Fernstudium in Deutschland 2026: Zahlen, Wachstum und Abbruchquoten im Statistik-Überblick
Über 250.000 Menschen in Deutschland studieren, ohne regelmäßig einen Hörsaal zu betreten — das entspricht rund neun Prozent aller Studierenden und einem Anteil, der sich innerhalb von weniger als zwei Jahrzehnten fast vervierfacht hat. Die Fernstudium Deutschland Statistik 2026 zeigt eine bemerkenswerte Wachstumskurve: Trieben zu Beginn vor allem die staatliche FernUniversität in Hagen das Segment an, hat sich das Feld inzwischen grundlegend verändert — private Anbieter stellen heute den Löwenanteil der Studienplätze, und die Abbruchquoten klaffen zwischen Institutionstypen erheblich auseinander.
Dieser Artikel bündelt alle zitierfähigen Schlüsselzahlen aus belegten Quellen: Studierendenzahlen nach Hochschultyp, Wachstumskurven seit 2006, das demografische Profil der Fernstudierenden sowie eine differenzierte Betrachtung der Abbruchquoten — ausschließlich auf Basis von Destatis, dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung, DZHW-Studien und offiziellen Hochschulstatistiken.
Aktuelle Zahlen: Wie viele Studierende studieren auf Distanz?
Laut Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung auf Basis von Destatis-Daten waren im Wintersemester 2022/23 mehr als 250.000 Personen in einem Fernstudiengang an deutschen Hochschulen eingeschrieben — rund neun Prozent aller Studierenden (CHE, Beiträge zur Hochschulforschung 02/2024). Als Vergleichsgröße: Im Wintersemester 2025/26 waren laut Statistischem Bundesamt insgesamt 2.876.900 Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben, ein Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Destatis, Pressemitteilung November 2025).
Damit ist Fernstudium längst kein Nischensegment mehr. Rund jedes zwanzigste Studienangebot in Deutschland kann vollständig auf Distanz absolviert werden. Das CHE verzeichnete für WS 2022/23 insgesamt 1.006 Fernstudiumsprogramme an deutschen Hochschulen — eine Verdichtung, die vor allem die steigende Nachfrage Berufstätiger widerspiegelt, die eine ortsunabhängige und zeitlich flexible Qualifizierung suchen.
Einen umfassenden Blick auf das Gesamtsystem, in das das Fernstudium eingebettet ist, bieten die Statistiken und Strukturdaten des deutschen Hochschulsystems 2026 auf tesify.io.
Wachstum seit 2006: Von 68.000 auf über 250.000
Die Wachstumskurve des Fernstudiums in Deutschland ist bemerkenswert steil. Laut CHE-Auswertung von Destatis-Daten waren im Wintersemester 2006/07 noch rund 68.000 Personen als Fernstudierende eingeschrieben. Bis 2016 hatte sich diese Zahl auf rund 164.000 mehr als verdoppelt. Im Wintersemester 2022/23 wurden schließlich über 250.000 Fernstudierende gezählt — eine Annäherung an die Vervierfachung innerhalb von 16 Jahren (CHE / Marc Hüsch, Beiträge zur Hochschulforschung 02/2024).
| Wintersemester | Fernstudierende | Veränderung ggü. 2006/07 |
|---|---|---|
| 2006/07 | ~68.000 | — Basiswert |
| 2016/17 | ~164.000 | +141 % |
| 2022/23 | >250.000 | +268 % |

Als Wachstumstreiber gelten drei Faktoren: die Digitalisierung der Lehre, die COVID-19-Pandemie als struktureller Akzelerator sowie die rasante Ausweitung des Programmangebots privater Anbieter. Allein die IU Internationale Hochschule hat die Zahl ihrer Studienprogramme von knapp 50 im Jahr 2016 auf über 250 im Jahr 2024 gesteigert. Das signalisiert eine strategische Entscheidung der privaten Branche, das Segment Fernstudium als Wachstumsmarkt zu erschließen — während staatliche Hochschulen vergleichsweise wenige neue Distanzformate aufgebaut haben.
Die größten Anbieter im Vergleich: FernUni Hagen, IU und die Konkurrenz
Mehr als die Hälfte aller Fernstudierenden in Deutschland konzentriert sich auf nur zwei Hochschulen. Stand Wintersemester 2022/23 (CHE-Auswertung):
- IU Internationale Hochschule (Erfurt, privat): 76.279 Fernstudierende — rund ein Drittel aller Fernstudierenden in Deutschland. Für 2025 meldete die IU insgesamt über 130.000 eingeschriebene Studierende, davon über 80 Prozent im Online- oder Blended-Format.
- FernUniversität in Hagen (staatlich, Nordrhein-Westfalen): 62.633 Fernstudierende im WS 2022/23. Für 2025 weist die FernUni offizielle Zahlen von 78.684 eingeschriebenen Studierenden aus, davon 77.540 aktiv (FernUniversität in Hagen, Zahlen und Fakten, Stand 2025).
Die übrigen Fernstudierenden verteilen sich auf eine zweistellige Zahl weiterer Hochschulen, darunter die AKAD University, die Hamburger Fern-Hochschule (HFH), die SRH Fernhochschule und die Wilhelm Büchner Hochschule. Keiner dieser Anbieter erreicht annähernd die Skaleneffekte von IU und FernUni Hagen.
Fernstudium nach Hochschultyp: Privat vs. Staatlich
Die Trägerschaftsstruktur des Fernstudienmarkts unterscheidet sich fundamental vom restlichen Hochschulsystem. Laut CHE-Auswertung (2024) werden über zwei Drittel aller Fernstudiumsprogramme in Deutschland von privaten Hochschulen angeboten. Knapp ein Drittel entfällt auf staatliche Hochschulen, knapp ein Prozent auf kirchliche Träger.
Beim Anteil der eingeschriebenen Studierenden zeichnet sich ein ähnliches Bild: Im Wintersemester 2021/22 waren 57,6 Prozent der Fernstudierenden an privaten Hochschulen eingeschrieben (Destatis). Das steht in einem auffälligen Kontrast zum Gesamthochschulsystem: Dort stellten private Hochschulen im Wintersemester 2023/24 lediglich 13 Prozent aller Studierenden — 372.887 von insgesamt rund 2,87 Millionen (Destatis, Oktober 2023).
Die Fächerverteilung im Fernstudium ist stark auf Wirtschaft und Verwaltung konzentriert: 355 der 1.006 Fernstudienprogramme — 35 Prozent — decken Wirtschafts- und Betriebswirtschaftswissenschaften ab (CHE 2024). Am unteren Ende stehen bautechnische Fächer mit nur 15 Programmen. Das zeigt strukturelle Grenzen: Labor- und praxisorientierte Fächer lassen sich im reinen Fernformat kaum akkreditieren.
Wer studiert auf Distanz? Das demografische Profil der Fernstudierenden
Das demografische Profil von Fernstudierenden weicht erheblich vom Durchschnittsstudierenden an einer Präsenzhochschule ab. Die FernUniversität in Hagen veröffentlicht als einzige staatliche Fernhochschule einen detaillierten öffentlich zugänglichen Datensatz (FernUniversität in Hagen, Zahlen und Fakten, Stand 2025):
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Eingeschriebene Studierende gesamt | 78.684 |
| Davon aktiv (ohne Beurlaubte) | 77.540 |
| Durchschnittsalter | 37,9 Jahre |
| Berufstätig | 75 % |
| Frauenanteil | 47,9 % |
| Mit Vorabschluss | 54 % |
| Beruflich Qualifizierte ohne klassische HZB | 13,2 % |
Das Durchschnittsalter von 37,9 Jahren — verglichen mit etwa 23–24 Jahren bei Ersteinschreibungen an typischen Präsenzhochschulen — macht deutlich, dass das Fernstudium vor allem von Menschen in Lebensphasen gewählt wird, in denen ein Vollzeitstudium nicht praktikabel ist: Berufstätige in Weiterqualifizierung, Eltern mit Betreuungspflichten oder Personen in einer beruflichen Umorientierung.
Besonders aufschlussreich ist der Anteil von 54 Prozent Studierenden mit Vorabschluss: Für sie ist das Fernstudium häufig ein Zweit- oder Weiterbildungsstudium, keine Erstqualifizierung. Die 13,2 Prozent beruflich Qualifizierter ohne traditionelle Hochschulzugangsberechtigung (HZB) zeigen zudem das Bildungsöffnungspotenzial des Fernformats für Personengruppen, die über klassische Wege keinen Hochschulzugang finden.
Beim Frauenanteil liegt die FernUni Hagen mit 47,9 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 50,9 Prozent weiblicher Studierender (Destatis, WS 2024/25). Die fachliche Konzentration auf Mathematik/Informatik (23,3 %) und Wirtschaftswissenschaften (25,7 %) erklärt diesen Unterschied anteilig.
Abbruchquoten im Fernstudium: Daten und kritische Einordnung
Die Abbruchquoten im Fernstudium gehören zu den am kontroversesten diskutierten Kennzahlen in der deutschen Hochschulforschung — und die Datenlage ist ausdrücklich heterogen. Drei Ebenen lassen sich analytisch unterscheiden:
Bundesdurchschnitt für Präsenzstudierende (Vergleichswert)
Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) beziffert in seinem DZHW-Brief 05/2023 die allgemeine Studienabbruchquote für Bachelorstudierende auf 28 Prozent, für Masterstudierende auf 21 Prozent. Diese Werte gelten primär für Präsenzstudienangebote. Die Spanne nach Fach ist erheblich: Mathematik und Naturwissenschaften verzeichnen Quoten um 50 Prozent, Lehramtsstudiengänge hingegen nur rund 10 Prozent. Detaillierte Daten zu Abschluss- und Abbruchquoten nach Hochschultyp und Fachbereich finden sich in der Auswertung der Abschlussquoten Studierender in Deutschland 2026.
FernUniversität in Hagen: Die 70-Prozent-Debatte
Die FernUniversität in Hagen hat intern kommuniziert, dass die Abbruchquote bei rund 70 Prozent liege — sieben von zehn Immatrikulierten beenden das Studium ohne formalen Abschluss. Dieser Wert ist aus mehreren Gründen methodisch schwer einzuordnen: Erstens zählen als „Abbrecher” auch Personen, die sich ohne Abschlussabsicht nur für einzelne Module einschreiben. Zweitens ist die Vergleichsbasis uneinheitlich. Drittens schwankt die Quote erheblich zwischen den Fakultäten.
Als strukturelle Erklärung gelten die Doppelbelastung durch Beruf und Studium (75 % der Studierenden sind berufstätig), familiäre Verpflichtungen sowie die vergleichsweise niedrigen Eintrittsbarrieren: Ein Semesterbeitrag ohne Studiengebühren senkt die finanzielle Verbindlichkeit gegenüber privaten Anbietern erheblich.
Private Fernhochschulen
Private Fernhochschulen berichten deutlich niedrigere Abbruchquoten im Bereich von 20–35 Prozent. Mögliche Erklärungen: Die höheren Studiengebühren — Mediansemesterbeitrag 2.207 Euro — erhöhen die individuelle Verbindlichkeit. Engere Betreuungskonzepte und ein stärker modular aufgebautes Kurssystem mit kontinuierlichen Bewertungsformaten können das Abbruchrisiko reduzieren. Die Vergleichbarkeit mit der FernUni Hagen ist jedoch eingeschränkt, da Aufnahmevoraussetzungen, Zielgruppen und Studienformate abweichen.
Fernstudium vs. Präsenzstudium: Strukturvergleich in Zahlen
Ein direkter Vergleich macht die strukturellen Unterschiede zwischen den beiden Studienformen sichtbar:
| Kriterium | Fernstudium | Präsenzstudium |
|---|---|---|
| Trägerdominanz | Privat (>57 % der Studierenden) | Staatlich (86 %) |
| Ø Alter Studierende | 37,9 J. (FernUni Hagen) | 23–24 J. (Ersteinschreibungen) |
| Anteil Berufstätiger | ~75 % (FernUni Hagen) | deutlich geringer |
| Anteil an allen Studierenden | ~9 % (CHE/Destatis) | ~91 % |
| Bachelor-Abbruchquote | 20–70 % (institutionsspezifisch) | 28 % (DZHW-Brief 05/2023) |
| Median Semesterbeitrag | 2.207 € privat (CHE 2024) | <400 € staatlich |
Kosten und Finanzierung im Fernstudium
Die Kostenfrage ist ein zentrales Differenzierungsmerkmal des Fernstudienmarkts. Während staatliche Präsenzhochschulen in Deutschland allgemein Semesterbeiträge unter 400 Euro verlangen, liegt der Median bei privaten Fernhochschulen laut CHE-Analyse bei 2.207 Euro pro Semester (CHE 2024). Bachelor- und Masterstudiengänge kommen bei privaten Anbietern damit auf Gesamtkosten, die häufig die 10.000-Euro-Marke übersteigen.
Die staatliche FernUniversität in Hagen bildet die Ausnahme: Als einzige staatliche Fernuniversität Deutschlands erhebt sie lediglich übliche Semesterbeiträge ohne gesonderte Studiengebühren. Das erklärt anteilig, warum sich dort auch Studierende ohne feste Abschlussabsicht einschreiben — was die Abbruchstatistik entsprechend beeinflusst.
Fernstudium-Gebühren an privaten Hochschulen gelten in der Regel nicht als BAföG-förderungsfähig. Mögliche Gegenfinanzierungen sind Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitgeber-Weiterbildungszuschüsse sowie die steuerliche Absetzbarkeit als Werbungskosten. Einen umfassenden Überblick über Fördermöglichkeiten und Monatsbudgets von Studierenden bietet der Artikel zur Studienfinanzierung in Deutschland 2026.
Wer im Fernstudium kostenbewusst plant, findet außerdem im Artikel zu Studentenrabatten und kostenloser Software für Studierende im DACH-Raum 2026 eine kuratierte Übersicht über lizenzfreie Tools für Literaturverwaltung, Schreiben und Analyse.
Wer im Lauf des Fernstudiums eine Abschlussarbeit plant, kann mit dem Leitfaden zum Exposé mit KI schreiben 2026 frühzeitig eine strukturierte Grundlage entwickeln — besonders relevant für Fernstudierende ohne direkten Betreuungskontakt vor Ort.
Eine komplementäre Datenperspektive zu digitalen Lernwerkzeugen bietet der Artikel KI-Nutzung im Studium: Statistik und Zahlen 2026 für Deutschland — auch unter Fernstudierenden ist die Nutzung KI-gestützter Lernwerkzeuge inzwischen weit verbreitet.
Häufige Fragen zum Fernstudium in Deutschland (FAQ)
Wie viele Studierende sind in Deutschland im Fernstudium eingeschrieben?
Im Wintersemester 2022/23 waren laut CHE Centrum für Hochschulentwicklung auf Basis von Destatis-Daten über 250.000 Personen in Fernstudiumsprogrammen eingeschrieben — rund neun Prozent aller Studierenden an deutschen Hochschulen.
Welche Hochschule hat die meisten Fernstudierenden in Deutschland?
Die IU Internationale Hochschule (Erfurt) hatte im WS 2022/23 mit 76.279 Fernstudierenden den größten Anteil — etwa ein Drittel aller Fernstudierenden bundesweit. Die staatliche FernUniversität in Hagen kam auf 62.633 Fernstudierende. Beide Hochschulen zusammen stellten über die Hälfte des gesamten deutschen Fernstudienmarkts.
Wie hoch ist die Abbruchquote im Fernstudium?
Die Abbruchquoten variieren stark nach Anbieter. Die FernUniversität in Hagen schätzt institutionsintern rund 70 %; dieser Wert ist methodisch umstritten, da er auch Personen ohne formale Abschlussabsicht einschließt. Private Fernhochschulen berichten Quoten von 20–35 %, vergleichbar mit dem DZHW-Bundesdurchschnitt von 28 % für Bachelorstudierende (DZHW-Brief 05/2023).
Wie stark ist das Fernstudium in Deutschland seit 2006 gewachsen?
Laut CHE-Analyse auf Basis von Destatis-Daten hat sich die Zahl der Fernstudierenden von ca. 68.000 im WS 2006/07 auf über 250.000 im WS 2022/23 fast vervierfacht — ein Zuwachs von rund 268 Prozent in 16 Jahren. Haupttreiber sind die Digitalisierung der Lehre und die starke Expansion privater Anbieter.
Wie viel kostet ein Fernstudium in Deutschland?
Der Mediansemesterbeitrag bei privaten Fernhochschulen liegt laut CHE-Analyse bei 2.207 Euro; viele Bachelor- und Masterstudiengänge übersteigen insgesamt 10.000 Euro. Die staatliche FernUniversität in Hagen erhebt dagegen nur einen normalen Semesterbeitrag ohne gesonderte Studiengebühren.
Fazit: Fernstudium als struktureller Wachstumsmarkt mit offenen Datenlücken
Die Zahlen sind eindeutig: Das Fernstudium in Deutschland hat sich von einem Randphänomen zu einem relevanten Hochschulsegment entwickelt. Über 250.000 Fernstudierende, ein Anteil privater Träger von über 57 Prozent und ein Durchschnittsalter von fast 38 Jahren an der FernUni Hagen beschreiben einen Markt, der sich demografisch und strukturell fundamental vom klassischen Präsenzstudium unterscheidet.
Die Abbruchquoten bleiben eine zentrale Herausforderung — und eine, deren Datenbasis noch erhebliche Lücken aufweist. Für belastbare Vergleiche zwischen Fernstudium und Präsenzstudium fehlt bislang eine standardisierte bundesweite Erhebung. Was feststeht: Berufstätige Fernstudierende, die neben Vollzeitstelle und familiären Verpflichtungen studieren, brauchen gut strukturierte Arbeitsprozesse, um ihr Studium erfolgreich abzuschließen.
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