Systematische Literaturrecherche: Vorgehen, Datenbankauswahl und Protokollierung 2026
Eine systematische Literaturrecherche ist die Grundlage jeder wissenschaftlichen Arbeit. Sie unterscheidet sich von einer einfachen Google-Scholar-Suche durch ihr strukturiertes, reproduzierbares Vorgehen: Du definierst Ein- und Ausschlusskriterien, durchsuchst mehrere Datenbanken und dokumentierst jeden Schritt — so dass jemand anderes deine Suche exakt wiederholen könnte.
Diese Anleitung zeigt das Vorgehen nach dem PRISMA-Protokoll (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses), das an deutschen Hochschulen zunehmend als Standard gilt.
Schritt 1: Fragestellung präzisieren
Vor der Recherche musst du deine Forschungsfrage operationalisieren. Bewährt hat sich das PICO-Schema (aus der Medizin, aber breit anwendbar):
- Population/Problem: Wen oder was untersuchst du?
- Intervention/Exposition: Was ist der interessierende Faktor?
- Comparison/Control: Was ist der Vergleich?
- Outcome: Was ist das interessierende Ergebnis?
Zur Fragestellung: Forschungsfrage formulieren: Leitfaden und Beispiele 2026
Schritt 2: Suchbegriffe entwickeln
Entwickle aus deiner Fragestellung eine Suchstrategie mit Schlagwörtern, Synonymen und booleschen Operatoren:
Boolesche Operatoren
- AND: Verknüpft Begriffe — alle müssen vorkommen (engere Suche)
- OR: Erweitert Suche — mindestens einer muss vorkommen
- NOT: Schließt Begriffe aus
Beispiel-Suchstring
("digitale Transformation" OR "Digitalisierung") AND ("Mittelstand" OR "KMU" OR "kleine und mittlere Unternehmen") AND ("Herausforderungen" OR "Barrieren")
Trunkierung und Wildcards
Viele Datenbanken unterstützen Trunkierung mit * (z.B. “Digital*” findet Digital, Digitalisierung, Digitalstrategie) und Wildcards mit ? (z.B. “wom?n” findet woman und women).
Schritt 3: Datenbanken auswählen und durchsuchen
| Datenbank | Fachgebiet | Zugang |
|---|---|---|
| Google Scholar | Alle Disziplinen | Kostenlos |
| JSTOR | Geistes-/Sozialwissenschaften | Hochschulzugang |
| PubMed / MEDLINE | Medizin, Biowissenschaften | Kostenlos |
| Scopus | Naturwissenschaften, Technik | Hochschulzugang |
| WISO | Wirtschaft, Sozialwissenschaften (DE) | Hochschulzugang |
| FIS Bildung | Pädagogik, Bildungswissenschaften | Kostenlos |
Google Scholar-Tipps für erweiterte Suche: Google Scholar Tipps: Erweiterte Suche, Operatoren und versteckte Funktionen 2026
Schritt 4: Ergebnisse filtern
Entwickle Ein- und Ausschlusskriterien vor der Recherche, nicht danach:
- Einschluss: Sprache (DE/EN), Erscheinungszeitraum (z.B. 2015–2026), Studientyp, Fachgebiet
- Ausschluss: Graue Literatur ohne Peer-Review, Duplikate, thematisch nicht passend
Filtere in drei Schritten: (1) Titel-Screening, (2) Abstract-Screening, (3) Volltext-Screening. Dokumentiere, warum Quellen ausgeschlossen wurden.
Schritt 5: Recherche dokumentieren
Das PRISMA-Flussdiagramm ist der Standard für die Dokumentation: Es zeigt, wie viele Treffer pro Datenbank gefunden wurden, wie viele nach jedem Filter übrig blieben und wie viele in die finale Analyse eingingen.
In Bachelorarbeiten wird oft eine vereinfachte Tabelle akzeptiert:
| Datenbank | Suchstring | Treffer | Nach Screening |
|---|---|---|---|
| Google Scholar | “Digitalisierung” AND “KMU” | 1.240 | 23 |
Vollständige Anleitung zur Literaturrecherche: Literaturrecherche: Systematisch und effizient vorgehen 2026
Häufige Fragen
Wie viele Quellen brauche ich für eine Bachelorarbeit?
Eine Faustregel: 15–30 Quellen pro 10.000 Wörter. Für eine typische Bachelorarbeit (8.000–12.000 Wörter) sind 20–40 Quellen angemessen. Wichtiger als die Menge ist die Qualität: Peer-reviewte Zeitschriftenartikel und Fachbücher haben mehr Gewicht als Websites und Blogposts.
Muss ich in einer Bachelorarbeit eine systematische Literaturrecherche durchführen?
Nicht zwingend — aber es ist empfehlenswert. Eine dokumentierte Suchstrategie zeigt methodische Sorgfalt und schützt vor dem Vorwurf, wichtige Literatur übersehen zu haben. In empirischen Arbeiten mit Literaturreview wird systematisches Vorgehen meist erwartet.
Welche Datenbank soll ich für meine Bachelorarbeit nutzen?
Google Scholar ist der beste Startpunkt — kostenlos und umfassend. Ergänze mit fachspezifischen Datenbanken: JSTOR für Geisteswissenschaften, PubMed für Medizin/Biologie, WISO für Wirtschaft/Sozialwissenschaften (über Hochschulzugang), Scopus für Naturwissenschaften/Technik.
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