Mobilitäts- und Verkehrsdaten für die Abschlussarbeit 2026: MiD 2023, MOP und der MobilityData-Campus

Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Für Abschlussarbeiten zu Verkehr und Mobilität existiert in Deutschland ein sehr großer, kostenfrei zugänglicher Datenbestand — aber die Adresse, unter der er jahrelang verteilt wurde, ist nicht mehr aktiv. Die Daten der aktuellen Studie Mobilität in Deutschland 2023 laufen ausschließlich über den MobilityData-Campus der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Wer eine ältere Literaturliste oder ein Seminarskript benutzt, landet im Leeren.

Was die MiD 2023 ist — und warum ihre Größe für dich relevant ist

„Mobilität in Deutschland“ (MiD) ist eine bundesweite Befragung von Haushalten zu ihrem alltäglichen Verkehrsverhalten. Die Studie wird vom für Verkehr zuständigen Bundesministerium beauftragt; auf den Projektseiten taucht sie sowohl als Projekt des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) als auch, in der aktuellen Kurzfassung, des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) auf — ein Ressortzuschnitt, der sich geändert hat. Zitiere die Bezeichnung, die auf dem von dir verwendeten Bericht steht, statt eine aus dem Gedächtnis zu wählen.

Merkmal MiD 2023
Erhebungszeitraum April 2023 bis Juli 2024
Umfang über 185.000 befragte Haushalte
davon regional finanziert über 140.000 Interviews
Erhebungseinheit Haushalte und die Personen darin, mit ihren Alltagswegen
Datenzugang ausschließlich über den MobilityData-Campus der BASt
Publikationen Ergebnisbericht, Kurzbericht, Tabellenband, Methodenbericht, Bericht zu Small-Area-Schätzungen, Handbuch zur Datennutzung

Die Zahl 185.000 ist beeindruckend, aber die eigentlich entscheidende ist die zweite: Über 140.000 der Interviews werden von regionalen Partnern finanziert. Das bedeutet, dass die MiD keine gleichmäßig über Deutschland verteilte Stichprobe ist, sondern eine bundesweite Basisstichprobe plus regionale Aufstockungen dort, wo ein Land, ein Verkehrsverbund, ein Landkreis oder eine Stadt dafür bezahlt hat.

Drei Stufen des Datenzugangs von frei zugänglich über Nutzungsvereinbarung bis zum geschützten Datensatz
Aggregierte Kennzahlen ohne Antrag, Mikrodaten mit Nutzungsvereinbarung — der Zugangsweg entscheidet über deinen Zeitplan.

Prüfe zuerst, ob deine Region überhaupt in der Stichprobe verstärkt wurde

Die Liste der regionalen Partner ist öffentlich und steht auf den Erhebungsseiten der MiD. Sie umfasst elf Bundesländer mit regionaler Vertiefung — darunter Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Hamburg —, rund zwanzig Verkehrsverbünde und Zweckverbände (HVV, MVV und MVG, RMV, VRR, VRS, VRN, VBN, NWL, ZVM und weitere), mehrere überregionale Verbände wie die Region Stuttgart, den Regionalverband FrankfurtRheinMain und den Regionalverband Ruhr, dazu Landkreise und einzelne Städte von Aachen und Bonn über Freiburg, Fürth, Ingolstadt und Koblenz bis Stuttgart und Wuppertal.

Für deine Themenwahl heißt das ganz praktisch: Steht deine Stadt oder dein Kreis auf dieser Liste, ist eine regionale Auswertung realistisch. Steht sie nicht darauf, hast du nur die Fälle der bundesweiten Basisstichprobe — und die reichen für eine Kreisaussage in der Regel nicht. Diese Prüfung kostet fünf Minuten und rettet ganze Exposés. Die gleiche Logik gilt bei allen amtsnahen Erhebungen; wie du dieselbe Frage für Zensus und Regionaldatenbank klärst, steht im Beitrag zu regionalen Daten.

Weg 1: Kennzahlen ohne Datenantrag — das Tabellentool MiT 2023

Für viele Bachelorarbeiten braucht es gar keine Mikrodaten. Zur MiD 2023 gehört das Auswertungstool MiT 2023 1.0 — Mobilität in Tabellen, gehostet bei der BASt, mit dem sich Verteilungen und Kennzahlen eigenständig erzeugen und nach Excel exportieren lassen. Das ist der schnellste Weg zu belastbaren, zitierfähigen Zahlen: Modal Split, Wegezwecke, Wegelängen, Ausstattung der Haushalte.

Zwei Dinge musst du dabei beachten. Erstens: Was du bekommst, sind aggregierte Ergebnisse. Eine eigene Regression, eine Kreuzvalidierung oder eine Subgruppenanalyse jenseits der angebotenen Gliederungen ist damit nicht möglich. Zweitens: Zitierfähig ist die Quelle nur mit Toolname, Version und Abrufdatum — Version 1.0 ist ausdrücklich als Versionsnummer ausgewiesen, es wird also spätere geben. Für die Frage, welche Fassung einer Quelle in die Arbeit gehört, gilt dieselbe Sorgfalt wie bei Gesetzestexten oder Normen.

Balkendiagramm und Kreissegmente als Sinnbild für aggregierte Mobilitätskennzahlen
Für deskriptive Fragen reicht der Tabellenband oft aus — Mikrodaten brauchst du erst, wenn du selbst modellieren willst.

Weg 2: Mikrodaten über den MobilityData-Campus

Willst du eigene Auswertungen auf Personen- und Wegeebene rechnen, führt der Weg über den MobilityData-Campus der BASt. Der Campus bündelt Informationen und Zugangslinks zu Forschungsdaten rund um Mobilität — neben der MiD 2023 auch die Ergänzungsstudie MiD+, das Tabellentool und den interaktiven Kinderunfallatlas — und verweist für den eigentlichen Bezug auf das Datenportal Mobilithek. Für Rückfragen ist eine eigene Kontaktadresse eingerichtet.

Was du für deine Zeitplanung wissen musst: Ein Datenbezug über ein Forschungsdatenzentrum ist nie ein Download-Klick. Rechne mit einer Registrierung, einer Nutzungsvereinbarung und einer Bearbeitungszeit — und plane den Antrag in die Exposé-Phase, nicht in die Analysephase. Die Mechanik dahinter ist dieselbe wie bei allen deutschen Forschungsdatenzentren; die Unterschiede zwischen frei zugänglichen Files, Scientific Use Files und geschützten Zugängen sind im Beitrag zu Forschungsdatenzentren ausführlich beschrieben, und der Ablauf einer Studierendenbewerbung um Mikrodaten ist am Beispiel der sozialwissenschaftlichen Umfragedaten durchgespielt.

Ein Punkt, den du dir sparen kannst: Das Erhebungsinstitut selbst gibt keine Daten heraus. Auf der MiD-Projektseite steht ausdrücklich, dass infas die MiD-Daten weder direkt bereitstellen noch für Anfragende auswerten kann. Eine E-Mail dorthin kostet nur Zeit.

Das Deutsche Mobilitätspanel (MOP) — abgeschlossen, aber weiter nutzbar

Neben der MiD gibt es eine zweite große Quelle mit einem für Abschlussarbeiten sehr attraktiven Merkmal: Das Deutsche Mobilitätspanel am Karlsruher Institut für Technologie war eine Längsschnittstudie, also eine wiederholte Befragung derselben Haushalte. Es lief von 1994 bis 2022 und wurde nach dreißig Jahren zum 31. Januar 2024 abgeschlossen. Die Daten können auch nach Projektende bei der BASt über den MobilityData-Campus bestellt werden.

Ein abgeschlossenes Panel ist für eine Abschlussarbeit kein Nachteil, sondern oft ein Vorteil: Der Datenbestand ist vollständig, dokumentiert und stabil, und eine Zeitreihe über knapp drei Jahrzehnte erlaubt Fragestellungen, die eine Querschnittserhebung nicht hergibt — etwa nach der Entwicklung der Pkw-Verfügbarkeit oder des Radverkehrsanteils über Kohorten hinweg. Was du dafür sauber trennen musst, ist die Frage, welchen Zeitraum du überhaupt beschreibst; das Panel endet 2022 und enthält damit die Jahre danach nicht. Ein Satz zur Aktualitätsgrenze gehört in die Limitationen.

Die tote Adresse: warum die Clearingstelle-Verkehr-URL nicht mehr funktioniert

In älteren Methodenskripten, Literaturlisten und Onlineverweisen steht als Bezugsstelle für Verkehrsdaten die Clearingstelle Verkehr. Am 18. August 2026 geprüft: Die Domain daten.clearingstelle-verkehr.de antwortet mit einer Weiterleitung auf eine kommerzielle Domain-Handelsplattform, nicht auf ein Datenportal. Auch die Projektseite der MiD verlinkt sie nicht mehr; verlinkt ist stattdessen der MobilityData-Campus der BASt sowie, als wissenschaftlicher Partner, das DLR-Institut für Verkehrsforschung.

Was daraus folgt, ist eine Methode, keine Meldung: Prüfe jede Datenzugangs-URL selbst, bevor du sie in dein Exposé schreibst. Datenportale werden konsolidiert, Zuständigkeiten wandern zwischen Bundesanstalten, und Sekundärquellen ziehen erst Jahre später nach. Eine im Exposé genannte, tatsächlich tote Bezugsquelle ist eine der wenigen Stellen, an denen eine Betreuerin sofort merkt, dass die Machbarkeit nicht geprüft wurde.

Welche Fragen sich mit Mobilitätsdaten gut bearbeiten lassen

  • Modal Split nach sozialer Lage — der Zusammenhang zwischen Haushaltseinkommen, Pkw-Verfügbarkeit und dem Anteil der Wege im Umweltverbund. Ein klassischer Zusammenhangsbefund, für den sich eine Korrelations- oder Regressionsanalyse anbietet.
  • Erreichbarkeit im ländlichen Raum — Wegelängen und Zeitaufwand nach Raumtyp, ergänzt um eigene Kartierungen aus offenen Geodaten.
  • Mobilität und Umweltbelastung — die Verknüpfung von Wegedaten mit Emissionsfaktoren aus den Umwelt- und Energiedatenportalen.
  • Vergleich zweier Erhebungsjahre — MiD 2017 gegen MiD 2023, mit dem methodischen Vorbehalt, dass sich Erhebungsdesign und Fragebogen zwischen den Wellen ändern können. Prüfe das im Methodenbericht, bevor du eine Differenz interpretierst.

Was im Methodenteil stehen muss

Bei jeder Nutzung amtsnaher Erhebungsdaten gehören vier Angaben in die Arbeit: die genaue Datenquelle mit Erhebungsjahr und Version, der Bezugsweg mit Datum, die verwendeten Gewichte — Erhebungen mit regionaler Aufstockung sind ohne Designgewichtung nicht repräsentativ auszuwerten — und die Fallzahl, auf der deine konkrete Auswertung beruht, nicht die Gesamtfallzahl der Studie. Wenn du diese vier Zeilen sauber hinschreibst, hast du zugleich die halbe Grundlage für einen Datenmanagementplan, sofern deine Hochschule einen verlangt. Wie du eine Sekundäranalyse insgesamt aufbaust, steht im Beitrag zur Sekundäranalyse.

Häufige Fragen

Kostet der Zugang zu MiD-Daten etwas?

Der Bezug über die öffentlichen Stellen ist auf wissenschaftliche Nutzung ausgerichtet; das Tabellentool ist ohne Antrag zugänglich. Kläre die konkreten Bedingungen für Mikrodaten direkt beim MobilityData-Campus, bevor du planst — die Konditionen ändern sich schneller als jede Sekundärquelle.

Reicht eine Bachelorarbeit als Begründung für einen Datenantrag?

In der Regel ja, wenn die Arbeit an einer Hochschule betreut wird. Erwartet wird meist eine Beteiligung oder Mitzeichnung der betreuenden Person — plane das rechtzeitig ein, weil es eine Unterschrift und damit einen Termin bedeutet.

Kann ich MiD-Daten mit eigenen Erhebungsdaten kombinieren?

Auf Aggregatebene ja: Du kannst deine eigene Stichprobe an den bundesweiten Verteilungen spiegeln und so ihre Verzerrung einschätzen. Eine Verknüpfung auf Fallebene ist nicht möglich und auch nicht erlaubt.

Was ist der Unterschied zwischen MiD und MOP?

Die MiD ist eine sehr große Querschnittserhebung mit regionaler Tiefe, das MOP war ein kleineres, aber wiederholtes Panel derselben Haushalte. Querschnitt heißt Breite, Panel heißt Veränderung über die Zeit — die Wahl folgt deiner Forschungsfrage, nicht der Datenmenge.

Wie zitiere ich Daten aus einem Tabellentool?

Mit Herausgeber, Toolname, Versionsnummer, der konkreten Tabellenauswahl und dem Abrufdatum. Ein Screenshot allein ist keine Quellenangabe.

Und wenn meine Region nicht in der Aufstockung enthalten ist?

Dann verschiebe die Analyseebene nach oben — auf den Regierungsbezirk, den Raumtyp oder das Bundesland — statt eine Kreisaussage auf zu wenigen Fällen zu treffen. Alternativ eignet sich eine eigene kleine Erhebung, die du an den bundesweiten Kennzahlen einordnest. Wie du die Frage entsprechend zuschneidest, zeigt der Leitfaden zur Forschungsfrage.

Fazit

Mobilitätsdaten gehören zu den am besten erschlossenen und zugleich am schlechtesten dokumentierten Beständen für studentische Arbeiten — nicht weil die Daten fehlten, sondern weil die kursierenden Zugangsadressen veraltet sind. Der aktuelle Weg führt über den MobilityData-Campus der BASt: das Tabellentool für deskriptive Fragen ohne Antrag, das Mobilithek-Portal für Mikrodaten mit Antrag. Prüfe vorher die Liste der regionalen Partner, plane den Antrag in die Exposé-Phase und schreibe Quelle, Version, Gewichtung und Fallzahl in den Methodenteil. Damit hast du eine empirische Basis, die keine eigene Erhebung erreicht.

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