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Interview Bachelorarbeit: Leitfaden für qualitative Forschung (2026)

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Interview in der Bachelorarbeit: Leitfaden für qualitative Forschung (2026)

Das Interview als Methode in der Bachelorarbeit ist eine der meistgenutzten Formen qualitativer Datenerhebung — und gleichzeitig eine der am häufigsten unterschätzten. Viele Studierende glauben, ein Interview sei einfach nur ein Gespräch mit ein paar Fragen. Tatsächlich erfordert ein wissenschaftlich verwertbares Interview sorgfältige Planung, einen durchdachten Leitfaden, eine strukturierte Transkription und eine systematische Auswertung.

Dieser Leitfaden richtet sich an Studierende, die für ihre Bachelorarbeit Leitfadeninterviews, Experteninterviews oder problemzentrierte Interviews planen. Er deckt alle Schritte ab — von der Entscheidung für die Interviewmethode bis zur Auswertung nach qualitativer Inhaltsanalyse.

Kurzantwort: Ein Interview in der Bachelorarbeit besteht aus fünf Phasen: Planung (Methode wählen, Leitfaden erstellen), Sampling (Interviewpartner auswählen), Durchführung (ethische Einwilligung, Aufnahme), Transkription und Auswertung (z.B. qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring oder Grounded Theory). Eine Bachelorarbeit kommt typischerweise mit 6–12 Interviews aus.

Welche Interviewform ist die richtige?

Es gibt verschiedene Interviewtypen, die je nach Forschungsfrage unterschiedlich geeignet sind:

Interviewtyp Strukturierungsgrad Geeignet für
Leitfadeninterview Halb-strukturiert Exploration von Erfahrungen und Meinungen
Experteninterview Halb-strukturiert Fachwissen und Insiderperspektiven
Problemzentriertes Interview Halb-strukturiert Gesellschaftliche Problemfelder
Narratives Interview Offen Biographische Forschung
Strukturiertes Interview Standardisiert Vergleichende Studien, große Stichproben

Für die meisten Bachelorarbeiten ist das Leitfadeninterview die beste Wahl: Es bietet genug Offenheit für unerwartete Erkenntnisse, aber genug Struktur für eine systematische Auswertung. Das problemzentrierte Interview nach Witzel eignet sich gut für soziale Fragestellungen; das Experteninterview nach Meuser und Nagel ist ideal, wenn Fachleute zu einem Thema befragt werden.

Den Interviewleitfaden erstellen

Ein guter Interviewleitfaden ist kein starres Frageskript, sondern eine Orientierungshilfe. Er enthält offene Fragen, mögliche Nachfragen und thematische Blöcke, die den Gesprächsverlauf gliedern.

Aufbau eines Leitfadeninterviews

  1. Einstiegsfrage: Offen, erzählgenerierend (“Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?”)
  2. Hauptblock 1–3: Kernthemen der Forschungsfrage, jeweils mit 2–3 Unterfragen
  3. Vertiefungsfragen: “Was meinen Sie genau damit?” / “Können Sie ein Beispiel nennen?”
  4. Abschlussfrage: “Gibt es etwas, das Sie hinzufügen möchten?”
Wichtig: Vermeide geschlossene Ja/Nein-Fragen, suggestive Formulierungen und Mehrfachfragen in einem Satz. Der Leitfaden sollte vorab in einem Probeinterview getestet werden.

Interviewpartner auswählen

In der qualitativen Forschung wird kein repräsentatives Sample angestrebt — stattdessen geht es um theoretisches Sampling: Wähle Interviewpartner, die möglichst unterschiedliche Perspektiven auf das Phänomen haben. Kriterien können sein: Berufsgruppe, Alter, Erfahrungshintergrund, regionaler Kontext.

Die Frage “Wie viele Interviews brauche ich?” lässt sich nicht pauschal beantworten. Als Orientierungswert gilt das Prinzip der theoretischen Sättigung: Wenn weitere Interviews keine neuen Erkenntnisse mehr liefern, ist die Datenmenge ausreichend. In Bachelorarbeiten werden typischerweise 6–12 Interviews als ausreichend akzeptiert — spreche dies vorab mit deiner Betreuungsperson ab.

Das Interview durchführen

Vor dem Interview

  • Einwilligungserklärung (informed consent) einholen — schriftlich, mit Angabe von Zweck, Aufzeichnung und Anonymisierung
  • Technische Ausstattung prüfen: Aufnahmegerät oder App mit ausreichend Speicher
  • Ruhige Umgebung wählen; Remote-Interviews per Zoom oder Teams sind methodisch akzeptiert

Während des Interviews

  • Aktiv zuhören, nicht unterbrechen
  • Pausen aushalten — oft kommen die tiefsten Antworten nach einer Pause
  • Nachfragen bei unklaren Aussagen: “Was verstehen Sie unter…?”
  • Den Leitfaden flexibel halten: Wenn das Gespräch in eine relevante Richtung abweicht, folge dem

Nach dem Interview

Schreibe unmittelbar nach dem Interview ein kurzes Memo: Was waren die wichtigsten Aussagen? Welche Themen tauchen überraschend auf? Wie war die Atmosphäre? Diese Memos sind wertvolles Auswertungsmaterial.

Transkription: Regeln und Systeme

Die Transkription überführt das gesprochene Interview in einen auswertbaren Text. Es gibt verschiedene Transkriptionssysteme — für Bachelorarbeiten reicht in der Regel eine einfache wortwörtliche Transkription ohne phonetische Zeichen.

Einfaches Transkriptionssystem (für Bachelorarbeiten)

  • Gesprochenes wörtlich übertragen (keine Korrekturen der Grammatik)
  • Pausen markieren: (kurze Pause), (lange Pause)
  • Betonungen: GROSSSCHREIBUNG
  • Unverständliches: (unverständlich)
  • Lachen, Husten: (lacht), (hustet)

Transkriptionssoftware wie MAXQDA, f4transkript oder das kostenlose oTranscribe erleichtern die Arbeit erheblich. MAXQDA wird an vielen deutschen Universitäten lizenziert und ermöglicht auch direkte Auswertung. Für Studierende, die ihren Schreibprozess effizienter gestalten möchten, bietet Tesify weitere Unterstützung beim akademischen Schreiben.

Auswertungsmethoden im Überblick

Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Die am häufigsten verwendete Methode in Bachelorarbeiten. Unterschieden werden drei Grundformen: zusammenfassende, explizierende und strukturierende Inhaltsanalyse. Bei der strukturierenden Inhaltsanalyse werden deduktiv aus der Theorie Kategorien gebildet, denen Textpassagen zugeordnet werden.

Grounded Theory

Stärker induktiv: Kategorien entstehen direkt aus dem Datenmaterial heraus. Für Bachelorarbeiten ist dieser Ansatz anspruchsvoll, liefert aber originäre Theoriebildung. Erfordert das Prinzip der theoretischen Sättigung.

Thematische Analyse nach Braun und Clarke

Flexibler Ansatz, der ohne starre methodische Vorgaben auskommt. Sechs Phasen: Vertrautmachen mit den Daten, Codes erstellen, Themen suchen, Themen überprüfen, Themen definieren, Bericht schreiben. Besonders geeignet für Studierende, die zum ersten Mal qualitativ forschen.

Weiterführende Informationen zu Forschungsmethoden, auch auf Französisch, findest du auf Tesify.fr. Die englischsprachige Plattform Tesify.app bietet internationale Ressourcen für wissenschaftliches Schreiben.

FAQ zum Interview in der Bachelorarbeit

Wie viele Interviews brauche ich für eine Bachelorarbeit?

In der Regel reichen 6–12 Interviews für eine Bachelorarbeit. Das Prinzip der theoretischen Sättigung ist entscheidend: Wenn weitere Interviews keine neuen Kategorien oder Erkenntnisse mehr liefern, ist der Datensatz ausreichend. Kläre die genaue Anzahl vorab mit deinem Betreuer.

Darf ich Interviews remote (per Zoom) durchführen?

Ja, Remote-Interviews sind methodisch akzeptiert und seit der Pandemie weit verbreitet. Du solltest in der Methodik-Sektion der Arbeit explizit erwähnen, dass die Interviews per Videokonferenz stattfanden, und mögliche Auswirkungen auf die Gesprächsdynamik reflektieren.

Muss ich das vollständige Transkript in der Arbeit abgeben?

Die vollständigen Transkripte kommen in der Regel in den Anhang der Arbeit (nicht in den Haupttext). Manche Betreuer verzichten auf die vollständigen Transkripte und verlangen nur ausgewählte Schlüsselzitate. Kläre das vorab, da Transkripte den Umfang erheblich erhöhen können.

Wie anonymisiere ich Interviewpartner korrekt?

Ersetze Namen durch Pseudonyme oder Codes (z.B. “IP1”, “IP2”). Ortsangaben, Arbeitgebernamen und andere identifizierende Details werden paraphrasiert oder anonymisiert. Bei Experteninterviews kann eine offene Nennung sinnvoll sein — dann ist eine explizite Einwilligung Pflicht. Die DSGVO ist auch bei wissenschaftlichen Daten zu beachten.

Welche Software hilft bei der Interview-Auswertung?

MAXQDA ist an deutschen Hochschulen sehr verbreitet und bietet umfangreiche Codier- und Visualisierungsfunktionen. ATLAS.ti ist eine Alternative mit ähnlichem Funktionsumfang. Für einfachere Auswertungen reicht auch Microsoft Word oder Excel. Manche Hochschulen stellen MAXQDA kostenlos zur Verfügung — erkundige dich bei deiner Bibliothek.

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