von 11 % im Jahr 2014. Im Gegensatz zum akademischen MINT-Bereich gibt es hier kaum Fortschritt. Quelle: BMBF-Datenportal.



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