Wissenschaftliche Sprache: Typische Fehler und wie du sie vermeidest 2026

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Wissenschaftliche Sprache: Typische Fehler und wie du sie vermeidest 2026

Wissenschaftliche Sprache ist präzise, neutral und sachlich. Das klingt einfach — ist es aber nicht. Die häufigsten Probleme in deutschen Bachelorarbeiten sind keine Grammatikfehler, sondern Stilfehler: umgangssprachliche Formulierungen, übermäßige Ich-Form, vage Aussagen und leere Floskelsprache.

Dieser Artikel zeigt die zehn häufigsten wissenschaftliche Sprache-Fehler mit konkreten Verbesserungen.

Kurze Antwort: Die häufigsten wissenschaftlichen Sprachfehler sind Umgangssprache, Ich-Form ohne Rechtfertigung, Vagheit, Nominalstil-Überladung und fehlende Distanzierung bei Fremdaussagen. Alle sind lernbar und behebbar.

Umgangssprache und Alltagsformulierungen

Umgangssprachlich (vermeiden) Wissenschaftlich (besser)
“heutzutage” “gegenwärtig”, “im Jahr 2026”
“super wichtig” “von erheblicher Bedeutung”, “zentral”
“viele Leute” “ein Großteil der Bevölkerung”, “zahlreiche Befragte”
“irgendwie” Streichen oder präzisieren
“natürlich” Streichen (impliziert unkritische Selbstverständlichkeit)

Übermaß an Ich-Konstruktionen

Die Ich-Form in wissenschaftlichen Texten ist umstritten. Grundsätzlich ist sie erlaubt, wenn sie eigene Handlungen beschreibt (“In dieser Arbeit untersuche ich…”). Problematisch sind:

  • “Ich finde, dass…” — wertende Meinung ohne Beleg
  • “Ich glaube, dass…” — Vermutung ohne empirische Basis
  • “Meiner Meinung nach…” — ohne wissenschaftliche Fundierung

Besser: Passivkonstruktionen (“Im Folgenden wird gezeigt, dass…”) oder unpersönliche Formulierungen (“Die Analyse zeigt, dass…”).

Vage Formulierungen

Vagheit ist einer der häufigsten Fehler in Bachelorarbeiten. Behauptungen müssen belegt, Mengenangaben präzisiert und Zeitangaben konkretisiert werden:

  • Vage: “In den letzten Jahren hat die Digitalisierung zugenommen.” → Konkret: “Zwischen 2018 und 2023 stieg der Anteil digitaler Prozesse im deutschen Mittelstand von 34 auf 67 % (Bitkom 2023).”
  • Vage: “Viele Studien zeigen…” → Konkret: “Elf systematische Reviews der letzten zehn Jahre belegen…”

Fehlende Distanzierung

Wenn du Aussagen anderer Autoren referierst, muss sprachlich klar sein, dass es sich um Fremdaussagen handelt:

  • Ohne Distanzierung: “KI wird den Arbeitsmarkt radikal verändern.” (Als ob eigene Aussage)
  • Mit Distanzierung: “Gemäß Frey und Osborne (2013) könnte KI bis 2030 47 % aller US-amerikanischen Arbeitsplätze automatisieren.”

Signalverben für Distanzierung: “zufolge”, “gemäß”, “nach Ansicht von”, “wie X argumentiert”, “laut X”.

Weitere häufige Fehler

  • Nominalstil-Überladung: “Die Durchführung einer Untersuchung erfolgte” → “Untersucht wurde”
  • Wortwiederholungen: Synonyme nutzen oder Satzstruktur ändern
  • Zu lange Sätze: Komplexe Aussagen in mehrere Sätze aufteilen
  • Falsche Tempusverwendung: Ergebnisse im Präteritum, allgemeine Aussagen im Präsens
  • Anglizismen ohne Notwendigkeit: “implementieren” → “umsetzen”, “analysieren” ist akzeptabel

Zum wissenschaftlichen Schreiben generell: Wissenschaftliches Schreiben: Stil, Struktur und Sprache 2026

Zur Schreibblockade: Schreibblockade überwinden: 15 Strategien für die Bachelorarbeit

Positiv-Beispiele guter wissenschaftlicher Sprache

“Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen digitaler Transformation und Mitarbeiterzufriedenheit in deutschen Mittelstandsunternehmen. Auf Basis einer quantitativen Befragung von n = 312 Beschäftigten werden drei Hypothesen geprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen mit systematischen Digitalisierungsstrategien signifikant höhere Zufriedenheitswerte aufweisen (p < 0,01).”

Dieses Beispiel zeigt: Präzision (n = 312), Methodik (quantitative Befragung), Distanzierung zu Fremdquellen und sachlicher Ton ohne Ich-Form.

Häufige Fragen

Darf ich “ich” in einer wissenschaftlichen Arbeit schreiben?

Ja, in Maßen. Die Ich-Form ist erlaubt, wenn sie eigene Handlungen und Entscheidungen beschreibt (“Ich habe mich für eine qualitative Methode entschieden”). Wertende Meinungsäußerungen (“Ich finde, dass…”) ohne wissenschaftliche Grundlage sind dagegen nicht angemessen.

Ist Passiv in wissenschaftlichen Texten gut oder schlecht?

Passiv ist ein wichtiges Stilmittel wissenschaftlicher Texte, weil es Objektivität signalisiert. Es kann jedoch zu umständlichen Formulierungen führen. Eine gute wissenschaftliche Arbeit wechselt zwischen Aktiv und Passiv — je nachdem, was im Fokus steht: das Handlungssubjekt (Aktiv) oder der Vorgang/das Objekt (Passiv).

Wie kann ich meinen Schreibstil verbessern?

Lese regelmäßig Fachzeitschriftenartikel in deiner Disziplin und analysiere, wie Autoren formulieren. Schreibe dann selbst regelmäßig — auch kürzere Texte. KI-Lektoren (wie in Tesify integriert) können helfen, Umgangssprache und Füllwörter zu identifizieren.

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