Das Wichtigste zuerst: Die Skala zur Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) von Matthias Jerusalem und Ralf Schwarzer besteht aus zehn Items mit vierstufiger Antwortskala. Der Summenwert reicht von 10 bis 40 Punkten. Nach Angabe des Autors darfst du sie für Forschungszwecke ohne explizite Erlaubnis verwenden, wenn du die Quelle angibst. Feste Grenzwerte für „hoch“ und „niedrig“ gibt es nicht. Wer Selbstwirksamkeit in einer Bachelorarbeit misst, findet hier die Skala, die Auswertung, die verfügbaren Vergleichswerte und Hypothesenbeispiele, jeweils mit Quellen zum Nachprüfen.
Was bedeutet Selbstwirksamkeit und warum wird sie so oft gemessen?
Selbstwirksamkeitserwartung (englisch perceived self-efficacy) bezeichnet die Überzeugung, schwierige Anforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Das Konzept wurde von Albert Bandura (1977, 1997) als wesentlicher Bestandteil seiner sozial-kognitiven Theorie eingeführt. Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung bezieht sich auf die persönliche Einschätzung der eigenen Kompetenzen, im täglichen Leben mit Schwierigkeiten und Barrieren zurechtzukommen. In der deutschsprachigen Forschung wird sie als personale Bewältigungsressource beschrieben, die vor allem in der Gesundheits- und Pädagogischen Psychologie stark rezipiert wurde.
Für Abschlussarbeiten ist das Konstrukt attraktiv, weil es sich kurz messen lässt, in sehr vielen Kontexten relevant ist (Studium, Pflege, Schule, Beruf, Gesundheitsverhalten) und weil Vergleichsdaten vorliegen. Es hat aber eine typische Falle: Wer etwas Bestimmtes vorhersagen will, etwa Lernverhalten oder Rauchstopp, ist mit einer spezifischen Skala meist besser beraten. Der Autor selbst empfiehlt in seiner FAQ, bei einer klar umrissenen Zielverhaltensweise eigene, auf die Situation zugeschnittene Items zu formulieren, nach dem Muster „Ich bin sicher, dass ich … tun kann, auch wenn …“.
Wie ist die SWE-Skala aufgebaut?
Die Skala wurde erstmals 1981 von Jerusalem und Schwarzer vorgestellt und umfasst zehn Items, die vierstufig beantwortet werden: stimmt nicht, stimmt kaum, stimmt eher, stimmt genau. Typische Items lauten zum Beispiel „Die Lösung schwieriger Probleme gelingt mir immer, wenn ich mich darum bemühe“ und „Wenn ein Problem auftaucht, kann ich es aus eigener Kraft meistern“. Den vollständigen Wortlaut mit Antwortformat findest du auf der Website der Autoren an der Freien Universität Berlin; als deutsche Quelle wird dort die Dokumentation von Schwarzer und Jerusalem (Hrsg., 1999) im Rahmen des Modellversuchs „Selbstwirksame Schulen“ genannt, als englische Hauptquelle Schwarzer und Jerusalem (1995) im Sammelband „Measures in health psychology: A user’s portfolio“.

Die Skala liegt nach Angabe der Autoren in über dreißig Sprachen vor (auf der Seite werden 32 genannt, in der FAQ von 2014 ist von 33 Sprachversionen die Rede). Das ist für internationale Vergleiche oder mehrsprachige Stichproben hilfreich; prüfe aber bei jeder Fassung, wer sie übersetzt und validiert hat, und zitiere die Quelle dieser Fassung.
Darfst du die Skala einfach verwenden?
Laut FAQ von Ralf Schwarzer (Stand 30. Mai 2014) brauchst du keine ausdrückliche Erlaubnis, um die Skala in deiner Studie zu nutzen und zu vervielfältigen, sofern die Quelle in der Arbeit korrekt angegeben wird. Diese Information stammt von der Seite des Autors; zitiere sie also mit Quelle und Abrufdatum und halte die Hauptquelle im Literaturverzeichnis fest. Wenn du die Skala in eine Online-Umfrage einbaust, übernimm Itemwortlaut und Antwortformat unverändert und kennzeichne Abweichungen, zum Beispiel eine andere Anzahl von Antwortstufen. Wie du Nutzungsrechte bei anderen Skalen klärst, beschreibt der Beitrag Validierte Skala finden und nutzen dürfen.
Wie wertest du die SWE-Skala aus?
Die Auswertung ist einfach, aber ein paar Entscheidungen musst du in der Arbeit offenlegen.
- Skalenwert: Summe aller zehn Antworten (Spanne 10 bis 40) oder Mittelwert (Spanne 1 bis 4). Entscheide dich für eine Variante und bleibe dabei.
- Fehlende Werte: Der Autor nennt als Faustregel, einen Skalenwert zu berechnen, solange nicht mehr als drei der zehn Items fehlen; andere Verfahren wie Imputation sind möglich, sollten aber mit der Betreuung abgestimmt werden.
- Gruppen bilden: Einen festen Cut-off gibt es nicht. Der Autor spricht sich ausdrücklich gegen eine Einteilung in „hoch“ und „niedrig“ aus. Wenn du Gruppen brauchst, bietet sich ein Mediansplit in deiner Stichprobe an, den du als solchen kennzeichnest.
- Reliabilität: Berechne Cronbachs Alpha in deiner Stichprobe und berichte es. Wie das geht, zeigt der Beitrag Reliabilität und Validität von Fragebögen prüfen.
Als Orientierung nennt die FAQ, dass der Mittelwert in vielen Stichproben um 2,9 liegt. Das ist ein Anhaltspunkt für Plausibilitätschecks, kein Sollwert. Liegt dein Mittelwert weit darunter oder darüber, prüfe zuerst die Datenqualität und die Stichprobe, bevor du inhaltlich interpretierst.
Welche Normwerte und Vergleichsdaten gibt es?
Für Vergleiche mit der Allgemeinbevölkerung brauchst du Normdaten. Hier die Quellen, die du prüfen und zitieren kannst:
| Stichprobe | Angaben laut Quelle | Quelle |
|---|---|---|
| Heterogene erwachsene Bevölkerung (Deutschland) | N = 1.660; gewichteter Mittelwert 29,28; gewichtete Varianz 25,91 | FAQ der SWE-Skala (Schwarzer, 2014) |
| Deutsche Schülerinnen und Schüler, 12 bis 17 Jahre | N = 3.494; Mittelwert 29,60 | FAQ der SWE-Skala (Schwarzer, 2014) |
| Bevölkerungsrepräsentative Stichprobe (Deutschland) | Manuskript 2001: N = 2.031, 14 bis 95 Jahre; publizierte Normierung 2006: N = 2.019, 16 bis 95 Jahre; jeweils alters- und geschlechtsspezifische Normwerte (Prozentränge, T-Werte) | Schumacher, Klaiberg und Brähler (Manuskriptfassung 2001, Website der Autoren); Hinz, Schumacher, Albani, Schmid und Brähler (2006), Diagnostica 52(1), 26 bis 32 |
Aus der Varianz von 25,91 ergibt sich eine Standardabweichung von rund 5,1 Punkten (Wurzel aus 25,91). Das kannst du nutzen, um den Mittelwert deiner Stichprobe einzuordnen: Ein Studierendenmittelwert von 31 läge in diesem Rechenbeispiel ungefähr 0,3 Standardabweichungen über dem Wert der heterogenen Erwachsenenstichprobe, ((31 minus 29,28) geteilt durch 5,09). Das Beispiel ist illustrativ und ersetzt keinen Signifikanztest.
Die Normierungsstudie berichtet außerdem Alters- und Geschlechtseffekte: Die Selbstwirksamkeitserwartung nimmt mit dem Alter ab, bei Männern fällt sie etwas höher aus als bei Frauen. Wenn dein Vergleich Altersgruppen oder Geschlechter betrifft, ziehe deshalb die altersgruppen- und geschlechtsspezifischen Normwerte der veröffentlichten Fassung heran, statt nur den Gesamtmittelwert zu verwenden. Die Autoren stellen außerdem einen internationalen SPSS-Datensatz mit etwa 18.000 Befragten zum kostenlosen Download bereit, den du als Vergleichsgruppe nutzen kannst; prüfe vorab Stichprobenzusammensetzung und Lizenz.

Was ist über Reliabilität und Validität bekannt?
Die Autoren verweisen in ihrer FAQ darauf, dass die psychometrischen Kennwerte von Stichprobe und Kontext abhängen und dass mehr als 1.000 Studien die Skala in vielen Ländern und Sprachen verwendet haben. Für internationale Befunde nennen sie unter anderem die Arbeit von Scholz, Gutiérrez-Doña, Sud und Schwarzer (2002) im European Journal of Psychological Assessment (Band 18, Seiten 242 bis 251), die psychometrische Ergebnisse aus 25 Ländern berichtet. Zur Validität enthält die FAQ Korrelationen aus einer Stichprobe ostdeutscher Übersiedler von 1989 und 1991; für das Jahr 1989 wird zum Beispiel ein Zusammenhang mit Selbstwert von .51 bei Männern (n = 528) und .59 bei Frauen (n = 380) berichtet, mit Depression von minus .31 bei Männern und minus .44 bei Frauen. Das sind historische Befunde einer speziellen Stichprobe; verwende sie als Beleg für die Konstruktvalidität, nicht als Erwartungswert für deine Daten.
In deiner eigenen Arbeit zählt, was in deiner Stichprobe herauskommt. Berichte Mittelwert, Standardabweichung und Cronbachs Alpha. Wenn du die Itemzahl oder das Antwortformat veränderst, musst du das ausdrücklich nennen und die veränderte Skala als solche behandeln.
Wie schreibst du den Skalenabschnitt im Methodenteil?
Ein Skalenabschnitt braucht nur wenige Sätze, aber jeder Satz hat eine Funktion. Das folgende Muster ist erfunden und zum Anpassen gedacht: „Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde mit der Skala zur Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung von Jerusalem und Schwarzer erfasst (zehn Items, vierstufiges Antwortformat von 1 = stimmt nicht bis 4 = stimmt genau; Quelle: Schwarzer und Jerusalem, 1999). Der Skalenwert wurde als Mittelwert der zehn Items berechnet; ein Skalenwert wurde berechnet, wenn höchstens drei Items fehlten. Die Reliabilität in der vorliegenden Stichprobe wurde über Cronbachs Alpha bestimmt.“ Den berechneten Alpha-Wert ergänzt du erst in der endgültigen Fassung, nachdem du ihn selbst berechnet hast; er gehört nicht in die Planungsphase. Ergänze danach einen Satz zur Nutzungserlaubnis und einen zur Normstichprobe, mit der du vergleichst.
Für die Ergebnisdarstellung hat sich eine kleine Tabelle bewährt: Stichprobe, Anzahl, Mittelwert, Standardabweichung, Cronbachs Alpha. Wenn du mehrere Gruppen vergleichst, ergänze die Teststatistik und die Effektstärke. So sieht der Gutachter sofort, welche Daten du erhoben hast und wie belastbar sie sind.
Wie formulierst du Hypothesen zur Selbstwirksamkeit?
Selbstwirksamkeit kann in Hypothesen als unabhängige Variable (Prädiktor), abhängige Variable, Mediator oder Moderator vorkommen. Zur Begründung brauchst du eine Theorie; bei Selbstwirksamkeit ist das meist Banduras sozial-kognitive Theorie. Beispiele (illustrativ):
- Zusammenhangshypothese: Je höher die allgemeine Selbstwirksamkeit von Studierenden, desto geringer die berichtete Prüfungsangst.
- Unterschiedshypothese: Studierende im Abschlusssemester unterscheiden sich in der Selbstwirksamkeit von Studierenden im ersten Semester.
- Mediationshypothese: Selbstwirksamkeit vermittelt den Zusammenhang zwischen Unterstützung durch Betreuende und Zufriedenheit mit dem Studium.
- Moderationshypothese: Der Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung und Erschöpfung ist bei hoher Selbstwirksamkeit schwächer.
- Veränderungshypothese: Nach einem Training verbessert sich die Selbstwirksamkeit stärker als in einer Kontrollgruppe (Prä-Post-Design).
Zur Frage, wann du Mediation und wann Moderation einsetzt, lies Mediation oder Moderation. Eine weitere Theorie, die häufig mit Selbstwirksamkeit kombiniert wird, ist die Selbstbestimmungstheorie; wie du sie in einer Abschlussarbeit anwendest, beschreibt der Beitrag zur Selbstbestimmungstheorie in der Psychologie-Abschlussarbeit. Allgemeine Hinweise zu sauberen Forschungsfragen findest du in Forschungsfrage und Hypothesen in der Psychologie.
Welche Stichproben und Fachrichtungen eignen sich?
Selbstwirksamkeit wird in vielen Fächern gemessen. In der Psychologie und Pädagogik stehen Lernen und Prüfungssituationen im Vordergrund, in der Pflege und Gesundheitsförderung Selbstmanagement bei Erkrankungen, in der Sozialen Arbeit Beratungs- und Aktivierungsprozesse, im Personalmanagement Veränderungsbereitschaft und Weiterbildung. Für Lehrkräfte gibt es nach Angabe der Autoren eine eigene Skala zur Lehrer-Selbstwirksamkeit; die FAQ verweist auf Schwarzer und Hallum (2008). Wenn dein Fokus auf Lehrerinnen und Lehrern liegt, ist sie meist die bessere Wahl als die allgemeine Skala. Bei gesundheitsspezifischen Fragen verweist die FAQ auf spezifische Selbstwirksamkeitsskalen für Gesundheitsverhalten.
Die Stichprobengröße solltest du nicht nach Faustregel festlegen, sondern über eine Power-Analyse für das gewählte Verfahren begründen. Beachte außerdem, dass Studierendenstichproben meist jünger und homogener sind als die Bevölkerung, was Vergleiche mit Normwerten einschränkt.
Welche Fehler passieren bei der Selbstwirksamkeit häufig?
- Allgemeine und spezifische Selbstwirksamkeit verwechseln: Wer Prüfungsverhalten vorhersagen will, sollte prüfungsbezogene Items verwenden.
- Cut-offs erfinden: „Über 30 Punkten gilt als hoch“ steht in keiner Quelle als verbindliche Grenze; der Autor lehnt feste Cut-offs ab.
- Nur Mittelwerte vergleichen: Gib Streuung und Reliabilität an und nutze, wo möglich, altersgruppen- und geschlechtsspezifische Normwerte.
- Quelle vergessen: Die Nutzungserlaubnis gilt unter der Bedingung der Quellenangabe.
- Kausal interpretieren: Ein Querschnitt zeigt Zusammenhänge, keine Wirkungen.
Wie du aus dem Konstrukt Variablen und Indikatoren ableitest, zeigt der Beitrag zur Operationalisierung von Variablen.
Checkliste für dein Methodenkapitel
- Konstrukt definiert (allgemein oder spezifisch) und mit Bandura begründet.
- Skala mit Autoren, Jahr, Itemzahl, Antwortformat und Quelle genannt.
- Nutzungsbedingungen geprüft und Quelle im Literaturverzeichnis.
- Auswertung festgelegt: Summen- oder Mittelwert, Umgang mit fehlenden Werten.
- Cronbachs Alpha in der eigenen Stichprobe berichtet.
- Normwerte oder Vergleichsdaten mit Quelle und Stichprobenbeschreibung.
- Einschränkungen genannt: Selbstauskunft, Querschnitt, Stichprobe.
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Häufige Fragen zur SWE-Skala und Selbstwirksamkeit in der Bachelorarbeit
Wie viele Items hat die SWE-Skala?
Zehn Items mit vierstufiger Antwortskala (stimmt nicht, stimmt kaum, stimmt eher, stimmt genau). Der Summenwert reicht von 10 bis 40.
Wer hat die Skala entwickelt?
Matthias Jerusalem und Ralf Schwarzer haben sie 1981 erstmals vorgestellt. Als deutsche Quelle nennt der Autor die Dokumentation von Schwarzer und Jerusalem (Hrsg., 1999).
Brauche ich eine Erlaubnis zur Nutzung?
Laut FAQ des Autors nicht, wenn die Quelle in deiner Arbeit korrekt angegeben wird. Zitiere diese Aussage mit Abrufdatum.
Gibt es einen Cut-off für hohe und niedrige Selbstwirksamkeit?
Nein. Der Autor lehnt eine Einteilung nach festen Grenzwerten ab. Wenn du Gruppen brauchst, ist ein Mediansplit in deiner Stichprobe möglich, den du als solchen kennzeichnest.
Wie gehe ich mit fehlenden Werten um?
Als Faustregel nennt der Autor, einen Skalenwert zu berechnen, solange nicht mehr als drei der zehn Items fehlen. Alternativ sind Imputationsverfahren möglich.
Welche Normwerte kann ich verwenden?
Zum Beispiel die T-Normen aus der FAQ der Skala und die bevölkerungsrepräsentative Normierung (Diagnostica 2006). Berücksichtige Alter und Geschlecht und beschreibe die Vergleichsstichprobe.
Wann ist eine spezifische Skala besser?
Wenn du ein bestimmtes Verhalten vorhersagen willst, etwa Lernverhalten oder Gesundheitsverhalten. Dann sind situationsbezogene Items oder eine spezifische Skala meist aussagekräftiger.
Wie viele Teilnehmende brauche ich?
Das hängt vom Verfahren und der erwarteten Effektstärke ab. Begründe die Zahl mit einer Power-Analyse statt mit einer Faustregel.
