Wie führt man ein wissenschaftliches Interview für die Bachelorarbeit: Schritt-für-Schritt-Anleitung 2026
Das wissenschaftliche Interview ist eine der häufigsten qualitativen Methoden in Bachelorarbeiten der Sozialwissenschaften, Pädagogik, Psychologie und Wirtschaft. Wer ein wissenschaftliches Interview Bachelorarbeit planen und durchführen möchte, stellt schnell fest: Es geht weit über ein einfaches Gespräch hinaus. Von der Stichprobenauswahl über den Interviewleitfaden bis zur ethischen Einwilligungserklärung — jeder Schritt muss methodisch durchdacht sein.
An der Humboldt-Universität Berlin und der LMU München gehört das qualitative Interview zu den am häufigsten eingesetzten Methoden in sozialwissenschaftlichen Bachelorarbeiten. Fehler in der Durchführung oder Auswertung sind ein häufiger Grund für Abzüge in der Methodenbewertung. Diese Anleitung führt dich durch alle acht Schritte.
Interviewtypen im Überblick
| Interviewtyp | Struktur | Wann geeignet |
|---|---|---|
| Leitfadeninterview | Halbstrukturiert | Standardfall in BA-Arbeiten, flexibel + strukturiert |
| Experteninterview | Halbstrukturiert | Wenn Fachwissen einer Person erhoben werden soll |
| Narratives Interview | Unstrukturiert | Biographische Forschung, Lebensweltanalyse |
| Strukturiertes Interview | Vollständig strukturiert | Wenn Vergleichbarkeit wichtig ist, nah am Fragebogen |
| Fokusgruppe | Gruppendiskussion | Wenn Gruppenmeinungen und Dynamiken interessieren |
Schritt 1: Forschungsfrage und Interviewziel klären
Bevor du einen einzigen Satz für deinen Leitfaden schreibst, musst du klar haben: Was soll das Interview leisten? Welche Informationen brauchst du, die du durch andere Methoden nicht erheben kannst? Das Interview eignet sich besonders gut, um subjektive Erfahrungen, Meinungen, Deutungsmuster und Handlungsmotive zu erfassen.
Wenn du dich noch mit der Formulierung deiner Forschungsfrage abmühst, empfehlen wir unsere Anleitung zur Forschungsfrage formulieren.
Schritt 2: Interviewtyp wählen
Für Bachelorarbeiten ist das halbstrukturierte Leitfadeninterview in der Regel die beste Wahl. Es bietet genug Freiheit, um unerwarteten Themen zu folgen, und genug Struktur, um die Interviews später miteinander vergleichen zu können. Das Experteninterview bietet sich an, wenn deine Forschungsfrage das Fachwissen einer bestimmten Berufsgruppe betrifft.
Schritt 3: Stichprobe und Sampling-Strategie
In qualitativen Bachelorarbeiten werden typischerweise 6–15 Interviews geführt. Die Stichprobengröße richtet sich nicht nach statistischer Repräsentativität, sondern nach dem Prinzip der theoretischen Sättigung: Führe so lange Interviews, bis keine neuen Erkenntnisse mehr auftauchen.
Gängige Sampling-Strategien sind:
- Purposeful Sampling: Teilnehmer werden gezielt nach bestimmten Kriterien ausgewählt
- Snowball Sampling: Erste Teilnehmer empfehlen weitere
- Theoretical Sampling (Grounded Theory): Sampling und Auswertung laufen parallel
Schritt 4: Interviewleitfaden erstellen
Ein Leitfadeninterview verwendet offene Fragen, die nicht mit Ja/Nein beantwortet werden können. Der Leitfaden gliedert sich typischerweise in:
- Warm-up: Einleitungsfrage zur Lockerung (“Erzählen Sie mir von Ihrem Alltag als…”)
- Kernfragen: Die 4–7 zentralen Fragen, die direkt auf deine Forschungsfrage abzielen
- Nachfragen: Sonden wie “Können Sie das genauer beschreiben?” oder “Was meinen Sie damit?”
- Abschluss: Raum für Ergänzungen (“Gibt es noch etwas, das Ihnen wichtig erscheint?”)
Schritt 5: Ethik und Einwilligungserklärung
Jede Person, die du interviewst, muss vor dem Interview eine informierte Einwilligung geben. Diese regelt: das Ziel der Forschung, wie die Daten verwendet werden, das Recht auf Anonymität und das Recht, das Interview jederzeit abzubrechen.
Bei sensiblen Themen (Gesundheit, Traumata, Minderjährige) benötigst du ggf. zusätzlich eine Ethikkommissionsgenehmigung deiner Hochschule. Frage bei deiner Betreuungsperson nach.
Schritt 6: Interview durchführen und aufnehmen
Nimm das Interview mit ausdrücklichem Einverständnis der befragten Person auf — per Smartphone oder Aufnahmegerät. Führe das Interview in einer ruhigen, privaten Umgebung durch. Stelle sicher, dass du den Leitfaden kennst, aber halte das Gespräch natürlich: folge interessanten Aussagen auch außerhalb des Leitfadens, wenn sie relevant erscheinen.
Schritt 7: Transkription
Transkribiere das Interview so bald wie möglich nach der Aufnahme. Es gibt verschiedene Transkriptionssysteme — für Bachelorarbeiten reicht in der Regel eine einfache inhaltlich-semantische Transkription, die Worte, Pausen und wichtige nonverbale Äußerungen erfasst.
Anonymisiere alle Personennamen und identifizierenden Merkmale bereits während der Transkription.
Schritt 8: Auswertung mit qualitativer Inhaltsanalyse
Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ist die am weitesten verbreitete Auswertungsmethode für Leitfadeninterviews in deutschsprachigen Bachelorarbeiten. Sie folgt einem systematischen Kategoriensystem, das induktiv aus dem Material oder deduktiv aus der Theorie entwickelt wird.
Für einen vollständigen Überblick über qualitative und quantitative Methoden empfehlen wir unsere Anleitung zur qualitativen Forschung in der Bachelorarbeit. Schau auch in unseren Artikel über das Interview in der Bachelorarbeit für noch tiefergehende Tipps.
Häufige Fehler beim wissenschaftlichen Interview
- Keine Einwilligungserklärung: Ein Interview ohne schriftliche Einwilligung ist nicht verwendbar.
- Geschlossene Fragen im Leitfaden: Fragen, die mit Ja/Nein beantwortet werden können, erzeugen keine auswertbaren qualitativen Daten.
- Zu viele Interviews, zu wenig Tiefe: Lieber 8 ausführliche Interviews als 20 oberflächliche.
- Keine Anonymisierung: Personenbezogene Daten müssen geschützt werden.
- Leitfaden zu starr befolgt: Ein guter Interviewer weicht vom Leitfaden ab, wenn sich ein wichtiges Thema ergibt.
FAQ: Wissenschaftliches Interview in der Bachelorarbeit
Wie viele Interviews braucht man für eine Bachelorarbeit?
Für qualitative Bachelorarbeiten werden typischerweise 6–15 Interviews empfohlen. Die genaue Anzahl hängt von der Forschungsfrage, dem Umfang der Arbeit und dem Prinzip der theoretischen Sättigung ab. Sprich die geplante Stichprobengröße mit deiner Betreuungsperson ab.
Muss ich Interviews in meiner Bachelorarbeit transkribieren?
Ja, in der Regel müssen Interviews vollständig transkribiert und als Anhang beigefügt werden. Dies sichert die Transparenz und Nachvollziehbarkeit deiner Auswertung. Stimme mit deiner Betreuungsperson ab, ob Auszüge ausreichen oder vollständige Transkripte erforderlich sind.
Wie lang dauert ein Interview für die Bachelorarbeit?
Ein Leitfadeninterview für die Bachelorarbeit dauert typischerweise 30–60 Minuten. Experteninterviews können auch kürzer sein (20–30 Minuten). Narrative Interviews können bis zu 2 Stunden dauern.
Darf ich Interviews per Video-Call führen?
Ja, Interviews per Zoom, Teams oder ähnlichen Plattformen sind wissenschaftlich anerkannt und in Bachelorarbeiten weit verbreitet. Weise im Methodenteil auf den Video-Call-Kontext hin und reflektiere kurz mögliche Einschränkungen (z.B. fehlende Körpersprache).
Muss ich einen Pretest durchführen?
Ein Pretest (Probeinterview mit einer Person, die nicht zur eigentlichen Stichprobe gehört) wird empfohlen, ist aber nicht zwingend vorgeschrieben. Er hilft, Verständnisfragen im Leitfaden zu erkennen und die Durchführungsdauer zu testen.
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