Paraphrasieren im akademischen Schreiben: Techniken und Beispiele (2026)
Paraphrasieren ist eine der wichtigsten Techniken im akademischen Schreiben — und eine der am meisten missverstandenen. Viele Studierende glauben, es reiche aus, einzelne Wörter auszutauschen oder Sätze umzustellen, um ein Zitat in eine Paraphrase zu verwandeln. Das ist falsch: Eine solche “near copy” gilt in vielen Hochschulen als Plagiat, auch wenn eine Quellenangabe vorhanden ist.
Korrektes akademisches Paraphrasieren bedeutet, den Inhalt einer Quelle vollständig in eigenen Worten wiederzugeben — mit vollständigem Verständnis des Originals und mit einer korrekten Quellenangabe. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie das geht, mit konkreten Beispielen und einer Übersicht häufiger Fehler.
Was ist eine Paraphrase?
Eine Paraphrase ist die sinngetreue Wiedergabe eines fremden Gedankens in eigenen Worten. Sie unterscheidet sich vom direkten Zitat (wörtliche Übernahme) und von der Zusammenfassung (inhaltliche Verdichtung auf das Wesentliche). In Abschlussarbeiten ist der Großteil der Quellenarbeit paraphrasierend: Du nimmst die Argumentation anderer Autoren auf, integrierst sie in deinen eigenen Gedankengang und belegst sie korrekt.
Das Ziel einer guten Paraphrase ist nicht, die Quelle zu verstecken, sondern den Inhalt in deinen eigenen wissenschaftlichen Stil zu integrieren. Dabei bleibt die Quellenangabe immer Pflicht.
Paraphrasiertechniken Schritt für Schritt
Schritt 1: Text lesen und verstehen
Lies die Originalstelle vollständig und lege sie dann zur Seite. Schreibe auf, was du verstanden hast — ohne das Original vor Augen. Das verhindert unbewusstes Abschreiben.
Schritt 2: Syntaxveränderung
Verändere die Satzstruktur. Wenn das Original aktiv formuliert ist, schreibe passiv — oder umgekehrt. Wenn das Original aus einem langen Hauptsatz besteht, teile ihn in zwei kürzere Sätze auf.
Schritt 3: Vokabularveränderung
Ersetze Schlüsselbegriffe durch Synonyme — aber nur, wenn die Bedeutung vollständig erhalten bleibt. Fachbegriffe, die keine sinnvollen Synonyme haben, darf man beibehalten (z.B. “epistemologisch”, “Triangulation”).
Schritt 4: Perspektivenwechsel
Wenn das Original aus der Ich-Perspektive des Autors geschrieben ist, formuliere in der dritten Person: “Müller (2022) argumentiert, dass…”
Schritt 5: Vergleichen und korrigieren
Vergleiche deine Paraphrase mit dem Original. Sind mindestens 80 % der Formulierungen vollständig anders? Bleibt die Bedeutung erhalten? Ist die Quellenangabe korrekt?
Vor und nach: Paraphrase-Beispiele
Beispiel 1 — Mangelhaft (Near Copy)
Beispiel 1 — Korrekt
Beispiel 2 — Korrekte Einbettung
Häufige Fehler beim Paraphrasieren
- Mosaikhaftes Paraphrasieren: Einzelne Wörter werden durch Synonyme ersetzt, die Satzstruktur bleibt identisch. Das gilt als Plagiat.
- Fehlende Quellenangabe: Auch eine korrekte Paraphrase muss belegt werden — ohne Beleg ist es ein Plagiat.
- Sinnentstellt paraphrasieren: Der Inhalt der Quelle wird verändert oder übertrieben vereinfacht. Das ist eine inhaltliche Verfälschung.
- Zu viele Paraphrasen hintereinander: Eine Arbeit, die nur Paraphrasen aneinanderreiht ohne eigene Argumentation, fehlt die analytische Eigenleistung.
- KI-Umschreibung ohne kritische Prüfung: KI-Tools (z.B. QuillBot) können beim Umformulieren helfen, erzeugen aber manchmal sinnverfremdende Paraphrasen. Immer eigenständig prüfen.
Quellenangabe bei Paraphrasen
Paraphrasen müssen immer mit einer Quellenangabe versehen werden. Das Format hängt vom verwendeten Zitierstil ab:
- APA 7: (Fischer, 2021) oder (Fischer, 2021, S. 34) — Seitenangabe bei Paraphrasen optional, aber empfohlen
- Chicago/Turabian: Fußnote mit vollständiger Quellenangabe
- Harvard: (Fischer 2021: 34) — Doppelpunkt statt Komma vor Seitenzahl
- MLA: (Fischer 34) — kein Komma zwischen Autor und Seitenzahl
Weiterführende Informationen zur richtigen Quellenangabe findest du in unserem Artikel zu den Zitierregeln nach APA 7. Auf Tesify.fr gibt es entsprechende Ressourcen auf Französisch; Tesify.app bietet englischsprachige Zitierleitfäden.
FAQ zum Paraphrasieren
Ist eine Paraphrase besser als ein direktes Zitat?
In den meisten Fachrichtungen sind Paraphrasen direkten Zitaten vorzuziehen, weil sie zeigen, dass du die Quelle eigenständig verstanden und verarbeitet hast. Direkte Zitate sind sinnvoll, wenn die genaue Formulierung des Originals entscheidend ist (z.B. bei Definitionen, Gesetzen oder besonders prägnanten Formulierungen).
Kann ich KI-Tools zum Paraphrasieren verwenden?
KI-Tools wie QuillBot können als Hilfsmittel dienen, aber nicht als Ersatz für eigenständiges Paraphrasieren. Das Ergebnis muss immer eigenständig überprüft und angepasst werden. Außerdem müssen die Regeln deiner Hochschule zum Einsatz von KI-Tools beachtet werden — viele verlangen eine Deklarationspflicht.
Muss ich bei einer Paraphrase die Seitenzahl angeben?
Das hängt vom Zitierstil ab. In APA 7 ist die Seitenangabe bei Paraphrasen optional, aber empfohlen. In anderen Stilen (Chicago, Harvard) ist sie häufig verpflichtend. Generell gilt: Seitenangaben machen deine Arbeit nachvollziehbarer und verbessern die wissenschaftliche Qualität.
Wie erkenne ich, ob meine Paraphrase als Plagiat gilt?
Eine Paraphrase gilt als Plagiat, wenn: (1) keine Quellenangabe vorhanden ist, (2) die Formulierung zu stark dem Original ähnelt (Near Copy), oder (3) die Satzstruktur des Originals beibehalten wird und nur einzelne Wörter ersetzt wurden. Plagiatsprüfungstools wie Turnitin oder die integrierte Prüfung in Tesify helfen, problematische Passagen zu erkennen.
Plagiatsfrei schreiben mit Tesify
Tesify bietet integrierte Plagiatsprüfung und Schreibunterstützung — damit deine Paraphrasen immer korrekt und plagiatsfrei sind.




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