Chicago Zitierweise: Vollständige Anleitung mit Beispielen für alle Quellentypen 2026

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Chicago Zitierweise: Vollständige Anleitung mit Beispielen für alle Quellentypen 2026

Die Chicago Zitierweise ist in den Geistes- und Kulturwissenschaften an deutschen Hochschulen weit verbreitet — besonders in Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft. Das Chicago Manual of Style (aktuell: 17. Auflage) bietet dabei zwei Systeme an, die unterschiedliche Einsatzbereiche haben.

Diese Anleitung erklärt beide Systeme mit vollständigen Beispielen, zeigt Sonderregeln und hilft dir, die richtige Entscheidung für deine Fachrichtung zu treffen.

Kurze Antwort: Chicago bietet zwei Systeme: Notes-Bibliography (Fußnoten + Bibliographie — für Geistes- und Kulturwissenschaften) und Author-Date (Kurzbelege im Text + Literaturverzeichnis — für Sozial- und Naturwissenschaften). In Deutschland wird Notes-Bibliography häufiger verlangt. Prüfe immer die spezifischen Vorgaben deines Seminars.

Die zwei Chicago-Systeme

Das Chicago Manual of Style unterscheidet zwei Dokumentationssysteme mit unterschiedlicher Zielsetzung:

  • Notes-Bibliography (NB): Fußnoten oder Endnoten + vollständige Bibliographie am Ende. Standardsystem für Geistes- und Kulturwissenschaften.
  • Author-Date (AD): Kurzbelege im Text (Nachname Jahr:Seite) + Literaturverzeichnis. Häufig in Sozial- und Naturwissenschaften.

System 1: Notes-Bibliography

Fußnoten-Format

Beim Erstbeleg wird die vollständige Angabe gesetzt. Folgebelege können gekürzt werden:

  • Erstbeleg Monographie: Vorname Nachname, Titel: Untertitel (Erscheinungsort: Verlag, Jahr), Seite.
  • Folgebeleg: Nachname, Kurztitel, Seite.
  • Folgebeleg (unmittelbar folgend): Ebd., Seite.

Bibliographie-Format

In der Bibliographie wird Nachname vorangestellt und durch Komma abgetrennt:

  • Monographie: Nachname, Vorname. Titel: Untertitel. Erscheinungsort: Verlag, Jahr.
  • Aufsatz in Sammelband: Nachname, Vorname. “Titel des Aufsatzes.” In Titel des Sammelbandes, hrsg. von Vorname Nachname, Seiten. Erscheinungsort: Verlag, Jahr.

System 2: Author-Date

Kurzbeleg im Text

Der Kurzbeleg steht in runden Klammern unmittelbar nach dem Zitat oder Verweis:

  • Einzel-Autor: (Müller 2024, 45)
  • Zwei Autoren: (Müller und Schmidt 2024, 45)
  • Drei oder mehr Autoren: (Müller et al. 2024, 45)

Literaturverzeichnis-Format

  • Monographie: Nachname, Vorname. Jahr. Titel: Untertitel. Erscheinungsort: Verlag.
  • Zeitschriftenartikel: Nachname, Vorname. Jahr. “Titel des Artikels.” Zeitschrift Band (Heft): Seiten. DOI.

Beispiele nach Quellentyp

Monographie (NB-System)

Fußnote: Max Mustermann, Geschichte der deutschen Literatur: Von 1900 bis heute (München: Beck, 2023), 142.

Bibliographie: Mustermann, Max. Geschichte der deutschen Literatur: Von 1900 bis heute. München: Beck, 2023.

Aufsatz in Fachzeitschrift (NB-System)

Fußnote: Maria Beispiel, “Diskursanalyse in der Geschichtswissenschaft,” Historische Zeitschrift 310, Nr. 2 (2023): 415–438, hier 420.

Bibliographie: Beispiel, Maria. “Diskursanalyse in der Geschichtswissenschaft.” Historische Zeitschrift 310, Nr. 2 (2023): 415–438.

Onlinequelle (NB-System)

Fußnote: Bundeszentrale für politische Bildung, “Demokratie und Grundgesetz,” zuletzt geändert 15. März 2024, https://www.bpb.de/…

Bibliographie: Bundeszentrale für politische Bildung. “Demokratie und Grundgesetz.” Zuletzt geändert 15. März 2024. https://www.bpb.de/…

Zum Vergleich mit anderen Zitierstilen: Harvard Zitierweise: Vollständige Regeln, Varianten und Beispiele 2026

Für den APA-Stil: APA zitieren: Der vollständige Leitfaden mit Beispielen 2026

Literaturverzeichnis automatisch erstellen: Literaturverzeichnis APA erstellen: Vollständige Anleitung 2026

Sonderregeln

Mehrere Werke desselben Autors

Im Literaturverzeichnis werden mehrere Werke desselben Autors chronologisch geordnet. Ab dem zweiten Eintrag ersetzt ein langer Gedankenstrich (—) den Autorennamen.

Werke ohne Autor

Bei anonymen Werken wird der Titel alphabetisch eingeordnet. Im Fußnotenbeleg wird ebenfalls der (ggf. gekürzte) Titel verwendet.

Übersetzungen

Muster: Originalautor, Originaltitel, übers. von Vorname Nachname (Erscheinungsort: Verlag, Jahr), Seite.

Wichtig: Deutsche Hochschulen verwenden Chicago häufig in modifizierter Form. Historische Institute haben oft eigene Leitfäden, die vom Chicago Manual abweichen. Prüfe immer die seminarbezogenen Vorgaben deines Lehrstuhls.

Häufige Fragen

Welches Chicago-System soll ich verwenden?

Das hängt von deiner Fachrichtung ab. Geistes- und Kulturwissenschaften (Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft) verwenden typischerweise Notes-Bibliography. Sozialwissenschaften eher Author-Date. Im Zweifel: den Betreuer fragen.

Was ist der Unterschied zwischen Chicago und Harvard?

Chicago Notes-Bibliography arbeitet mit Fußnoten, Harvard mit Kurzbelegen im Text (Nachname Jahr:Seite). Chicago Author-Date ist Harvard sehr ähnlich, aber nicht identisch — die genaue Formatierung unterscheidet sich. Chicago ist durch das Chicago Manual of Style fest standardisiert, Harvard ist weniger einheitlich.

Wie kürze ich lange Fußnotennachweise ab?

Beim zweiten und weiteren Verweis auf dieselbe Quelle genügt: Nachname, Kurztitel, Seite. Wenn die Quelle unmittelbar zuvor zitiert wurde: Ebd. (= Ebenda), Seite. Das früher gebräuchliche “a.a.O.” und “op. cit.” werden im modernen Chicago-Stil nicht mehr empfohlen.

Gibt es ein kostenloses Tool für Chicago-Zitation?

Ja, mehrere: Zotero unterstützt Chicago-Stile kostenlos und hat ein Word-Plugin. Auch Tesify integriert Zitierstile für akademische Arbeiten. Online-Generatoren wie MyBib.com bieten schnelle Einzelzitationen.

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